Prozess

Postbotin entsorgt 800 Briefe in Fluss und wird zu Haftstrafe verurteilt

Mindestens 800 Briefe hatte die Postbotin nicht zugestellt.

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Mindestens 800 Briefe hatte die Postbotin nicht zugestellt. Foto: dpa

Hagen.  Viele Hagener hatten vergeblich auf ihre Post gewartet: Mindestens 800 Briefe hatte eine 24-jährige Postbotin in der Ennepe entsorgt. Kurz darauf kündigte sie bei der Post – per SMS. Das Ganze hatte nun ein Nachspiel: Die Frau wurde vom Hagener Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Sie ist erst 24 Jahre alt, doch schon wiederholt straffällig geworden – unter anderem siebenmal wegen Betrugs und sechsmal wegen Diebstahls. Für den vertrauensvollen Job als Zustellerin bei der Deutschen Post reichte es dennoch. In wenigen Wochen wurden mindestens 800 Briefe nicht ausgetragen, sondern einfach weggeworfen. Das Urteil für die junge Frau lautete jetzt: zweieinhalb Jahre Gefängnis.

Im Zustellbezirk 7, in Haspe und auf dem Spielbrink, kam es zwischen dem 1. Juni und dem 12. Juli letzten Jahres zu Unregelmäßigkeiten bei der Zustellung. Viele Hagener warteten vergeblich auf ihre Post: Die steckte nämlich nicht im Briefkasten, sondern lag irgendwo verstreut in der Gegend.

400 Briefe lagen in der Böschung

Am Ehrenmal auf der Büddinghardt wurden von einem HEB-Mitarbeiter zwei Stapel Briefe in einem Mülleimer gefunden, 195 und 167 verschlossene Umschläge. An der Hammerstraße lagen 19 nicht ausgetragene Kuverts im Dreck, ein Bündel mit 86 ungeöffneten Briefen entdeckte ein Spaziergänger im Gebüsch, die Post war bereits teilweise von Tieren angenagt.

Den größten unverhofften Fund machten jedoch Mitarbeiter der Beschäftigungsinitiative „Arbeit schaffen in Haspe e.V.“: Bei einer Säuberungsaktion am steilen Ufer der Ennepe stießen sie auf vier dicke Stapel durchnässter Post. Gut 400 Briefe lagen in der Böschung am Preselweg.

Kündigung bei der Post per SMS

Wie es der Zufall so wollte: Auch der Rentenerhöhungsbescheid von Rolf Klinkert (71) befand sich darunter. Er ist Vorstandsmitglied der Beschäftigungsinitiative und zeigte sich als Zeuge vor dem Schöffengericht überzeugt: „Ich nehme an, dass am Ennepe-Ufer noch mehr Post vor sich hingammelt.“

Die angeklagte Ex-Zustellerin, sie trägt einen strengen Seitenscheitel und hat einen Mini-Pferdeschwanz. Sechs Wochen nach ihrer Einstellung hatte sie per SMS bei der Deutschen Post gekündigt: „Schaffe es nicht mehr. Habe keine Lust mehr. Komme nicht mehr.“ Doch sie bestreitet hartnäckig, die Briefe einfach weggeworfen zu haben: „Das kann auch jeder andere gewesen sein.“

Die Geschichte vom großen Unbekannten

Tatsächlich war jedoch außer ihr nur noch eine zweite Postzustellerin für Bezirk 7 zuständig. Doch diese Kollegin (39) hatte am 1. Juli einen schweren Unfall mit dem Dienstfahrrad – und war anschließend wochenlang krank. So blieb nur noch die Angeklagte als mögliche Täterin übrig.

Sie will es trotzdem nicht gewesen sein. „Vielleicht“, spekuliert sie, „hat’s ein anderer Kollege gemacht, um mir eins auszuwischen.“

Das Schöffengericht hält die Geschichte vom großen Unbekannten für frei erfunden: „Den gibt’s nicht“, so Richter Manfred Kleeschulte, „die Tat war vielmehr eine Mischung aus Überforderung, Dummdreistigkeit und Dummheit.“ Neben den zweieinhalb Jahren Haft droht der Widerruf einer 18-monatigen Bewährungsstrafe.

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