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Rockerkrieg Hagen: Bandido schweigt, Prozess dauert länger

Ein Großaufgebot der Polizei hat seine Arbeit am Landgericht Hagen aufgenommen.  

Ein Großaufgebot der Polizei hat seine Arbeit am Landgericht Hagen aufgenommen.  

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Der Prozess im Hagener Rockerkrieg ist schleppend gestartet: Der angeklagte Bandido schweigt. Und mit der entscheidenden Zeugin gibt es Probleme.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen startet am Montag, 25. März, der erste Prozess im Hagener Rockerkrieg. Ein 31 Jahre alter Hagener, der als führendes Mitglied des Hagener Bandidos-Chapters gilt, muss sich wegen versuchten Heimtücke-Mordes verantworten. Er soll verantwortlich sein für die Schüsse auf einen BMW auf der Saarlandstraße am 13. Oktober. Wir verfolgen den Prozessstart und aktualisieren diesen Artikel laufend.

8.30 Uhr: Lange schien es sehr ruhig rund um das Landgerichtsgebäude in Hagen. Inzwischen ist aber ein Großaufgebot der Polizei eingetroffen. Bereitschaftspolizei aus Bochum unterstützt die Hagener Polizei. „Die Lage ist ruhig“, sagt Polizeisprecher Michael Siemes. „Wir sind aber auf alle Eventualitäten vorbereitet.“ Nicht nur rund um das Landgerichtsgebäude ist die Polizei aktiv, sondern auch im Stadtgebiet. „Wir haben unter anderem auch Treffpunkte der Bandidos und der Freeway Riders im Blick.“ Das Ziel sei klar: „Wir werden keine Machtdemonstrationen oder rechtsfreie Räume dulden. Die Polizei wird das staatliche Machtmonmopol durchsetzen.“

8.45 Uhr: Vor dem Schwurgerichtssaal haben inzwischen die besonderen Sicherheitskontrollen begonnen. Nicht nur am Eingang zum Landgericht, sondern auch vor dem Gerichtssaal werden alle Besucher und auch Medienvertreter erneut kontrolliert. Landgerichtssprecher Bernhard Kuchler: „Auch im Gerichtssaal wird eine größere Anzahl von Wachtmeistern präsent sein.“ Es ist ein gutes Dutzend Zuschauern gekommen. Einige gehören zum Freundes- bzw. Bekanntenkreis des Angeklagten. Aber keiner ist erkennbar einem der Rockerlager zuzuordnen. Die Lage ist jedenfalls sehr ruhig.

9 Uhr: Der Prozess ist pünktlich gestartet. Der 31-jährige Angeklagte - kurz geschorene Haare, kurzer Vollbart, weißes Hemd und Jeans - schaut interessiert ins Publikum. Einige seiner Bekannten

sind darunter. Staatsanwalt Nölle liest die kurze Anklageschrift vor. Der Angeklagte wird vom Vorsitzenden Richter Marcus Teich gefragt, ob er sich zu den Vorwürfen äußern will. Doch der macht von seinem Recht Gebrauch, auf die Aussage zu verzichten.

9.15 Uhr: Eigentlich wäre jetzt die Aussage der Zeugin vorgesehen, die die Lebensgefährtin des Freeway Riders ist, auf dessen BMW auf der Saarlandstraße geschossen wurde. Sie saß auch mit in dem Auto und gilt als wichtig Zeugin. Doch sie hat ein Attest vorgelegt, in dem ihr bescheinigt wird, dass sie derzeit wegen psychischer Probleme nicht vor Gericht erscheinen kann. Richter Marcus Teich berichtet aber von einem Gespräch mit der Ärztin, die ihm versichert habe, dass dieser Zustand der Patientin nicht dauerhaft sei. Deshalb werden jetzt Verhandlungstermine über den 18. April - dem eigentlich geplanten Prozessende - hinaus zwischen den Prozessbeteiligten gesucht.

10 Uhr: Der Prozess ist vertagt. Klar ist nun nur: Der Prozess wird länger dauern als zunächst geplant. Um die entscheidenden Zeugin noch hören zu können, sind Verhandlungstermine bis Mitte Mai vereinbart worden. Am Donnerstag geht die Verhandlung weiter. Dann werden die beiden weiteren Insassen des BMW, auf den geschossen wurde, als Zeugen gehört. Sie sollen Mitglieder der Freeway Riders sein.

Der Prozess startet mit massiven Sicherheitsmaßnahmen. Sowohl die Polizei als auch die Justiz-Wachtmeister am Landgericht Hagen sollen mit einem großen Aufgebot für Sicherheit sorgen. Zudem gilt in und um das Landgericht ein „Kutten-Verbot“. Es gibt Befürchtungen, dass die Bandidos oder die mit ihnen rivalisierenden Freeway Riders den Prozess stören könnten. Nicht nur am Einlass zum Landgericht, sondern auch noch einmal vor dem Sitzungssaal wird es zu Kontrollen kommen.

Puzzleteil im Hagener Rockerkrieg

Die Schüsse von der Saarlandstraße sind ein Puzzlestein in dem Konflikt zwischen den in Hagen seit fast 45 Jahre ansässigen Freeway Riders und den seit Herbst 2016 in Hagen präsenten Bandidos. Es gibt noch eine Reihe weiterer, teils blutiger Vorfälle. So wird voraussichtlich bereits im Mai zu einem zweiten Rockerkrieg-Prozess in Hagen geben. Dann allerdings sitzt ein Freeway Rider auf der Anklagebank, der einen Bandidos niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt haben soll.

Zurück zum Prozessstart am Montag: Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 13. Oktober an Schüssen auf ein mit Angehörigen d „Freeway Riders MC“ besetztes Fahrzeug beteiligt gewesen zu sein. Das Bandidos-Mitglied soll am Tattag gegen 18.30 Uhr zusammen mit einem bislang unbekannten Beifahrer auf der Saarlandstraße in Hagen stadtauswärts mit einem Mercedes Cabriolet gefahren sein. Dort war zur gleichen Zeit der BMW unterwegs.

Auf der Strecke zwischen der dortigen Radaranlage und der Ausfahrt Feithstraße soll entweder der Angeklagte oder dessen Beifahrer unvermittelt vier Schüsse auf den BMW abgegeben haben, dessen Fahrer der Gruppierung „Freeway Riders MC“ angehören soll. Dabei, so die Anklage, sollen der Angeklagte und sein Beifahrer gemeinsam und in der Absicht gehandelt haben den Fahrer des BMW heimtückisch zu töten. Eine Kugel soll den BMW im Bereich des Tankdeckels getroffen haben.

Für das Verfahren sind insgesamt sieben Hauptverhandlungstage bis zum 18. April vorgesehen: 25., 28.März sowie 4.,5., 11., 12. und 18. April jeweils um 9 Uhr

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