Bildung

Schüler können lernen, wie man einen Menschen wiederbelebt

Der Hagener Jens Schilling wirbt für die Laienreanimation und hat schon in Schulklassen unterrichtet.

Der Hagener Jens Schilling wirbt für die Laienreanimation und hat schon in Schulklassen unterrichtet.

Hagen.   Jens Schilling, Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, hat die Facebook-Seite „Laienreanimation kann jeder“ ins Leben gerufen.

Die Reanimation von Menschen soll auf Initiative von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bundesweit an Schulen unterrichtet werden (unsere Zeitung berichtete). Äußerst positive Erfahrungen damit hat Jens Schilling gemacht, der als Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin am Allgemeinen Krankenhaus arbeitet. Er hat die Facebook-Seite „Laienreanimation kann jeder“ ins Leben gerufen und wirbt aktiv für die lebensrettende Wiederbelebung.

Überrascht Sie der Vorstoß aus dem Ministerium?

Jens Schilling: Bereits 20015 habe ich in der FDP-Landtagsfraktion für die Laienreanimation an Schulen geworben. Jetzt ist sie Bestandteil des Koalitionsvertrags geworden. Auch Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion habe ich schon geschult. In Kürze habe ich einen Termin mit NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Insofern merkt man, dass dieses Thema immer größere Bedeutung gewinnt.

Eignet sich die Laienreanimation denn überhaupt für Kinder?

Auf jeden Fall. Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht, gerade 80 Schüler am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Wetter ausgebildet, am Wochenende 50 Konfirmanden in Breckerfeld geschult und arbeite auch mit dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg in Hagen zusammen. Jugendliche gehen viel ungezwungener als Erwachsene an das Thema heran. Selbst Grundschüler kann man spielerisch an die Reanimation heranführen.

Aber Grundschüler können doch nicht selbstständig eine Reanimation durchführen...

Aber man kann ihnen beibringen, wie man zum Beispiel einen Notruf richtig absetzt. Denken Sie nur an Kinder, die alleine mit ihren Großeltern zusammen sind. Die wissen oft nicht einmal, wie Oma und Opa mit Nachnamen heißen, geschweige denn wo sie wohnen.

Was schwebt Ihnen denn an weiterführenden Schulen vor?

Im Grunde reichen rund eineinhalb Stunden pro Schuljahr aus. Ich mache die Schüler mit der Thematik vertraut, erkläre etwas über das Kreislaufsysteme und schließlich üben wir die Reanimation an speziellen Puppen. Und das Ganze kostet die Schulen derzeit keinen Cent.

An welche Altersklassen denken Sie?

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es Sinn macht, mit Siebt- und Achtklässlern zu trainieren. Ich frage eingangs immer, wer Angst hat, selbst einen Menschen zu reanimieren. Dann schnellen häufig alle Finger nach oben. Stelle ich dieselbe Frage am Ende noch einmal, meldet sich niemand.

Sie glauben also tatsächlich, dass schon Jugendliche einen Menschen wiederbeleben können?

Dass Kinder in einem gewissen Alter nicht im Stande sind, einen Menschen zu reanimieren, ist schlichtweg falsch. 13- oder 14-jährige Jugendliche kriegen eine kräftige Herzdruckmassage alleine hin, wenn ihnen denn vorher mal jemand gezeigt hat, wie das funktioniert. Das kann im Notfall ein Menschenleben retten.

>>Hintergrund: Terminvereinbarung

  • Der Hagener Jens Schilling, über dessen Engagement unsere Zeitung vor dreieinhalb Jahren erstmals berichtet hat, hat auf Facebook das Portal „Laienreanimation kann jeder“ ins Leben gerufen. Weitere Infos auch im Internet auf der Seite www.laienranimationkannjeder.de.
  • Schulen, die an einem Besuch von Jens Schilling interessiert sind, können unter 2012001 einen Termin vereinbaren.

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