Der Druck bleibt hoch

Schuldnerberatung arbeitet in Hagen am absoluten Limit

Tom Höppner ist Schuldnerberater in der AWO-Beratungsstelle Hagen. Er weiß, dass der Bedarf weiter hoch ist, aber dass er diesen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen kaum stillen kann. Foto:Mike Fiebig

Tom Höppner ist Schuldnerberater in der AWO-Beratungsstelle Hagen. Er weiß, dass der Bedarf weiter hoch ist, aber dass er diesen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen kaum stillen kann. Foto:Mike Fiebig

Hagen.  Die AWO-Schuldnerberatung in Hagen stößt an ihre Grenzen: Ein Großteil der Ratsuchenden zählt zu den Hartz-IV-Beziehern.

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Die AWO-Schuldnerberatung hat im Jahr 2017 erneut mehr Menschen in Hagen beraten als noch im Jahr zuvor. Damit ist sie aber endgültig an den Grenzen ihrer Kapazitäten angelangt. „Steigerungen der Fallzahlen werden ohne zusätzliche Geldmittel nicht möglich sein. Alle Optimierungsmöglichkeiten der Beratungsarbeit wurden bereits ausgenutzt“, schreibt die AWO in ihrem jetzt erschienenen Jahresbericht 2017. Dabei ist der Bedarf weiter groß. Die Bilanz anhand einiger Schlüsselzahlen:

110 Ratsuchende wurden im Jahr 2017 durch die Arbeiterwohlfahrt langfristig beraten. Im Vorjahr waren es 100. Hinzu kommen 347 (Vorjahr 255) Kurzberatungen. Diese dauern nicht länger als eine Stunde und es gibt auch keine Kontakte zu Gläubigern, die viel Zeit in Anspruch nehmen.

86 Prozent der 110 Ratsuchenden in der Langzeitberatung wurden der AWO-Schuldnerberatung direkt vom Jobcenter Hagen geschickt. Das zeigt: Arbeitsplatz-Probleme und Überschuldung haben einen engen Zusammenhang.

25 Prozent der Ratsuchenden gingen einer Arbeit/Ausbildung nach. Jedoch bezogen die meisten von ihnen ergänzende Leistungen des Jobcenters.

92 Prozent der Kunden der AWO-Schuldnerberatung beziehen Hartz-IV-Leistungen oder bekommen ergänzende Leistungen auf Basis des Sozialgesetzbuchs II, weil ihr Verdienst nicht ausreicht.

59 Prozent der zu beratenden Personen (Vorjahr 43) waren echte Neuzugänge für die Schuldnerberatung. Beim Rest liegt der Beginn der Beratung schon vor dem 1. Januar 2017.

46 Fälle konnten 2017 abgeschlossen werden, im Vorjahr waren es 49 Fälle.

53 Frauen und 57 Männer sind von der AWO-Schuldnerberatung im Jahr 2017 langfristig beraten worden. Damit liegt der Anteil der Frauen in Hagen bereits über dem Bundestrend.

26 Verbraucherinsolvenzen seien 2017 mit Hilfe der AWO bei Gericht eingeleitet worden. 2016 seien dies noch 37 und im Jahr 2015 sogar 42 Verfahren gewesen. Da die meisten Ratsuchenden nur über Einkünfte nahe am Existenzminimum verfügten, hätte sie kaum Ressourcen, um Geld für außergerichtliche Einigungen zur Verfügung zu stellen. Daher sei das Insolvenzverfahren, bei dem nach sechs Jahren eine Restschuldbefreiung möglich ist, das Mittel der Wahl.

56 Prozent der Ratsuchenden haben die deutsche Staatsangehörigkeit, 11 Prozent einen deutschen Pass mit Zuwanderungsgeschichte und 33 Prozent eine andere Staatsangehörigkeit. Die stärkste Altersgruppe sind die 31- bis 40-Jährigen (29 Prozent), gefolgt von 41- bis 50-Jährigen (25 Prozent). Gut 65 Prozent der Ratsuchenden haben keine Ausbildung.

Tom Höppner, der für Hagen zuständige Mitarbeiter der Schuldnerberatung, sieht auch weiterhin einen hohen Bedarf für seine Arbeit, kann aber unter den derzeitigen Rahmenbedingungen keine Hoffnung machen, dass er mehr Menschen Hilfe anbieten kann: „Tendenziell ist zu erwarten, dass die Fallzahlen künftig etwas sinken werden, da die Beratungen immer länger dauern, inhaltlich komplexer werden und die Gläubigerzahlen deutlich steigen.“

>>HINTERGRUND: VIELE SIND ÜBERSCHULDET

  • Laut dem 2017 veröffentlichten Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat Hagen eine Schuldnerquote von 15,86 Prozent. Das heißt: Dieser Anteil der Bürger ist überschuldet.
  • Die Stadt belegt damit Rang 387 von 401 der Kreise und kreisfreien Städte. Im Ruhrgebiet haben nur Duisburg, Gelsenkirchen und Herne noch höhere Schuldnerquoten.
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