Religion

Protestantin darf nicht Rektorin an der Goetheschule werden

Wiebke Kemper (links) und Melanie Wittstock.

Foto: Michael Kleinrensing

Wiebke Kemper (links) und Melanie Wittstock.

Boele.   Melanie Wittstock und Wiebke Kemper leiten die katholische Goetheschule in Hagen kommissarisch als Duo. Rektorin darf keine von ihnen werden.

Eigentlich würden sich alle Beteiligten wünschen, dass Melanie Wittstock (42) neue Rektorin der Goethe-Grundschule in Boele würde. Kinder und Eltern lieben die Lehrerin mit dem strahlenden Lächeln, und sie selbst hätte wohl nichts gegen eine Beförderung einzuwenden, da sie nach dem Ausscheiden von Sabine Schmidt ohnehin im Duo mit Wiebke Kemper als kommissarische Schulleiterin amtiert. Doch Melanie Wittstock kann nicht Rektorin werden, denn: „Ich bin evangelisch“, sagt sie.

Die Goetheschule ist zwar eine städtische, aber katholisch-konfessionelle Schule, und das nordrhein-westfälische Schulgesetz schreibt vor, dass der Rektor einer Bekenntnisschule dem entsprechenden Bekenntnis angehören muss. „Daran gibt es nicht zu deuteln“, bestätigt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Das gilt auch für evangelische Grundschulen, deren Leiter ein evangelischer Christ sein muss.

Eng mit Goetheschule verbandelt

Melanie Wittstock könnte also – vorausgesetzt, sie durchläuft noch das notwendige Eignungsfeststellungsverfahren – die Leitung einer evangelischen Schule übernehmen. In Hagen gibt es auch eine: die Freie evangelische Schule, sie liegt am anderen Ende der Stadt, hat einen jungen Rektor und kommt für die Pädagogin aus Boelerheide nicht in Frage.

Außerdem ist Melanie Wittstock seit jeher eng mit der Goetheschule verbandelt. Sie besuchte als Kind selbst die Lehranstalt in der Kirchstraße, nahm am katholischen Religionsunterricht teil und trat hier später nach dem Referendariat ihre erste Stelle an. Vor einiger Zeit absolvierte sie die Revision zur Konrektorin (dieses Amt darf sie bekleiden) und leitet die Schule derzeit gemeinsam mit ihrer Kollegin Wiebke Kemper kommissarisch. „Ich hätte schon Lust, Rektorin der Goetheschule zu werden“, sagt sie: „Aber das geht leider nicht.“

Anruf beim Erzbistum

Christoph Schneider, Pfarrer in Boele, hätte nichts gegen eine Ernennung von Melanie Wittstock einzuwenden. „Ich komme ausgezeichnet mit ihr aus“, sagt der katholische Geistliche: „Und eine engagierte Christin kann mir als Schulleiterin doch nur lieb sein.“ Er habe sogar schon beim Erzbistum in Paderborn angerufen, um sich für die Beförderung von Frau Wittstock einzusetzen, berichtet Schneider: „Dort hat man jedoch auf das Schulgesetz verwiesen und mir mitgeteilt, es gebe keinerlei Handlungsspielraum.“

Melanie Wittstock ist als Presbyterin in der evangelischen Kirchengemeinde Boelerheide tätig, engagiert sich im Gottesdienst-Ausschuss und leitet einen Chor: „Es kommt mir entgegen, dass an der Goetheschule Wert auf eine christliche Erziehung gelegt wird.“

Im Schulalltag kaum von Bedeutung

Im Schulalltag seien die konfessionellen Unterschiede kaum von Bedeutung, und da sie natürlich an den regelmäßigen Schulgottesdiensten teilnimmt, kann sie die katholische Liturgie auswendig mit beten. Nur katholischen Religionsunterricht, an dem auch die nichtkatholischen Schüler der Goetheschule teilnehmen müssen, darf sie nicht erteilen.

Von den 232 Kindern an der Goethe­schule sind 148 katholisch und 42 evangelisch, die übrigen orthodox oder ohne Bekenntnis. Die Schulleiterstelle wird ausgeschrieben, bewerben können sich ausschließlich katholische Kandidaten. Wiebke Kemper wird nicht dazu gehören: „Dass die Religion hier eine wichtige Rolle spielt, freut mich“, sagt sie. Schließlich erziehe sie ihren eigenen Sohn auch im christlichen Glauben. Doch Wiebke Kemper ist, wie ihre Kollegin Melanie Wittstock, evangelisch.

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