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Diese acht Filialen schließt die Sparkasse Hagen bis April

Die Sparkassenfiliale Eckesey an der Schillerstraße ist eine der betroffenen: Hier wird es künftig keine Mitarbeiter, sondern nur noch Geldautomat und Kontoauszugsdrucker geben.

Die Sparkassenfiliale Eckesey an der Schillerstraße ist eine der betroffenen: Hier wird es künftig keine Mitarbeiter, sondern nur noch Geldautomat und Kontoauszugsdrucker geben.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Sparkasse Hagen schließt acht Filialen und wandelt sie in reine SB-Standorte ohne Mitarbeiter um. Im Gegenzug wird Digital-Angebot ausgebaut.

Die Sparkasse Hagen-Herdecke steht vor großen Umwälzungen: Bis 28. April werden acht bislang mit Mitarbeitern geführte Geschäftsstellen in reine Selbstbedienungs-Standorte mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker umgewandelt. Betroffen sind Boelerheide, Dahl, Eckesey, Eppenhausen, Halden, die Haldener Straße, Kuhlerkamp und Loxbaum.

Im Gegenzug wird die Sparkasse die digitalen Angebote und die Beratung per Telefon ausweiten. Auch werden die Öffnungszeiten der verbleibenden zwölf Geschäftsstellen in Hagen und zwei in Herdecke vereinheitlicht und meist auch ausgeweitet. Das Maßnahmenpaket hat der weitgehend mit Ratsmitgliedern besetzte Sparkassen-Verwaltungsrat abgesegnet.

Beratung per Video

Sparkassen-Chef Frank Walter rechnet damit, dass es bei den betroffenen Bürgern durchaus zu Protestesten kommen wird. Aber er sieht keine Alternative, um die Sparkasse zukunftssicher zu machen. „Wir wollen den Kunden mit einer zunehmende Digitalisierung nicht erziehen“, so Walter im Gespräch mit der WESTFALENPOST. „Wir bieten ihm vielmehr das an, was er ohnehin fordert. Und wenn er es bei uns nicht bekommt, holt er es sich woanders.“

Was zu dieser Digitalisierungs-Offensive gehört:

Beratungen können komplett von zuhause per Telefon oder Video stattfinden. Der Berater kann Dokumente wie Bausparverträge oder Versicherungspolicen per Kamera einsehen. Die Erreichbarkeit des so genannten Kundendialogcenters, das sich in Hagen befindet und in dem ausschließlich Bankkaufleute sitzen, wird auf eine Zeit von 8 bis 20 Uhr ausgeweitet.

Sparkassen-Kunden können ihrenWunsch-Termin mit dem persönlichen Berater künftig onlinerund um die Uhr vereinbaren – mit direktem Blick auf freie Termine in dessen Terminkalender.

Es wird quasi eine SMS-Funktion über die Sparkassen-App geben. Per Kurznachrichtkann über das Smartphone eine Frage oder ein Anliegen an das Kunden-Dienstleistungscenter geschickt werden. Per Kurznachricht wird auch geantwortet.

Gewisse Produkte – etwa ein Kleinkredit oder auch der Abschluss einer Haftpflichtversicherung – sollen künftig komplett per Internet erledigtwerden können, ohne dass der Vertrag noch einmal ausgedruckt werden muss.

So genannte Fotoüberweisungen– wie sie etwa die Märkische Bank anbietet – soll es bald auch bei der Sparkasse geben: Eine Rechnung wird nur abfotografiert, das Programm filtert alle Daten inklusive IBAN-Kontonummer heraus und füllt die Überweisung aus.

Kleinere Geld-Beträge können zwischen Sparkassen-Kunden von Handy zu Handyüberwiesen werden.

Kundenfrequenz stark zurückgegangen

Sowohl bei dem Ausbau der Digitalisierungals auch bei der Filial-Umstrukturierungberuft sich die Sparkasse auf eine Kunden-Befragung aus dem Herbst 2014 und auf das stark veränderte Kundenverhalten. „In den jetzt betroffenen Geschäftsstellen ist die Kundenfrequenz stark zurückgegangen“, so Frank Walter. Sie hätten jeweils noch 1100 bis 1900 Kunden betreut. Und die kämen nur noch sehr selten in die Filialen, vor allem nicht zur intensiven Beratung. Hier würden schon jetzt viele zur Zentrale in der Innenstadt kommen.

„Die Kundenbefragung hat gezeigt, dass die Geschäftsstellen meist nur noch zum Geld abheben, für Überweisungen, Einzahlungen oder das Abholen von Auszügen genutzt werden“, so Walter. „Gleichzeitig ist uns gespiegelt worden, dass die Öffnungszeiten an den Bedarf berufstätiger Kunden angepasst werden müssen.“

Keine Entlassungen

Daraus habe man nun die Konsequenzen gezogen. Die Zahl der Geschäftsstellen mit Mitarbeitern habe man reduziert, um im Gegenzug die Öffnungszeiten bei den verbleibenden anzupassen und die höchst unterschiedlichen Zeiten zu vereinheitlichen.

Entlassungen werde es im Zuge der Umstrukturierung nicht geben, so Walter. Auch kein Programm zum Personal-Abbau. „Es kann nur sein, dass wir künftig bei Mitarbeiter-Fluktuation nicht mehr alle Stellen besetzen.“ Alle den Kunden vertrauten Berater in den betroffenen Geschäftsstellen würden ab 28. April in den nahe gelegenen Filialen tätig sein. „Die Kunden werden künftig höchstens drei Kilometer bis zur nächsten Geschäftsstelle mit Mitarbeitern zurücklegen müssen“, so der Sparkassen-Chef. Mit Ausnahme von Dahl: Hier ist es bis Eilpe deutlich weiter.

>> HINTERGRUND: Einheitliche Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:Alle Geschäftsstellen werden künftig einheitlich montags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr öffnen. Nur in den kleineren Standorten (Altenhagen, Emst, Helfe, Kirchende, Vorhalle, Wehringhausen und Westerbauer) wird es von 13 bis 14 Uhr eine Mittagspause geben. Am Freitag schließen alle Stellen – mit Ausnahme des Sparkassen-Karres – schon um 13 Uhr. „Der Nachmittag ist sehr schwach frequentiert“, so Sparkassen-Chef Walter. Samstag bleibt es dabei, dass das Sparkassen-Karree von 10 bis 14 Uhr geöffnet ist.

Bargeldservice:Sparkassen-Kunden können sich künftig gegen eine Gebühr Bargeld nach Hause bringen lassen. Zudem besteht künftig die Möglichkeit, sich Auslandswährungen – etwa vor dem Urlaub – nach Hause bringen zu lassen. Auch gegen eine Gebühr.

Konkurrenz:Laut Sparkasse habe man mit 14 Filialen mit Mitarbeiter immer noch das dichteste Netz im Marktgebiet Hagen/Herdecke vor Märkischer Bank (6 Standorte), Volksbank Hohenlimburg (4), Deutscher Bank (3), Commerzbank (3), Sparda-Bank (2), Santander (2) sowie Postbank (1) und Targo-Bank (1).

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