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Schüler-Projekt in Hagen rückt Thema Essstörungen in Fokus

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Foto: Joachim Schwingel

Vieles Foto: Joachim Schwingel

Hagen.   „Innenwelten“ heißt ein Projekt, das Essstörungen in den Fokus rückt. Schüler eines Berufskollegs sind vor der Kamera besonders kreativ.

Es braucht noch ein paar Hände. Sie zerren an ihr. An den Haaren, an der Kleidung. Joachim Schwingel, der Fotograf, drückt auf den Auslöser. „Klasse Leute, tolles Foto.“ Die hellen Schirme setzen sie ins rechte Licht. So entsteht es: das Bild.

Ihr Bild, das ein bisschen etwas davon widerspiegelt, wie sich Doreen Saul, 20 Jahre, angehende Erziehring, selber sieht. „Das Foto zeigt, dass ich standhaft bleiben will“, wird die Schülerin des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs später sagen, „obwohl so viel auf mich einwirkt. Umwelt, Familie, Stress.“

„Innenwelten“ soll vor Essstörungen bewahren

„Innenwelten“ heißen die Aktionswochen, an denen einige Schüler des Berufskollegs teilnehmen. Es geht um die Prävention von Essstörungen und darum, auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Auf ein Problem, das immer auch etwas damit zu tun hat, wie man sich selbst sieht und wie die anderen einen sehen.

„Meiner Haare wegen werde ich schnell als ungepflegt abgestempelt“, sagt Doreen Saul, die Dreadlocks trägt und erzählt noch über ein weiteres Klischee: „Die Menschen glauben, ich würde Drogen nehmen.“

Schüler sehen das Positive im Anderen

Nichts stimmt. Und in ihrer Klasse werden durch „Innenwelten“ die Vorurteile umgekehrt. „Wir haben uns gegenseitig Komplimente gemacht. Uns mal gesagt, was wir aneinander mögen und schätzen. Es ist gut, mal das Positive im Anderen zu sehen“, erzählt Bahar Kürekci, die mit ihren 1,48 Metern Körpergröße und aufgrund ihrer Herkunft immer als „die Kleine“ und als Ausländerin abgestempelt wurde. „Auf meinem Foto habe ich mich mit einem Mitschüler ablichten lassen, der weitaus größer ist als ich. Ich bin in die Höhe gesprungen, wollte zeigen, dass ich stark bin, obwohl ich mit meiner Größe so gar nicht dem Idealbild entspreche.“

Dabei sind Bahar, Doreen und all die anderen Schüler der Mittelstufe an der Käthe, die bislang mit dem Thema Essstörungen keine Erfahrungen machen mussten, Multiplikatoren im besten Sinne. Sie gehen bald in ihr Blockpraktikum: in Jugendzentren und in Kinderheimen, in denen sie auf Jugendliche treffen, die besonders gefährdet sind.

Angehende Multiplikatoren werden sensibilisiert

„Essstörungen in den verschiedensten Ausprägungen sind ein sehr schambesetztes Thema“, sagt Ingrid Liefke von der Suchtberatung der Arbeiterwohlfahrt, die gemeinsam mit Kirsten Lange von der kommunalen Drogenhilfe der Stadt Hagen die Aktionswoche an der Berufsschule auf dem Remberg betreut hat, „uns geht es auch darum, den Blick bei denjenigen zu schärfen, die künftig mit jungen Menschen zu tun haben.“

Dabei, so sagt Kirsten Lange, solle die Elternarbeit forciert werden. Die Arbeit mit den angehenden Multiplikatoren sei auch vor diesem Hintergrund wichtig. „Es gab immer wieder Momente in der Aktionswoche, in denen haben sich die Schüler so gegeben, wie sie wirklich sind“, sagt Kirsten Lange, „und genau darum ging es uns ja.“

Aktionswoche ist nur ein Teil des Gesamtkonzeptes

Dabei ist die Aktionswoche an der Berufsschule nur ein Teil eines Gesamtkonzeptes, um das Thema Essstörungen einmal in den Fokus zu rücken: Das Theaterstück „Food Diaries“ am Kinder- und Jugendtheater Lutz zählt ebenso dazu wie die interaktive Ausstellung „Klang meines Körpers“ des Vereins Werkstatt Lebenshunger.

Die Fotos, die im Rahmen des Projektes „Innenwelten“ entstanden sind, werden bei einer Ausstellung Ende des Jahres in der Rathaus-Galerie gezeigt.

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