Müllwagen

Rückwärtsfahrverbot – Hagen muss 1300 Straßen prüfen

Hagen hat viele enge und steile Straßen, in denen Müllfahrzeuge rückwärts fahren müssen. Allerdings gibt es immer, wie hier zu sehen, Einweiser. Doch das Rückwärtsfahren soll ganz verboten werden.

Hagen hat viele enge und steile Straßen, in denen Müllfahrzeuge rückwärts fahren müssen. Allerdings gibt es immer, wie hier zu sehen, Einweiser. Doch das Rückwärtsfahren soll ganz verboten werden.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Unfallkasse NRW bleibt hart in Sachen Rückwärtsfahrverbot für Müllwagen: 1300 Straßen muss der Entsorgungsbetrieb Hagen überprüfen. Ein Mitarbeiter ist extra dafür abgestellt.

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Das von der Unfallkasse NRW geforderte Rückwärts-Fahrverbot für Müllfahrzeuge beschäftigt weiter den Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB): Ein Mitarbeiter des städtischen Unternehmens ist extra dafür abgestellt, die Müllwagen täglich auf ihren Touren zu begleiten, um herauszufinden, welche Straßen betroffen sind. „Das ist ziemlich aufwändig, da wir rund 1300 Straßen im Hagener Stadtgebiet erfassen müssen“, sagt Jacqueline Jagusch, Sprecherin des HEB. „Da wir mit zwölf Sammelfahrzeugen an fünf Tagen in der Woche unterwegs sind, sind dies bereits 60 Touren, die der Mitarbeiter begleiten muss.“ Hinzu kämen noch die Straßen, die im Wechsel alle 14 Tage angefahren würden.

Unsere Zeitung hatte bereits im Januar über das umstrittene Rückwärtsfahrverbot für Müllwagen berichtet. Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, bei der kommunale Unternehmen versichert sind, hatte den HEB, so wie alle anderen Entsorgungs-Betriebe in NRW auch, schriftlich auf dieses Verbot hingewiesen. Das Erstaunliche dabei: Die Unfallverhütungsvorschrift, auf die sich die Kasse bezieht, stammt schon aus dem Jahr 1979. Demnach darf Müll nur abgeholt werden, „wenn ein Rückwärtsfahren nicht erforderlich ist“.

Mehr als 35 Jahre lang wurde diese Vorschrift aber höchst großzügig ausgelegt. In Hagen und auch in den allermeisten anderen Städten des Landes fahren die Müllwagen seit Jahr und Tag bei Bedarf rückwärts. Damit soll nun aber endgültig Schluss sein, obwohl sich bereits höhere Sicherheitsvorkehrungen im Alltag etabliert haben. So gibt es beim HEB immer einen, meist sogar zwei Einweiser, die beim Rückwärtsfahren den Raum neben und hinter dem Müllwagen kontrollieren. Zudem gibt es elektronische Warnsysteme mit lautem Piepton beim Rückwärtsfahren.

Beim HEB gab es in den vergangenen Jahren auch keinen Unfall mit Personenschaden. „Wir rechnen aber nicht mit gravierenden Änderungen in der Haltung der Unfallkasse“, sagt Jacqueline Jagusch. „Deshalb halten wir es für angezeigt, uns vorzubereiten.“ Im Sommer soll es belastbare Erkenntnisse geben, welche Straßen tatsächlich betroffen sind.

Spezielle Fahrzeuge sind teuer

Die Folgen könnten sein: Nur noch spezielle kleine Müllwagen dürfen in die betroffenen Straßen fahren, wenn sie denn dort wenden können. Deren Einsatz ist aber teurer, das heißt: Da die Müllabfuhr kostendeckend arbeiten muss, werden die Mehrkosten auf die Gebühren für alle Bürger umgelegt. Oder aber bestimmte Straßen werden überhaupt nicht mehr angefahren, was bedeutet: Die Bürger müssen ihre Mülltonnen selbst bis zur nächsten anfahrbaren Straßenecke ziehen. Oder aber sie müssen den Hol-Service des HEB in Anspruch nehmen, der ebenfalls kostenpflichtig sein würde.

Dass die Unfallkasse NRW bei ihrer harten Haltung bleiben wird, bestätigt auch deren Sprecher Thomas Plicht. Man arbeite weiter an einer neuen Branchen-Regelung für die Müllabfuhr, in der alle Vorschriften künftig gebündelt werden sollen. Es sei aber nicht geplant, an dem Rückwärtsfahr-Verbot zu rütteln.

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