Pandemie

Schulleiterin in Hagen: „Sozusagen vorderste Corona-Front“

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Corona: Mädchen aus Hagen verweigert Schule mit Ungeimpften

Corona: Mädchen aus Hagen verweigert Schule mit Ungeimpften

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Hagen.  Schulleiterin Corinna Osman aus Hagen ist desillusioniert. Die Einhaltung der Corona-Hygieneregeln könne man an einer Schule nicht garantieren.

Corinna Osman ist Leiterin der Heinrich-Heine-Realschule in Hagen-Boelerheide. Im Interview nimmt sie Stellung zum Entschluss ihrer Schülerin Yasmin T., das Schulgebäude nicht mehr zu betreten, solange sich dort ungeimpfte Schüler und Lehrer aufhalten dürfen.

Wie bewerten Sie die Aktion Ihrer Schülerin Yasmin?

Wir möchten sie nicht zwingen, die Schule zu betreten, wenn sie Angst vor einer Infektion hat. Und ich kann auch nicht garantieren, dass sie sich nicht ansteckt. Wir können die vorgeschriebenen Hygieneregeln an unserer Schule gar nicht einhalten.

Warum nicht?

Es gibt so viele Schüler, die ihre Maske nicht richtig tragen und zum Beispiel die Nase unbedeckt lassen. Ich kann die Verweise und Ermahnungen, die ich täglich ausspreche, nicht mehr zählen. Wenn ein Schüler mehrmals auffällt, wird er nach Hause geschickt. Aber es gibt hier 550 Schüler, 40 Lehrer und weiteres Personal – das macht es einfach unmöglich, über alles und jeden zu wachen und jede Zuwiderhandlung zu sanktionieren.

Viele Schüler sind wahrscheinlich nicht in einer Lebensphase, in der Regeln und Vorschriften besonders hoch im Kurs stehen. . .

Es stimmt, ihnen fehlt einfach noch dieses Bewusstsein und sie können die ganze Tragweite des Infektionsgeschehens noch nicht abschätzen.

Aber es werden doch alle getestet. . .

Gott sei Dank ist das so. Wir ziehen bei den Tests auch stets einige Schüler raus, weil sie positiv sind. Manche Eltern laufen Sturm, weil sie nicht wollen, dass ihre Kinder getestet werden. Mir wurden auch schon obskure Atteste vorgelegt, die bescheinigen sollten, dass ein Kind die Maske nicht verträgt. Ich kann das alles nicht mehr nachvollziehen, zumal bereits Eltern von Schülern unserer Schule an Corona verstorben sind.

Das ist tragisch.

Ja, und desto unbegreiflicher ist es, dass es Menschen gibt, die in Kauf nehmen, dass andere gefährdet werden. Was natürlich wiederum diejenigen Eltern, die das Impfen befürworten, in Rage bringt. Wir haben hier das ganze Spektrum an Meinungen. Wir leben hier an der Schule sozusagen in vorderster Corona-Front.

Anmerkung der Redaktion

In einer ersten Version des Textes hat sich die Pflegemutter des Mädchens, das über die Öffentlichkeit nach Gleichgesinnten sucht, mit einer vollen Veröffentlichung des Namens des Kindes einverstanden erklärt. Angesichts aktueller Entwicklungen hat sie die Redaktion im Nachhinein darum gebeten, davon Abstand zu nehmen. Diesem Wunsch kommen wir nach.

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