Wirtschaft

SIHK Hagen: Wirtschaft beklagt Umsatzeinbrüche in Coronazeit

Die Kaltwalzbetriebe in der Region produzieren für die Automobilindustrie: Viele haben Umsatzeinbußen zu beklagen.

Die Kaltwalzbetriebe in der Region produzieren für die Automobilindustrie: Viele haben Umsatzeinbußen zu beklagen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Hohe Umsatzeinbußen und geringere Investitionen prägen die Wirtschaft in der Region. Das belegt die aktuelle Konjunkturumfrage der SIHK Hagen.

Die guten Botschaften sind rar. Eine davon ereignet sich quasi direkt vor dem Fenster des Raumes, in dem Ralf Stoffels und Ralf Geruschkat überwiegend Tristes verkünden. Bauarbeiter sind dort am Werke und haben mit der Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes der Kammer begonnen. „Immerhin“, sagt Stoffels, Präsident der SIHK zu Hagen, „wir vergeben noch Aufträge.“

Die Bauwirtschaft mag sich in der Krise noch halten. Die Industrie und der Handel, für den die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer ihrem Namen nach steht, nicht. Das wird aus nahezu jeder der Statistiken deutlich, die Präsident und Geschäftsführer der Kammer an die Wand werfen und erläutern.

Unternehmer aus Region schätzen Geschäftslage schlecht ein

Beispiel eins – die Geschäftslage: 44 Prozent der Unternehmer aus Hagen, dem Ennepe-Ruhr und dem Märkischen Kreis schätzen sie im September schlecht ein. Ein Jahr zuvor waren das nur 24 Prozent. Beispiel zwei – die Beschäftigung: Nur sieben Prozent der Unternehmer wollen Menschen einstellen. Jeder dritte will sein Personal hingegen reduzieren. Beispiel drei – die erwartete Investition im Inland: Nur jedes neunte Unternehmen will künftig mehr investieren, 48 Prozent hingegen weniger.

„Der Geschäftsklimaindex hat seinen Tiefststand im Juni erreicht“, sagt Ralf Stoffels. Immerhin sei er jetzt – also im September – auf 88 Prozent geklettert. „Aber die Frage bleibt: Wie weit kommen wir da wieder nach oben.“ Wohl nicht sehr schnell sehr weit. Zumindest, wenn man sieht, dass 24 Prozent der Unternehmer eine Rückkehr zur Normalität erst nach 2021 erwarten. „Das“, so Stoffels, „ist ein erschreckender Wert.“

Zulieferer abhängig von Automobilindustrie

Dabei verweist der Kammer-Präsident auf die besondere Situation der Industrie in der Region, die sich nicht mit der im Bund vergleichen lasse. „Wir sind hier mit den Zulieferbetrieben extrem abhängig von der Automobilindustrie. Der eigentümergeführte Mittelstand zehrt gerade sein Eigenkapital auf. Es herrscht große Unsicherheit. Viele Förderprogramme passen einfach nicht. Verlorene Umsätze können nicht einfach nachgeholt werden. Die sind weg.“

Das gelte übrigens auch für Handel, Gastronomie, Hotellerie und Messebau: „Die Innenstädte sind gerade in dieser Lage auch auf Menschen angewiesen, die mit dem Auto kommen“, sagt Ralf Geruschkat, „wenn wir den Individualverkehr völlig ausschließen, wird das riesige Probleme bereiten.“

Große Sorge vor erneutem Lockdown

Die Sorge bleibt vor einem erneuten Rückfall: „Einen erneuten Lockdown darf es nicht geben“, sagt Stoffels, „im Hintergrund schwelt immer noch der Brexit, den viele aus den Augen verloren haben. Ein ungeregelter Austritt wird uns auch in der Region noch erhebliche Probleme machen.“

Angesichts all dieser Botschaften fordert die SIHK mehr Kreativität bei den Hilfen: „Kredite muss man irgendwann zurückzahlen. Das verlagert Probleme nur“, so Stoffels, „Steuererleichterungen und Bürokratieabbau wären da geeigneter.“

Die guten Botschaften sind rar – eine aber gibt es noch: Selten war das Interesse der Unternehmen im Kammerbezirk an der wirtschaftlichen Entwicklung so groß. 539 haben sich an der Konjunkturumfrage beteiligt – das ist ein Rekord.

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