Bildung

Stadt Hagen darf keine Ganztags-Grundschulen gründen

In Grundschulen bleibt weiterhin nur der sogenannte Offene Ganztag (OGS) erlaubt.

In Grundschulen bleibt weiterhin nur der sogenannte Offene Ganztag (OGS) erlaubt.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Bezirksregierung Arnsberg hat die Pläne der Stadt Hagen, in jedem Bezirk eine gebundene Ganztags-Grundschule einzurichten, untersagt.

Der Hagener Schulausschuss ist mit seinem Vorstoß, fünf Grundschulen in der Stadt zu Ganztagsschulen umzufunktionieren, gescheitert. Die Landesregierung erteilte den Plänen eine Absage. Ohne Zustimmung des Kabinetts in Düsseldorf kann das Vorhaben nicht umgesetzt werden. „Wir sind sehr enttäuscht“, kommentiert Ellen Neuhaus (CDU), Vorsitzende des Schulausschusses, die fehlende Unterstützung durch Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Der Schulausschuss hatte sich im November einstimmig für die Einrichtung von Ganztags-Grundschulen ausgesprochen und einen entsprechenden Antrag an die Landesregierung verabschiedet. In jedem der fünf Hagener Stadtbezirke soll zunächst je eine Grundschule mit verpflichtender Unterrichtszeit von 8 bis 16 Uhr gegründet werden. Schuldezernentin Margarita Kaufmann, eine treibende Kraft des Vorhabens, hat bereits mit verschiedenen Schulleiterinnen Kontakt aufgenommen und ist dabei auf Sympathie für das Projekt gestoßen. Denn eine Grundschule soll nur mit Zustimmung von Eltern und Kollegium zur Ganztagsschule werden.

Fraktionen sind sich einig

Hintergrund der fraktionsübergreifenden Initiative ist die dramatische Unterversorgung mit Plätzen im Offenen Ganztag (OGS). Einer Erhebung des Schulamtes vom November zufolge befinden sich derzeit 359 Kinder auf der Warteliste, 83 von ihnen sind als dringende Fälle registriert, hinter denen berufstätige Eltern stehen, die auf einen Betreuungsplatz angewiesen sind. Hannelore Fischbach, Bildungspolitikerin der CDU, verwies darauf, dass manche Eltern nicht arbeiten gehen, weil sie keinen OGS-Platz für ihr Kind haben.

Für einen Ausbau der OGS-Betreuung fehlen der Stadt jedoch die finanziellen Mittel und die räumlichen Kapazitäten. Im gebundenen Ganztag dagegen könnten die Klassenräume den ganzen Tag über genutzt werden, außerdem müssten die Eltern keinen Cent bezahlen.

Inwiefern man Grundschulkinder nachmittags noch mit Unterricht belasten könne, müssten Pädagogen entscheiden, doch könne sie sich Angebote wie individuelle Förderung, Sport, Kunst oder Musik vorstellen, so Ellen Neuhaus weiter: „In fast allen unseren Nachbarländern ist die Ganztags-Grundschule eine Selbstverständlichkeit“, verweist sie auf positive Entwicklungen in anderen europäischen Staaten, in denen Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in ganz anderem Maße ermöglicht wird.

Rechtliche Bedenken des Landes

Liest man das Antwortschreiben der Bezirksregierung auf die Initiative des Schulausschusses, dann weiß man auch, warum es in Nordrhein-Westfalen nicht voran geht. Die derzeit geltenden rechtlichen Richtlinien des Schulgesetzes ließen gebundenen Ganztag nicht zu, heißt es dort: „Eine Rückfrage beim zuständigen Fachreferat beim Ministerium für Schule und Bildung hat ergeben, dass dort keinerlei Planungen oder Absichten diskutiert oder geprüft werden, um den verpflichtenden gebundenen Ganztag in der Primarschule rechtlich zu ermöglichen.“ Insofern könne die einstimmige Beschlussfassung des Schulausschusses auf dem gewählten Verwaltungsweg nicht zum gewünschten Erfolg führen.

>>Hintergrund:

  • Auf Nachfrage unserer Zeitung bekräftigte Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung: „Ein gebundener Ganztag an Grundschulen ist in unserem Schulsystem nicht vorgesehen.“
  • Söbbeler beruft sich auf das Schulgesetz und einen entsprechenden Erlass.
  • Nur wenn sich eine Schulgemeinde zu 100 Prozent dafür ausspreche, sei theoretisch die Umwandlung in eine Ganztagsschule möglich.
  • Alle Eltern bzw. Kinder haben in NRW Anspruch darauf, die wohnortnächste, offene Grundschule besuchen zu dürfen.
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