Reportertausch

Reportertausch 2016 – Das Fazit

Neubürger auf Zeit: Redakteur Florian Hagemann (HNA) erhält von Annegrete Schmidt das Willkommenspaket für Neu-Hagener entgegen.

Foto: Michael Kleinrensing

Neubürger auf Zeit: Redakteur Florian Hagemann (HNA) erhält von Annegrete Schmidt das Willkommenspaket für Neu-Hagener entgegen. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Reportertausch 2016 – sechs Medienhäuser schicken für eine Woche je zwei Reporter auf die Reise durch Deutschland. Vier Redakteure erzählen wie es war – am Schreibtisch der anderen.

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In einer Woche haben sechs Medienhäuser je zwei Reporter auf die Reise durch Deutschland geschickt, um Erfahrungen zu sammeln. Wie arbeiten die anderen? Wie sehen andere unsere Städte?

Hagen mangelt es an Selbstbewusstsein, findet Tauschreporter Florian Hagemann (41). Er kann es nachempfinden. Er kommt aus Kassel.

Wie fängt man in Hagen ein Gespräch an?

Über diesen speziellen Hagen-Mix aus Ruhrgebiet und Sauerland. Wo die Leute sich auf Partys entweder das Sauerland-Lied von Zoff oder Ruhrgebiet von Wolfgang Petry wünschen. Dazu sagt eigentlich ­jeder etwas.

Und? Wie sind die Hagener so?

Ein Hagener Urgestein, das mich durch sein Viertel geführt hat, vereinte die Eigenschaften der Hagener ganz gut: Herzlichkeit verpackt in eine raue Schale. Die Hagener gehen zu defensiv mit ihren Schätzen um. Das war in Kassel ähnlich. Die Leute entschuldigten sich quasi dafür, aus der Stadt zu kommen. Allerdings hat sich das in den vergangenen Jahren geändert. Dieser Optimismus fehlt mir in Hagen.

Tauschen Sie nun ihren Arbeitsplatz – für immer?

Nein, ich bin in Kassel verankert. Aber zum Job gehört es dazu, offen zu sein, neugierig auf Menschen und für deren Probleme zu sein. Für eine Woche bin ich dabei.

Wenn gar nicht so sture Hessen auf geselligen Siegener treffen

Er wurde auf Facebook beschimpft, weil ihm das Kasseler Bier „Hütt Naturtrüb“ nicht schmeckte. Aber ansonsten verlief der Einsatz des Tauschreporters Hendrik Schulz (29) aus Siegen friedlich, zuweilen gesellig. Er arbeitete bei der Hessischen/Nordhessischen Allgemeinen.

Wie fängt man mit einem Kassler ein Gespräch an?

Mit dem Satz: „Ich komme nicht aus Kassel.“ Dann fangen die Leute gleich an, über ihre Stadt zu erzählen und zeigen einem alles. Mich erinnert Kassel sehr an Siegen. Beide sind aufstrebende Uni-Städte im Mittelgebirge. Kassel hat momentan einen Lauf. Und bei Siegen ist das ja ganz ähnlich. Was dort angepackt wird, funktioniert. Außerdem sagen die Kasseler über sich, dass sie stur seien. Aber die Erfahrung habe ich überhaupt nicht gemacht.

Haben Sie die regionaltypische Küche probiert?

Ja. Weckewerk. Das ist ein Fleischbrei aus Schlachtabfällen. So genau wollte ich nicht wissen. Aber es schmeckte sehr gut.

Und? Möchten Sie jetzt Ihren Arbeitsplatz tauschen? Für immer?

Auf gar keinen Fall. Ich liebe meinen Arbeitsplatz.

Elf Küsschen in elf Minuten? Ein Reporter ohne Grenzen

Elf Küsschen in elf Minuten ab 11.11 Uhr? Kein Problem für Kollege Jens Stubbe (43) aus Hagen. Er ging als Tauschreporter im Düsseldorfer Karneval wahrlich an seine Grenzen. Für eine Woche arbeitete er am Nachrichtendesk der Rheinischen Post mit.

Wie kommt man mit dem Düsseldorfer ins Gespräch?

Abwarten, meist beginnt er das Gespräch. Die Düsseldorfer sind sehr offen. Wie der Rentner eben, der vor dem Verlagshaus über den Oberbürgermeister geschimpft hat. Aber die Verkäuferinnen in den Edelboutiquen auf der Kö machten jeden Quatsch mit. Das war ein Teil meiner „Düsseldorf Challenge“, die ich mir gestellt habe: Einkaufen für fünf Euro auf der Luxusmeile. Ich traf keine Hochnäsigen, dafür jede Menge Pappnasen.

Lecker Pils oder Altbier?

Im Uerigen, eine traditionelle Düsseldorfer Kneipe, bestellte ich kühn ein Pils. Der Köbes drückte mir einen Spruch und stellte mir ein Alt hin. Den Hauch von Karamell und Kakao, von dem der Biersommelier neben mir sprach, schmeckte ich zwar nicht. Aber nach dem ersten Glas war der bittere Nachgeschmack weg.

Was haben Sie vermisst?

Meine Kollegen in Hagen. Die sind wie eine zweite Familie. Nun hoffe ich auf einen warmen Empfang am Montag.

Niedersachse verliebt in die Siegener Berge

Die Berge haben es dem Mann aus Osnabrück angetan. Tauschreporter Jean-Charles Fays (38) erklomm sie zu Fuß und mit dem Fahrrad.

Worüber reden Siegener gern?

Über Bier, Fußball, die US-Wahl und Berge, die Stadt hat ja auch jede Menge davon. Die Topografie der Stadt gefällt mir sehr gut. Es war toll, morgens im Schneegestöber dort hoch zu joggen. Fußball ist aber auch ein gutes Thema. Gut, der VfL Osnabrück spielt in der dritten Liga und die Sportfreunde... irgendwo darunter.

Was war die schönste Begegnung?

Ich habe Dienstagnacht live über die US-Wahlen getickert. Dazu gab es eine Veranstaltung an der Uni Siegen. Das Erlebnis war sehr intensiv, weil wir alle zusammen mitgefiebert haben, und dann alle wie vor den Kopf gestoßen waren.

Wie sind die Siegerländer?

Typisch Westfälisch. Im Umgang zunächst eher nüchtern, aber dann herzlich. Der Unterschied zu den Menschen in Osnabrück ist nicht groß.

Möchten Sie nun Ihren Arbeitsplatz tauschen? Für immer?

Siegen war ein schönes Abenteuer. Aber am schönsten bleibt eben doch die Heimat.

Alle zwölf Tauschreporter fassen ihre Erlebnisse in einem Blog zusammen.

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