pOSTEN-pOKER

Ringen um die Lohmann-Nachfolge

Nach dem Abschied von Bezirksbürgermeister Arno Lohmann (rechts) – hier bei der Annahme von Protestunterschriften – muss das Gremium einen Nachfolger für das Spitzenamt in der Bezirksvertretung Mitte finden. Foto/Archiv:Koch

Nach dem Abschied von Bezirksbürgermeister Arno Lohmann (rechts) – hier bei der Annahme von Protestunterschriften – muss das Gremium einen Nachfolger für das Spitzenamt in der Bezirksvertretung Mitte finden. Foto/Archiv:Koch

Hagen.   Für den Stadtbezirk Hagen-Mitte muss ein neuer Bezirksbürgermeister gefunden werden. Ralf Quardt von der CDU wird als Favorit gehandelt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wird die Wahl des künftigen Bezirksbürgermeisters für den Stadtbezirk Hagen-Mitte zum Ausdruck eines bewährten, harmonischen Miteinanders? Oder driftet die in der Februar-Sitzung (Dienstag, 7. Februar, 16 Uhr) anstehende Abstimmung zu einem reinen Muskelspiel und somit zu einer Machtdemonstration der Ratsallianz aus CDU, Grünen, Hagen Aktiv und FDP ab?

Hinter den Kulissen des Rathauses wird in diesen Tagen kräftig verhandelt, gefeilscht und gepokert. Immerhin hinterlässt der aus beruflichen Gründen zurückgetretene Amtsinhaber Arno Lohmann (SPD), der mit diesem Schritt selbst seine eigenen Genossen überraschte, ein gewaltiges Vakuum.

Junge macht Platz für Quardt

Sein Stellvertreter Hans-Joachim Junge (CDU/60), der als einstiger, bei der Kommunalwahl nur knapp gescheiterter Spitzenkandidat seiner Partei (siehe Hintergrund-Stück) zunächst selbst Ansprüche auf den Posten anmeldete, sieht inzwischen Ralf Quardt (60), langjähriger CDU-Fraktionschef in der Bezirksvertretung (BV) Mitte, als idealen Lohmann-Nachfolger an: „Er konnte 2014 aus beruflichen Gründen zwar noch nicht kandidieren, bringt aber sicherlich die größere politische Erfahrung mit und ist in Hagen bestens vernetzt.“

Bürgerwille steht im Vordergrund

Stärken, die sogar in SPD-Reihen Anerkennung finden. Allerdings würden die Genossen dann den Posten des Stellvertreters – vorausgesetzt Junge macht dafür den Stuhl frei – für sich beanspruchen: „Ich würde mir wünschen, dass wir uns einvernehmlich auf eine gemeinsame Liste verständigen“, plädiert SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Wetzel (62) für eine pragmatische Zusammenarbeit. „Uns ist in der Bezirksvertretung der Bürgerwille wichtig und nicht die Ideologie der Parteien.“

Dieses auf der BV-Ebene gern gepflegte, parteiübergreifende Miteinander setzt jedoch voraus, dass Junge parallel zum Lohmann-Rückzug auch seinen Stellvertreter-Posten räumt. Das würde der Küchenmeister im Stadthallen-Restaurant Wintergarten allerdings nur dann tun, wenn er alternativ künftig den CDU-Fraktionsvorsitz von Quardt übernehmen kann.

Parteichef Purps will jüngere Kräfte hochziehen

Hier würde CDU-Parteichef Christoph Purps, der für den Personalfindungsprozess im Hintergrund seine Unterstützung angeboten hat, jedoch gerne einen Verjüngungsprozess einfädeln. Er könnte sich an der Fraktionsspitze auch eine stärkere Rolle des ihm vertrauten Vorsitzenden der CDU-Ortsunion Mitte, Benjamin Tobias Fischer (35), oder auch von Emanuel Schmidt (43) vorstellen.

Doch diesen organisierten Absturz vom CDU-Spitzenkandidaten zurück ins Glied würde Junge wohl kaum mitmachen und dann eher an seinem Posten als stellvertretender Bezirksbürgermeister festhalten. Verbunden mit dem Purps-Selbstverständnis, dass der Vorsitz der größten Bezirksvertretung seiner Partei zustehe, würde dies „CDU pur“ im Stadtbezirk Mitte bedeuten.

SPD mahnt politische Hygiene an

Eine Perspektive, die SPD-Parteichef Timo Schisanowski an der politischen Hygiene zweifeln ließe: „Natürlich ist die Ausgangslage für die SPD suboptimal, aber ob eine solche Vorgehensweise den künftigen Gepflogenheiten entsprechen sollte und vor allem den Wählerwillen abbildet, weiß ich nicht“, spricht der Unterbezirksvorsitzende von einem „erheblichen Störgefühl“.

Ähnlich sieht es SPD-BV-Mitglied und Wetzel-Stellvertreter Christian Peters (40): „Schwarz pur wäre ein No-Go. Bislang war die Zusammenarbeit mit der CDU in der BV immer sehr angenehm. Ein solcher Schritt würde jedoch der Aufkündigung des demokratischen Miteinanders gleichkommen“, erwartet er einen solchen Konfrontationskurs allerdings nicht.

Junge als CDU-Fraktionschef

Zumal der voraussichtliche CDU-Spitzenkandidat Ralf Quardt, immerhin seit 2004 Mitglied der BV, keinen Zweifel daran lässt, dass auch er weiterhin das konstruktive Miteinander in dem Gremium pflegen wolle. „Für irgendwelche Spielchen stehe ich nicht zur Verfügung, sondern ich möchte immer versuchen, Einvernehmen zu finden.“ Im Klartext: Quardt könnte gut mit einem SPD-Stellvertreter leben und würde Hans-Joachim Junge dann gerne als CDU-Fraktionschef an seiner Seite sehen. Dann müsste jedoch die von Purps angedachte CDU-Verjüngungskurs an den Spitze der BV-Fraktion noch auf sich warten lassen.

Der Parteichef selbst möchte letztlich der harmonischen Konsensfindung in dem Gremium mit seinen Personal-Ideen nicht im Wege stehen: „Die Entscheidung liegt bei der BV-Fraktion, die ist da natürlich unabhängig.“

>>HINTERGRUND: PARTEIEN KOPF AN KOPF

Die Mehrheitsverhältnisse in der Bezirksvertretung Mitte sind seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 extrem eng. CDU und SPD erreichten bei dem Urnengang jeweils 31,4 Prozent der Wählerstimmen, wobei die Sozialdemokraten exakt sieben Voten mehr hinter sich vereinen konnten als die Union. Angesichts dieser Konstellation – auch die Jamaika-Allianz, die damals noch ohne die Unterstützung von Hagen Aktiv auskommen musste, hat in dem Gremium keine eigene Mehrheit – kam es um die Nachfolge des inzwischen verstorbenen Bezirksbürgermeisters Jürgen Glaeser im Juni 2014 zur Kampfabstimmung.

Während SPD und Hagen Aktiv mit den Listenvorschlägen Arno Lohmann und Jacques Kempkens ins Rennen gingen, setzte Jamaika auf Hans-Joachim Junge (CDU) und Jürgen Thormählen (Grüne). Beide politischen Lager bewegten sich in dem 19-köpfigen Gremium etwa auf Augenhöhe, so dass am Ende die Voten des AfD-Vertreters sowie der Linken-Mandatsträgerin den Ausschlag gaben. Ein Duell, in dem sich Lohmann letztlich mit 10:9 Stimmen gegen Junge durchsetzte, der somit zu seinem Stellvertreter gewählt wurde.

Zu einem peinlichen Intermezzo wurde die Installierung eines zweiten Stellvertreterpostens zugunsten von Hagen-Aktiv-Mandatsträger Kempkens. Zwei Tage nach seiner Wahl im Juni 2014 kehrte der Gewählte der Wählergemeinschaft den Rücken und wechselte ins AfD-Lager. Eine Missachtung des Wählerwillens, die Kempkens letztlich zum Rücktritt bewegte. Im September 2014 reduzierte die Bezirksvertretung die Zahl der Bezirksbürgermeister-Stellvertreter wieder auf einen Posten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben