Kinderuni

Professorin in Hagen: „Kinder fragen jeden Blödsinn“

Anne Wehmeier. Professorin an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen.

Anne Wehmeier. Professorin an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Professorin Anne Wehmeier ist begeistert bei der Kinder-Uni in Hagen dabei. Im Interview verrät sie, warum Kinder freier denken als Erwachsene.

Anne Wehmeier ist Professorin im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Energie und Gebäude der Fachhochschule Südwestfalen. Die 43-Jährige hat im Oktober 2015 die Professur für Gebäudekonstruktion und energieeffiziente Gebäudeplanung übernommen. Bei der Kinder-Uni in Hagen hält sie am Dienstag, 3. März, eine Vorlesung mit dem Titel „Schall lalala! Kann es im Kinderzimmer lauter sein als im Fußballstadion?“

Dann mal Butter bei die Fische: Kann es im Kinderzimmer lauter sein als im Fußballstadion?

Das möchte ich nicht verraten, um die Spannung noch ein wenig aufrechtzuerhalten. Aber der Titel der Vorlesung suggeriert natürlich ein Ergebnis. Ich habe selbst zwei Kinder und weiß, wie es in einem Kinderzimmer zugehen kann.

Welche Inhalte stecken denn drin in Ihrer Vorlesung?

Es geht um Schall, Lärm, Geräusche. Ich will mit den Kindern erörtern, wo uns Lärm im Alltag begegnet, wie wir ihn wahrnehmen und wo unsere Schmerzgrenze liegt. Dass Lärm krank machen kann, ist ja bekannt. Es wird auf jeden Fall richtig laut. Es darf gebrüllt werden.

Kann man Kinder überhaupt für solch ein Thema begeistern?

Deshalb bin ich ja so gern Dozentin bei der Kinder-Uni, weil es eine große Freude ist, in die begeisterten Gesichter der Kinder zu gucken. Sie lachen, sie denken mit, man kriegt sie richtig gepackt. Es stimmt schon, vor meiner ersten Kinder-Uni war ich skeptisch, aber während der Vorlesung ist die Zeit dann wie im Flug vergangen. 45 Minuten sind genau die richtige Länge für einen Vortrag vor Kindern.

Wie unterscheiden sich kindliche von studentischen Zuhörern?

Kinder denken freier. Sie sind noch nicht von Vorurteilen oder Erziehung geprägt und denken nicht darüber nach, dass sie eine Frage, die ihnen auf der Zunge liegt, vielleicht gar nicht stellen dürfen, weil der Professor sie dann für dumm halten könnte. Kinder haben keine intellektuellen Scheuklappen. Sie denken und fragen sozusagen jeden Blödsinn, und dadurch bringen sie mich selbst manchmal auf neue Ideen.

Hört sich an, als säßen da lauter kleine Genies vor Ihnen. . .

Es sind tatsächlich bisweilen kleine Einsteins dabei. Ich bin immer wieder überrascht, mit welchem Wissen einige Kinder in die Veranstaltungen kommen. Da habe ich den Eindruck, dass sie vorher zig Bücher zum Thema gelesen haben. Kinder-Uni – das mag sich lieblich-niedlich anhören – aber es hat durchaus eine wissenschaftliche Basis.

Gibt es Unterscheide zwischen Mädchen und Jungen?

Jeder Mensch hat bestimmte Begabungen – unabhängig davon, ob er männlich oder weiblich ist. Aber jeder wird auch von seinem Umfeld unterschiedlich gefördert.

Als Professorin in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach sind Sie selbst doch auch eher eine ungewöhnliche Erscheinung, oder?

Ich hatte schon immer eine Begabung in Mathematik und Physik. Schon als Grundschülerin war es mein Wunsch, einmal Matheprofessorin zu werden. Dann habe ich studiert, promoviert, und als die Professur für Gebäudekonstruktion und energieeffiziente Gebäudeplanung an der Fachhochschule ausgeschrieben wurde, wusste ich: Das passt, das ist meine Stelle. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, wie Sie sehen.

Glauben Sie, dass es für Sie als Frau schwerer war, Karriere zu machen?

Nein, mir sind nie Steine in den Weg gelegt worden. Andersherum habe ich auch nie etwas geschenkt bekommen.

Sie dozieren also über Lärm. Mögen Sie die Stille nicht?

Und ob. Aber die Frage ist berechtigt, die Stille ist heutzutage ein hohes Gut, dass viele von uns nicht mehr haben oder nicht mehr kennen. Ich kenne Menschen, die halten es nicht aus, von Stille umgeben zu sein. Sie können zum Beispiel nur einschlafen, wenn das Radio läuft. Sie wandern nicht gerne im Wald. So sehr haben uns Schall und Lärm im Griff. Sie gehören zu unserem Alltag – in einem Maße, das vielen nicht bewusst ist.

Was ist denn Schall aus physikalischer Sicht?

Eine wellenförmige sich ausbreitende Schwingung in Medien, die beim Menschen z.B. vom Trommelfell aufgenommen wird und als Reiz an das Gehirn weitergeleitet wird. Das ist eine Art Domino-Effekt. Im Weltall würden wir übrigens nicht hören, das Vakuum leitet den Schall nicht weiter.

Geräusch, Ton, Klang: Was ist der Unterschied?

Ein Ton ist eine Frequenz, eine einzige. Ein Klang sind mehrere definierte Töne übereinander, ein Geräusch viele übereinander liegenden Frequenzen. Der Mensch nimmt Frequenzen unterschiedlich wahr. Tiefe Töne erscheinen uns leiser als hohe. Das fließt ein in die Berechnung und Konstruktion von Bauteilen und zwar in einer Weise, die die unterschiedliche Wahrnehmung nivelliert.

Die Vorlesungen der Kinder-Uni 2020 in Hagen findet am 18. Februar („Wie unterhalten sich Computer), 3. März („Kann es im Kinderzimmer lauter sein als im Fußballstadion?“) und 18. März („Warum bestimmt ein Graph, welchen Weg wir fahren?“) statt. Anmeldungen für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren unter www.fh-swf.de/kinder-uni

Die Vorlesungen der Kinder-Uni 2020 in Hagen findet am 18. Februar („Wie unterhalten sich Computer), 3. März („Kann es im Kinderzimmer lauter sein als im Fußballstadion?“) und 18. März („Warum bestimmt ein Graph, welchen Weg wir fahren?“) statt. Anmeldungen für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren unter www.fh-swf.de/kinder-uni

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