Justiz

Song von Skandalrapper Jigzaw soll Wahrheit bringen

Nuhsan C. (Jigzaw) vor dem Landgericht Hagen mit Verteidiger Christof W. Miseré.                         Archivf

Nuhsan C. (Jigzaw) vor dem Landgericht Hagen mit Verteidiger Christof W. Miseré. Archivf

Foto: Jens Stubbe

Hagen.   Im Prozess gegen den Skandalrapper Jigzaw hat sein Verteidiger einen ungewöhnlichen Beweisantrag gestellt: Song soll vor Gericht gespielt werden.

Es gibt ihn noch, den Strafprozess um die angeklagte Macheten-Attacke von Nuhsan C. (25) alias „Jigzaw“. Und vielleicht wird die Berufungskammer unter Vorsitz von Richter Dieter Krause sogar rechtzeitig vor Heiligabend ihr Urteil verkünden. Montag wurde der 20. Dezember als (vorläufig) letzter Verhandlungstag festgezurrt.

Zuvor soll sich das Gericht noch den vernuschelten Sprech-Gesang des Rappers antun: Verteidiger Dr. Miseré hat den Beweisantrag gestellt, den Song „Gerichtstermin“ abzuspielen.

Interesse um blutigen Vorfall in Wehringshausen hat nachgelassen

Das Interesse an den blutigen Geschehnissen auf dem Wilhelmsplatz (Wehringhausen) im Juli 2017, aber insbesondere das Interesse an dem Angeklagten Nuhsan C., der als Rapper eine große Fan-Gemeinde hinter sich versammeln konnte und derzeit gegen seine Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis ankämpft, ist deutlich abgeebbt. Montag saß lediglich ein einsamer Zuschauer im Landgerichtssaal 352.

Um 14 Minuten verspätet erschien dort außer Atem auch die Hauptperson – im blau-grauen Pullover mit Lacoste-Krokodil. Er hat, was ihm gut steht, in den vergangenen Wochen acht Kilo Gewicht verloren. Nunmehr wollte das Gericht eigentlich in die Erörterungen zum Lebenslauf des Angeklagten einsteigen. Doch Verteidiger Dr. Christof Miseré grätschte mit einem umfangreichen Beweisantrag dazwischen.

Exzessiver Trinker und Kokser

So hätte der geschädigte Pole (26), dem Nuhsan C. mit seiner Machete vor dem Wettbüro angeblich in Notwehr den Oberarm aufgeschlitzt hatte, in seiner Vernehmung die Unwahrheit gesagt. Er hatte behauptet, er würde nie ein Messer mit sich führen, sich nur mit Fäusten verteidigen.

Einen Zeugen, der das genaue Gegenteil bekunden soll, benennt Verteidiger Dr. Miseré in seinem Beweisantrag zur Unglaubwürdigkeit des Polen. Demnach sei im Stadtpark ein Vorfall passiert, eine Auseinandersetzung mit einem Kiffer, der seinen Joint nicht teilen wollte, bis der Pole aus der Hosentasche ein Messer zog und damit den Haschischraucher bedrohte.

Kammer soll Song von "Jigzaw" hören

Auch wurde die Einholung eines aussagepsychologischen Gutachtens beantragt, weil der Geschädigte ein exzessiver Alkoholtrinker und regelmäßiger Kokser sei und deshalb dessen Zeugenaussage prozessual nicht verwertet werden könne.

Dann soll die Kammer auch noch einen Rap von Jigzaw anhören. Das in Untersuchungshaft geschriebene Stück würde beweisen, dass Nuhsan die volle Wahrheit sagt – oder singt.

Eines hat der große Beweisantrag zumindest bezweckt: Jigzaw kann nun in Ruhe sein nächstes Album produzieren. Es soll am 7. Dezember erscheinen. Bei Amazon kann man es bereits für 40 Euro vorbestellen.

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