St. Martin

St. Martin – Wie der Soldat Martinus zum Heiligen wurde

Hagen.   Laternenumzüge, Kapellen, Martinsgänse: Das alles verdanken wir einem barmherzigen römischen Soldaten, der zum Bischof von Tours wurde, ohne es eigentlich zu wollen. St. Martin ist einer der populärsten Heiligen der christlichen Welt. Warum eigentlich?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Martin von Tours (um 316/317 bis 8. November 397) ist einer der populärsten Heiligen der christlichen Welt. Nicht nur die Katholiken verehren den getauften römischen Soldaten, auch in der orthodoxen, der anglikanischen und der evangelischen Kirche wird sein Andenken hochgehalten. Denn das Vorbild des Teilens, des mitmenschlichen Helfens, hat nichts von seiner Aktualität verloren.

Doch wir verdanken St. Martin mehr als nur die Botschaft der Barmherzigkeit und das Brauchtum von den Lichterprozessionen bis zu den Martinsgänsen. Tatsächlich wissen nur wenige, dass es dem Bischof von Tours und seinem Mantel zu verdanken ist, dass es Kapellen und Kaplane gibt.

Nationalheiligtum der Franken

„Mantel“, das heißt auf Lateinisch „cappa“. Und Martins halbierter Umhang stellt seit den Merowingern die Kronreliquie der fränkischen Könige dar; schon Chlodwig erhebt den Bischof zum Nationalheiligen des fränkisch-merowingischen Königshauses.

Die Franken sind Reisekönige. Sie regieren ihr Reich, in dem sie von Aufenthaltsort zu Aufenthaltsort durch die Provinzen ziehen. Und auf diesen Fahrten ist Martins Mantel immer mit dabei. Seit 679 wird die Reliquie dann im Königspalast in Paris aufbewahrt und auf allen Feldzügen mitgeführt.

Das Frankenreich wird zur Zeit der Merowinger nach und nach christianisiert. Martin selbst hat bereits Pfarreien und Klöster gegründet. Chlodwig tritt wohl erst nach seinem Sieg über die Alemannen in der Schlacht von Zülpich zum christlichen Glauben über. Vermutlich zu Weihnachten 497 empfängt er die Taufe, hundert Jahre nach Martins Tod.

Der Mantel wird nun in den jeweiligen Reisequartieren, den Königsgütern, in kleinen Räumen aufbewahrt. Möglicherweise sind dies zunächst nur Abstellkammern. Doch die kleine Gemeinde feiert auch die Messe darin. So erhalten diese Zimmer nach und nach eine neue Funktion. Den Namen dafür liefert die Reliquie, die Cappa: Die Abstellkammer wird zur Kapelle.

Der Mantel geht natürlich nicht unbewacht mit dem Königshof auf Reisen. Er wird stets von einem Geistlichen, in der Regel einem Priestermönch, begleitet, der den Hof auch seelsorgerisch betreut. Anders als die meisten Mitglieder des königlichen Trosses, den Herrscher selbst nicht ausgenommen, kann dieser Priester lesen und schreiben. Er muss daher zusätzliche verwaltungstechnische Aufgaben übernehmen; er wird zum Hof- und Urkundenschreiber. Und seine neue Berufsbezeichnung leitet sich wiederum vom Mantel ab: Aus dem Mann, der die Cappa begleitet, wird unser heutiger Kaplan. Daraus erklärt sich auch der Name Hofkapelle für die königliche Kanzlei des Frankenreiches.

Von den Hugenotten zerstört

Vermutlich unter Pippin dem Mittleren kommt der Martinsmantel in die Obhut der Karolinger, welche die Verehrung des Heiligen neu beleben und nach Friesland und in die rechtsrheinischen Gebiete exportieren. Der Kirchenschatz hat die Zeiten nicht unversehrt überstanden. Im 16. Jahrhundert wird der Mantel zum größten Teil von Hugenotten zerstört. Die Reste befinden sich in der 1902 neu erbauten Martinskirche in Tours, die die alte karolingische Basilika ersetzt.

Martin stirbt am 8. November 397 im Alter von 81 Jahren auf einer Visite in dem Ort Candes (heute Candes-Saint-Martin). Er ist der erste Heilige, der nicht als Märtyrer in den Tod geht. Seine Vita gilt als Beispiel für ein vorbildliches Leben. Aufgrund seiner Bescheidenheit – der Bischof wohnt nicht in der Stadt, sondern lieber in den Holzhütten vor der Stadtmauer – und seiner Barmherzigkeit wird er schon zu Lebzeiten als Nothelfer und Wundertäter verehrt. Bis heute ist St. Martin der Schutzheilige der Reisenden, der Armen und Bettler sowie der Reiter, der Flüchtlinge, Gefangenen und Soldaten.

Am 11. November 397 wird der Bischof unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Tours beigesetzt. Dass sein Leichnam in einer Lichterprozession mit einem Boot auf der Loire nach Tours überführt wird, ist die Keimzelle des Brauches, an seinem Namenstag Feste und Fackelumzüge abzuhalten.

In evangelischen Gebieten verbindet sich der Martinsbrauch zusätzlich mit dem Gedenken an Martin Luther, der am 11. November getauft wurde.

  • Im Schnee, da saß ein armer Mann,
  • hat Kleider nicht, hat Lumpen an.
  • Sankt Martin mit dem Schwerte teilt’
  • den warmen Mantel unverweilt. (Volkslied)
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben