Schule

Ruhestand für den Vater der Sekundarschule

Der neuer  der Sekundarschule Breckerfeld, Dirk Bollwahn (rechts) mit seinem Vorgänger Knut-Michael Leimann.

Foto: Jens Stubbe

Der neuer der Sekundarschule Breckerfeld, Dirk Bollwahn (rechts) mit seinem Vorgänger Knut-Michael Leimann. Foto: Jens Stubbe

Breckerfeld.   Knut-Michael Leimann ist Lehrer aus Leidenschaft und wird am 2. Februar offiziell als Leiter der Sekundarschule Breckerfeld verabschiedet.

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Wenn er über den Schulhof wandert und die Fünftklässler, die er nie unterrichtet hat, zu ihm herüberrufen „Hallo, Herr Leimann“ – das mag einer der Momente sein, die Knut-Michael Leimann vermissen wird. Zum Halbjahreswechsel wird der Leiter der Evangelischen St.-Jacobus-Sekundarschule und -Realschule verabschiedet. Offizieller Abschied ist am 2. Februar. Ab dem 1. Februar tritt Dirk Bollwahn seine Nachfolge an.

„Ich zähle nicht die Tage“, sagt der Mann, der im Sommer 1998 an die Schule nach Breckerfeld gekommen ist, „ich mache meinen Job ja gern. Obwohl ich den letzten drei Jahren nur noch in Vertretungsstunden unterrichtet habe. Aber die Arbeit mit dem Kollegium, die Integration der vielen neuen jungen Lehrer an der Schule, die richtige Balance zu finden zu jenen, die schon länger hier unterrichten – das alles hat mir richtig Spaß gemacht.“

Zufriedener Rückblick

Zufrieden blickt der Eilper zurück auf fast 20 Jahre in der Hansestadt. „Ich bin extrem dankbar dafür, dass ich hier die Chance erhalten habe, eine Schule quasi komplett neu aufzubauen“, sagt jener Mann, der 1975 als Lehramtsanwärter an der Bruchtor-Hauptschule in Hattingen zum ersten Mal vor einer Klasse stand und später parallel noch einmal studierte, um in der Sekundarstufe 1 unterrichten zu dürfen.

Es ist die Sekundarschule, die 2012 an den Start ging und deren erster Einschulungsjahrgang heute die neunte Klasse besucht, die Leimann meint. Bis heute ist sie die einzige in Nordrhein-Westfalen, die den Weg gewählt hat, im dreigliedrigen System nach dem kooperativen Modell zu unterrichten. Das bedeutet: Erst nach der Klasse sechs wird an der Evangelischen Sekundarschule differenziert – in einen gymnasialen, in einen Realschule- und in einen Hauptschulzweig.

Leimann, der Überzeugungs-Arbeiter, hat das Kollegium auf diesen besonderen Weg mitgenommen. „In der Schulkonferenz gab es keine Gegenstimme, als wir darüber beraten haben“, sagt er, „ich weiß von vielen anderen Schulen, dass das Kollegium einen solchen Weg blockiert hat.“

Für Leimann war der Weg konsequent, um die Schule zukunftsfähig aufzustellen. Er eröffnete beispielsweise die Chance, mit einem Lehrer-Schüler-Quotienten von 16,25 (Realschule 20) arbeiten zu können. „Hinzu kommt nochmal ein Stellenaufschlag von einem Fünftel für den Ganztag“, so Leimann.

Bereits 2005 gab es Überlegungen, in Kooperation mit der Hauptschule ein Schulhaus einzurichten. Daran schlossen Überlegungen zu einer Ganztags-Realschule an. Der Schulkonsens zwischen SPD und CDU in NRW eröffnete 2011 dann schließlich in Nordrhein-Westfalen die neue Chance, eine Ganztagsschule auch in Breckerfeld zu etablieren.

„An manchen Stellen war das im eher konservativ geprägten Breckerfeld ein Kampf“, sagt Leimann, der sich immer wieder zwischen den Interessen der Landeskirche als Träger und der Stadt sah, „wir brauchten einen langen Atem. Aber man muss auch sagen, dass es mit Klaus Baumann einen Bürgermeister gab, der die Zeichen der Zeit erkannt hatte.“

Mit Alibi-Kind zum Schulbesuch

An diesen Weg war im Winter 97/98 nicht zu denken. Es war die Zeit, als Knut-Michael Leimann mit seinem Sohn als Alibi-Kind zum Tag der offenen Tür der Schule fuhr, um zu gucken, wohin genau er sich da beworben hatte. „Aber schon damals gefiel mir die Schule gut“, sagt er.

Geblieben ist der Mann, der immer gerne Lehrer war („Wer den Schülern etwas gibt, bekommt auch viel zurück“), bis zu seiner Pensionierung. „Für Schulentwicklung werde ich mich weiter interessieren“, sagt er, „aber ich werde mich hier in Breckerfeld auf keinen Fall einmischen. Vielleicht mache ich etwas im Bereich Weiterbildung. Und ich werde mir künftig mehr Zeit für mein Hobby nehmen.“ Für die Fotografie, für die Musik und für das Wandern.

>> HINTERGRUND:

Elf Jahre lang hat Dirk Bollwahn als Sonderpädagoge an einer Förderschule gearbeitet, seit 2013 ist der 43-Jährige Dortmunder als stellvertretender Leiter an der Evangelischen Sekundarschule. „Diese drei Jahre waren wichtig, um das System kennenzulernen“, sagt der Pädagoge, der Mathematik und Deutsch unterrichtet, „ich bin hier vom Leitungsteam sehr gut aufgenommen worden.“ Zu dem zählt auch Klaus Joraschkewitz, der die Realschule in ihrem letzten Jahr kommissarisch leiten wird.

„Hier an dieser Schule gibt es ein Super-Fundament“, so Bollwahn, „natürlich werde ich manche Dinge anders machen. Aber es wichtig, eine gewisse Kontinuität zu wahren.“ Da gelte auch für die Zeit, in der die Jacobus-Schule auch noch Realschule war. Das Gute wolle man bewahren. Im Vollausbau sollen an der St.-Jacobus-Sekundarschule rund 600 Schüler unterrichtet werden. Die Schule soll komplett vierzügig laufen.

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