Kultur

Sensible Kinderoper keine leichte Kost

Traurig und lustig:  Bei der Kinderoper „Kannst Du pfeifen, Johanna" sind   Joel Urch, Martin Blasius und Manuel Ried (von links) zu sehen. 

Traurig und lustig: Bei der Kinderoper „Kannst Du pfeifen, Johanna" sind Joel Urch, Martin Blasius und Manuel Ried (von links) zu sehen. 

Hagen.   Mit der Kinderoper „Kannst du pfeifen, Johanna“ bringt das junge Theater Lutz in Hagen keine leichte Kost auf die Bühne.

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Mit der Kinderoper „Kannst du pfeifen, Johanna“ bringt das junge Theater Lutz keine leichte Kost auf die Bühne: Es geht um eine ungewöhnliche Freundschaft zu einem „Ersatz-Opa“, ums Älterwerden und Sterben – heikle Themen für kleine Zuschauer.

Die Premiere am Sonntag wurde deshalb zu einer Gratwanderung zwischen Sensibilität und Risiko.

Publikum ergriffen

Stille. Dann setzt, nach gut 60 Minuten, der Applaus erst zögerlich, geradezu verhalten, ein. Das ist für die Mitwirkenden auf der Rampe und die fünf Musiker des Orchesters jedoch kein schlechtes Zeichen. Im Gegenteil. Es ist die letzte kurze Stille des Ergriffenseins. Der Opa ist tot. Kein Happy-End. Und dann bricht er aus, wie ein Befreiungsschlag: minutenlang anhaltender, verdienter Beifall.

Die Geschichte zuvor ist kurz erzählt: Ulf hat einen Großvater, ­Berra hat keinen, wünscht sich aber auch so einen, wie der Freund hat – einen Opa, der Schweinshaxen mag und Sahnetorte.

Perfekter Leihopa

Ulfs Idee: Einfach im Altersheim einen Ersatz-Opa suchen. Dort treffen sie auf Nils, der ist alt, hat keine Enkel. Perfekt. Zwar mag er keine Haxen, aber dafür kann er Drachen bauen. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft – die letzten Wochen eines einsamen alten Mannes, der unerwartet noch einmal Kind sein darf. Bis eines Tages das Zimmer von Opa Nils leer steht. Er „ist im Himmel“.

Mit kindlicher Leichtigkeit und ansteckender Spielfreude bringen Joel Urch (Bariton) und Manuel Ried (Tenor) die beiden jungen Freunde Ulf und Berra auf die Rampe: Das kommt alles so locker rüber, so witzig, spontan – aber auch, wo es angebracht ist, so melancholisch traurig. Da ist nichts aufgesetzt, das reißt einfach mit.

Ganz große Leistung von Martin Blasius (Bass), der die Rolle des alternden Opas sowohl bedächtig klug, als auch respektvoll und würdig verkörpert.

Musik nicht immer gefällig

Bitte alles vergessen, was eine klassische Oper ausmacht. „Kannst du pfeifen, Johanna“ ist ganz unerwartet völlig anders. Die Musik von Gordon Kampe (41), der in seiner Generation zu den meistgespielten deutschen Komponisten zählt, ist nicht immer ohrgefällig. Die Instrumente klingen robust, eigenwillig; aus schrägen Tonfolgen entstehen unter musikalischer Leitung von Andrey Doynikov exzentrische Klangteppiche, die bei der „Generation Hip-Hop“ ankommen.

Erwachsenen-Begleitung empfohlen

„Johanna“ (für Kinder ab fünf Jahren) ist eine fantasievolle, emotionale Oper, von Corinna Jarosch packend in Szene gesetzt. Tipp: Die Aufführung sollte von Erwachsenen begleitet werden.

Kategorie: Sehr empfehlenswert.

>>>HINTERGRUND

  • Die Kinderoper ist ein Teil des Projektes „Jeder Schüler ins Theater“; der Theaterförderverein unterstützt die Aktion finanziell.
  • Die Oper ist entstanden nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Ulf Stark.
  • Weitere Schulvorstellungen finden u.a. statt am 7. und 8. November um jeweils 10 Uhr (Restkarten im Freiverkauf).

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