Natur

Rasende Vermehrung: Jagd auf Nutrias in Hagen geht weiter

Nutrias können bis zu 65 Zentimeter groß und 10 Kilo schwer werden.

Nutrias können bis zu 65 Zentimeter groß und 10 Kilo schwer werden.

Foto: Christoph Schmidt

Hagen.   Explosionsartig vermehren sich die Nager entlang der Hagener Flüsse. Und fressen dabei seltene Pflanzenarten nahezu weg. Die Jagd geht weiter.

Der Naturschutzbeirat hat die Jagdgenehmigung für Nutria und Bisamratte um weitere drei Jahre verlängert. Die Nagetiere dürfen damit in der Kaisbergaue, an der Volmemündung, in der Ruhraue Syburg sowie am Lennesteilhang Garenfeld weiterhin bejagt werden. „Wir haben nicht vor, die Populationen auszurotten“, begrüßte Hans de Myn, Vorsitzender des Hegerings Hagen-Nord und Besitzer weiterer Flächen im Hagener Norden, die Entscheidung: „Wir stellen den Tieren lediglich nach, um nachhaltige Schäden an seltenen Pflanzen zu verhüten.“

Sowohl Nutria als auch Bisam sind invasive Arten, die hierzulande nicht heimisch sind. Die Europäische Union hat die Tiere bereits im Jahr 2016 auf eine Liste gebietsfremder Arten gesetzt. Im gleichen Jahr hatte der Naturschutzbeirat in Hagen erstmals die Genehmigung zur Bestandsregulierung durch Jäger erteilt. „Die Nutrias unterhöhlen die Dämme an den Gewässern und fressen ökologisch wertvolle Pflanzen radikal weg“, so Wilhelm Bögemann, Vorsitzender des Gremiums.

Explosionsartige Vermehrung

Vor allem die Nutria hat sich an den Gewässern explosionsartig vermehrt. Selbst Naturschützer halten die Jagd auf die Tiere deshalb für alternativlos. „Wir müssen zu diesem Rettungsanker greifen, bevor der seltene Pflanzenbewuchs mit Stumpf und Stiel weggefressen wird“, sagt Ralf Blauscheck, Leiter der Biologischen Station in Hagen. Er befinde sich im Zwiespalt, so Blauscheck: „Aber die Bestandsdichte der Tiere ist nicht mehr zumutbar.“ Zudem würden manche Uferböschungen derart unterminiert, dass sie zusammenklappten.

Nach Auskunft von de Myn wurden in der Vergangenheit rund 15 Tiere pro Jahr geschossen. Die Vermehrungsrate der Tiere ist legendär, schon nach fünf Monaten sind sie geschlechtsreif, jedes Weibchen kann pro Jahr dreimal acht bis zehn Junge zur Welt bringen. Deshalb ist es auch unmöglich, den Bestand auszurotten. Was die ursprünglich in Südamerika beheimateten Nager anrichten können, zeigte sich 2014, als sie das Hundeübungsgewässer am Zusammenfluss von Volme und Ruhr gänzlich von Pflanzenbewuchs, darunter geschützte Arten wie Igelkolben und Froschbiss, befreiten. Auch Schwertlilien, Flussampfer und Seerosen stehen auf ihrem Speiseplan. Aus der Kaisbergaue konnten die Tiere ferngehalten werden. Dagegen kann man an der Lenne in Hohenlimburg beobachten, wie die Tiere von Menschen gefüttert werden.

Gejagt werden dürfen die Tiere von September bis Ende Februar, Jungtiere von Mai bis Februar. Auch der Jagd mit Fallen und auf dem Waser stimmte der Naturschutzbeirat zu – aber nur, wenn der Jäger den Kadaver entfernt.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben