Bildung

Professorin Schütz gründet neues Forschungszentrum in Hagen

Professorin Julia Schütz forscht an der Fernuni Hagen.

Professorin Julia Schütz forscht an der Fernuni Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Fernuniversität will die Bildungsforschung ausbauen und hat dafür eine renommierte Wissenschaftlerin aus Hamburg nach Hagen gerufen.

Die Fernuniversität Hagen will verstärkt Bildungsforschung betreiben. Auf dem Campus wird am Donnerstag, 23. Mai, das Zen­trum für pädagogische Berufsgruppen und Organisationsforschung (ZeBO) gegründet. Dessen Sprecherin ist Julia Schütz (41), die seit September 2017 als Professorin das Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung der Fernuni leitet.

Die Wissenschaftlerin stammt aus Hamburg und beschäftigt sich seit Jahren mit Bildungs-, Lern- und Reflexionsprozessen. Ihr Kernthema sind die pädagogischen Akteure, also Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter und weitere im Bildungssektor tätige Berufe. „Mein Interesse galt schon immer dem Personal“, sagt sie. „Wenn sich all diese Professionen zusammenschlössen, wäre das die größte Berufsgruppe in Deutschland, die es gibt.“

Erziehung und Bildung

Ärzte würden sich, egal welcher Fachrichtung sie angehörten, untereinander stets als Kollegen bezeichnen. „Das müsste den Akteuren im Bildungswesen auch gelingen“, nennt Julia Schütz ihre Vision. Schließlich arbeiteten sie alle an der gleichen Aufgabe, nämlich der Erziehung und Bildung von Menschen.

Nun ist der Hanseatin bewusst, dass eine Erzieherin von einem Hochschullehrer wohl niemals als einem „Kollegen“ sprechen würde. Doch Professoren könnten das Personal von Kindergärten zumindest bei tariflichen Auseinandersetzungen rhetorisch unterstützen, fordert Schütz. Damit würde diese pädagogische Berufsgruppe eine Aufwertung erfahren.

Fehlendes Personal

Denn um die gesellschaftliche Anerkennung von Erzieherinnen sei es nicht gut bestellt. Je mehr Frauen in einem Beruf arbeiteten, desto weniger sei er angesehen: „Ich habe das erforscht.“ Zwei Gründe für diese mangelnde Wertschätzung seien die „Unsichtbarkeit der Leistungserbringung“ – in Tagesstätten wird ja nichts Sichtbares produziert – sowie das Verrichten praktischer Aufgaben, etwa das Wechseln von Windeln: „Je lebensnäher bzw. alltäglicher eine Aufgabe ist, desto geringer die Anerkennung.“

Auf der Gründungsveranstaltung des ZeBOs wird auch über den verbreiteten Fachkräftemangel diskutiert. Gerade die Einrichtungen in Hagen können davon ein Lied singen, fehlt es doch in Schulen und Kindergärten an Personal.

Attraktivere Bedingungen

Um das zu ändern, müssten die Berufe des Erziehers oder Grundschullehrers attraktiver für junge Menschen gestaltet werden, und das sei vor allem eine Frage der Bezahlung, so die Professorin: „Mit der Bildung ist es wie mit dem Naturschutz: Alle bezeichnen es als unser höchstes Gut, aber so richtig Geld raustun dafür will keiner.“ Pädagogische Berufe seien anspruchsvoll und müssten entsprechend vergütet werden: „Denken Sie nur an die gestiegenen Anforderungen, was Inklusion, Inte­gration und Digitalisierung betrifft.“

Mit den Hagener Bildungseinrichtungen will Julia Schütz eng zusammenarbeiten. Denn das ZeBO wurde eigens entwickelt, um die Resultate wissenschaftlicher Forschung mit den konkreten Bedürfnissen der im pädagogischen Sektor tätigen Akteure abzugleichen.

Kooperation mit Schulen und Kitas

Einige Schulen und Kindergärten in der Stadt hat die Professorin bereits angeschrieben, sie wünscht sich, dass sie regelrechte Sparringspartner der Fernuni werden: „Es wäre wahnsinnig gut, wenn wir unsere Ergebnisse mit ihnen diskutieren könnten. Sie als Fachkräfte können uns mitteilen, welche Auswirkungen das, was wir hier erforschen, auf ihre Arbeit hat.“

So könnte das ZeBO eine Art kleines gallisches Dorf werden, das von Hagen aus den Bildungsprozess weiterentwickelt.

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