Chorprojekt

Scratch-Projekt der Hagener Philharmoniker mit 520 Sängern

520 Sängerinnen und Sänger haben sich in Hagen zum Scratch-Projekt  getroffen.

Foto: WP Michael Kleinrensing

520 Sängerinnen und Sänger haben sich in Hagen zum Scratch-Projekt getroffen. Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.   520 Sänger bringen beim "Scratch"-Projekt der Hagener Philharmoniker beliebte Chartstürmer auf Trab. Das ist eine Rekord-Teilnehmerzahl. Am Anfang sind da viele begeisterte Sänger und Sängerinnen - und am Ende des Tages ein großer Chor. Ein Erfahrungsbericht - von Waterloo bis Satisfaction.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

So klingt das Glück: Wir sind 520! Wir sind der Scratch-Chor 2013! An einem einzigen Tag haben begeisterte Sängerinnen und Sänger im Alter von 10 bis über 70 Jahren in der Hagener Stadthalle mit Generalmusikdirektor Florian Ludwig und den Hagener Philharmonikern ein Programm mit Lieblings-Hits einstudiert und abends vor vollem Haus aufgeführt. Wir sind die Champions!

Waterloo

Mein persönliches Waterloo ereignet sich morgens gegen zehn Uhr mit ABBA. Es ist ein großer Unterschied, ob man die Melodie bekannter Lieder mitschmettert, oder ob man die zweite Stimme dazu singen soll. Da ist noch Luft nach oben.

Let it be

Die Scratch-Teilnehmer kommen aus Hagen und Umgebung, aus ganz Südwestfalen, dem Ruhrgebiet und Rheinland, aber auch aus Passau, Potsdam oder Schallstadt. Viele machen wegen Florian Ludwig mit. Die Sprüche des Dirigenten werden genüsslich inhaliert: „Das klingt noch ein bisschen mit angezogener Handbremse“, rät er, der eigenen Stimme zu trauen. „Ist der immer so“, fragt Alexandra Sieberg entzückt. Die 34-jährige Mendenerin ist erstmals dabei. „Das ist großartig. Ich finde das gut organisiert, entspannt von den Proben her, und dann dieser Charme von Herrn Ludwig…“

Blowin’ in the Wind

Sänger sind nette und interessante Menschen. Wie aus 520 Fremden im Laufe eines einzigen Tages ein Chor wird, der aufeinander hört, das ist das Wunder von Scratch. Single-Bässe und einsame Tenöre haben in den Pausen viel zu gucken. Denn Scratch ist in gewisser Hinsicht Frauensache.

Ich war noch niemals in New York

Hier singt der GMD selbst das Solo, und zwar zur Freude des Chores bei der Generalprobe und beim Konzert jeweils mit einem anderen Text. Das nennt man nicht Lampenfieber, das nennt man Live. „Man sieht, wie viele Leute Spaß am Singen haben“, konstatiert Claudia Gerbersmann aus Hagen, die zum fünften Mal mitmacht. „Scratch ist zeitlich begrenzt auf ein Wochenende, man muss sich nicht für so lange festlegen“, zählt die 44-Jährige die Pluspunkte auf. „Und man lernt Stücke kennen, zum Beispiel klassische Chorwerke. Da habe ich sonst gar nichts mit zu tun. Oder hier die Chorfassungen der Hits.“

Satisfaction

Eine Ansage für die Tenöre. „Sie dürfen hier alles machen, was Sie zu Hause unter der Dusche niemals ausprobieren dürfen, sie dürfen richtig loslegen.“ Das fällt schwer, denn Solistin Maricel Wölk hat eine derart große Jazz-Röhre, dass 520 Sängerinnen und Sänger sich wie piepsige Mäuslein vorkommen.

Über sieben Brücken musst Du geh’n 

Eric Laporte ist ein toller Tenor. Und hat ebenso wie Maricel überhaupt keine Solisten-Allüren. Diese Erfahrung schätzen die Scratchler. Und natürlich das Erlebnis, einmal mit einem Profi-Orchester zusammen zu musizieren, den Hagener Philharmonikern.

Imagine

„Wenn bitte alle zu mir schauen. Ich gebe die Einsätze. Ich bin die volle Servicestation.“ Florian Ludwig sagt das nicht ohne Grund. Wie kann ein derart bekanntes Lied rhythmisch nur so tückisch sein? „Nun, das war ja schon fast gemeinsam geträumt“, ist Ludwig optimistisch. Das Problem jeden Chores, egal wie groß oder klein, ist ein simples. Alle müssen gleichzeitig anfangen und wieder aufhören.

Über den Wolken

Jetzt heben wir ab! „Jaa, da war schon manches schön“, lobt der GMD unseren Eifer vorsichtig. Die Textfülle stellt die Herausforderung von Popsongs dar, das macht man sich vorher nicht klar. „Gloria“ zusammen zu singen, ist nicht schwer. Aber man probiere das mal mit „Luftaufsichtsbaracke“.

We are the Champions

Der Saal kocht. Die Soprane setzen himmelhohe Glanzlichter. Doch der Sechsachtel-Takt hat seine Sollbruchstellen. Daher wird an dieser Stelle das Geheimnis des erfolgreichen Scratchens verraten. Alles hängt vom Nebenmann beziehungsweise der Nebenfrau ab. Der erfahrene Laiensänger schließt sich mit jemandem zusammen, der genau die Töne trifft, die man selber nicht draufhat und umgekehrt.

You’ll never walk alone

„Mut zum Einsetzen“, appelliert Florian Ludwig. Zu Recht. Kein Chorsänger wird je alleine dastehen. „Es ist toll, was wir in so kurzer Zeit hinbekommen“, schwärmt Birgit Jessen (42) aus Ennepetal. „Dass man einmal auf einer Bühne stehen kann, jeder kann mitmachen, es ist einfach schön, mit so vielen Leuten zusammen zu singen.“ Das Publikum lässt uns erst nach zwei Zugaben gehen. Scratch bedeutet, sich etwas zuzutrauen und über sich hinauszuwachsen. Birgit Jessen hat sich ihren Platz auf dem Podest gut gemerkt. „Ich mache nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mit.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik