Wieder dicke Luft in der SPD

SPD-Ortsverein Haspe-Nord sauer über „feindliche Übernahme“

Der verärgerte Vorstand der SPD Haspe-Nord fordert klarere Entscheidungskriterien (von links): Vorsitzender Friedrich-Wilhelm Geiersbach mit seinen Stellvertretern Sandra Peternek und Alexander Bakhtyar. Foto:Martin Weiske

Der verärgerte Vorstand der SPD Haspe-Nord fordert klarere Entscheidungskriterien (von links): Vorsitzender Friedrich-Wilhelm Geiersbach mit seinen Stellvertretern Sandra Peternek und Alexander Bakhtyar. Foto:Martin Weiske

Haspe.   Die Neuordnung der Hasper Ortsvereine sorgt in der SPD für dicke Luft. Die Genossen aus Haspe-Nord fühlen sich von den Süd-Genossen überrumpelt.

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Schon wieder dicke Luft unter dem Dach der Hagener SPD: Diesmal schlägt die angepeilte Neuordnung der Hasper Ortsvereine hohe Wellen. Die Genossen aus Haspe-Süd (Vorsitzender: Parteichef Timo Schisanowski) haben für die nächste Unterbezirksvorstandssitzung den Antrag formuliert, ab dem neuen Jahr gemeinsam mit den Parteifreunden aus Haspe-Nord (Vorsitzender: Ratsherr Friedrich-Wilhelm Geiersbach) einen neuen Ortsverein Haspe bilden zu wollen.

Während die Nord-Vertreter von einer „feindlichen Übernahme“ sprechen, verweisen die Süd-Sozialdemokraten mit Blick auf die Mitgliederzahlen der Hasper Nachbarn auf „nicht mehr zeitgemäße“ und somit „gar nicht mehr zukunftsfähige“ Strukturen. Zudem sei der Ortsverein mit einem Altersschnitt von 62 Jahren überaltert und damit „schon heute nicht mehr ausreichend aktions- und wahlkampffähig“.

Seit 2004 blickt die Hagener SPD auf einen Mitgliederschwund von etwa 40 Prozent. Konkret in Haspe wurden Ende des Jahres 2017, in Süd noch 137, in Westerbauer 77 sowie in Nord noch 55 Parteibücher gezählt. Vor diesem Hintergrund hat der SPD-Ortsverein Haspe-Süd einstimmig entschieden, die Zusammenlegung einzufädeln.

„Respektlos und unsolidarisch“

Ein offizieller Schritt, über den die Nord-Kollegen Anfang Juni per E-Mail in einem dürren Zweizeiler in Kenntnis gesetzt wurden. „Unsere Auflösung ohne Vorgespräche und ohne Vorankündigung einzuleiten, halten wir für respektlos und unsolidarisch“, erinnert sich Nord-Vorsitzender Geiersbach lediglich an einen losen Austausch im Vorfeld, jedoch keine ernsthaften Diskussionen. Haspe-Nord sei weiterhin vital, mit stabiler Mitgliederschaft und durchaus politisch aktiv.

„Wir machen andere Veranstaltungen und decken mit unseren inhaltlichen, oft hintergründigen Debatten unterschiedliche politische Spektren ab“, betonen die Ortsvereins-Vizevorsitzenden Sandra Peternek und Alexander Bakhtyar. Zudem gelte es, die Schlagkraft von drei arbeitenden Vorständen zu nutzen: „Durch eine Fusion wird das Engagement nicht proportional größer.“ Man suche keineswegs den Streit, aber durch die Vorgehensweise der Süd-Genossen fühle man sich schon überrumpelt.

Willkürliche Vorgehensweise

Ein solcher Schritt, so formulierte die SPD-Haspe-Nord-Mitgliederversammlung Mitte August, dürfe „in einer demokratischen Partei nicht willkürlich, mit beliebigen Argumenten und unbelegten subjektiven Eindrücken“ erfolgen: „Die Vorgehensweise ist nicht geeignet, das in der Bevölkerung verbreitete Vorurteil zu widerlegen, maßgebliches Motiv innerparteilichen Handelns seien Machtinteressen und lukrative Mandate.“

Damit spielen die Nord-Genossen, die auch mit Parteiaustritten drohen, darauf an, dass mit der bei der Kommunalwahl 2020 bevorstehenden Verkleinerung des Rates und dem Neuzuschnitt der Wahlkreise die Zahl der Hasper Ratssitze von fünf auf vier reduziert werden könnte. Durch den jetzt beantragten Zusammenschluss wolle Haspe-Süd seine drei Mandate absichern.

Stattdessen appellieren die Nord-Genossen an den Unterbezirksvorstand, die Fusion zunächst abzulehnen und stattdessen beim nächsten Parteitag klare Richtlinien und Kriterien für die Auflösung und Bildung von Ortsvereinen zu beschließen.

Ringen um Kompromisslösung

SPD-Parteichef und Haspe-Süd-Vorsitzender Schisanowski drängt derweil auf eine Abstimmung im Vorstand: „Die Entscheidung zu vertagen, löst keine Strukturfragen. Angesichts der Mitgliederzahlen und der Generationsstruktur ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Neuordnungen gekommen“, erinnert er den Nord-Vorsitzenden daran, dass im Unterbezirksvorstand auch im Beisein von Geiersbach schon seit Jahren über die Kausa diskutiert werde.

Nach Informationen der Stadtredaktion wird hinter den Kulissen parallel an einer Lösung gearbeitet, die allen Seiten die Möglichkeit eröffnen soll, das Gesicht zu wahren. Dabei soll es nicht etwa darum gehen, aus zwei Ortsvereinen einen neuen zu machen, sondern vielmehr aus drei Hasper Ortsvereinen durch veränderte, intelligente Zuschnitte zwei zukunftsfähige, schlagkräftige Einheiten zu bilden.

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