Aufzugsdilemma

Aufzug-Drama: Hagen droht Immobilien-Besitzer mit Zwangsgeld

Dirk Joachim Scharff (links) und Mark Krippner vom SPD-Ortsverein Hohenlimburg besichtigen die Mietskasernen an der Mozartstraße

Dirk Joachim Scharff (links) und Mark Krippner vom SPD-Ortsverein Hohenlimburg besichtigen die Mietskasernen an der Mozartstraße

Foto: Volker Bremshey

Hohenlimburg.   Jetzt wird die Stadt Hagen aktiv und übt auf den Immobilien-Besitzer Druck aus. Der soll die Aufzüge reparieren und den Brandschutz nachbessern.

Die Mieter der vier Mietskasernen an der Mozartstraße werden es gestern mit Freude registriert haben. Denn um kurz vor 10 Uhr rückten sechs Mitarbeiter der Stadt Hagen an, um die missliche Situation für die Bewohner der Hochhäuser noch einmal in Augenschein zu nehmen: vier Mitarbeiter des Bauordnungsamtes und zwei Mitarbeiterinnen des Amtes für Wohnungswesen. Die Männer und Frauen überprüften in allen vier Objekten, ob jene Mängel, die sie bereits vor einigen Wochen bei Begehungen aktenkundig gemacht hatten, inzwischen teilweise oder komplett behoben wurden. „Zu den Ergebnissen der Begehung können wir uns noch nicht konkret äußern. Wir wollen erst mit dem Vermieter in Kontakt treten“, sagte gestern Michael Kaub vom Presseamt der Stadt. Nur so viel: Es sind zur Mängelbehebung neue Fristen gesetzt worden. Für die Aufzüge zwei Wochen; für den Brandschutz bis Mitte Dezember.

Hochhaus ohne Aufzug in Hohenlimburg

Duplizität der Ereignisse. Denn Mark Krippner und Dirk Joachim Scharff (beide SPD-Ortsverein Hohenlimburg) waren am gestrigen Morgen ebenfalls vor Ort, um sich in Gesprächen mit den Mietern noch einmal zu informieren. Ob Haus Nummer 23, 21 oder 17 - die Klagen waren eingehend gleich. „Es kümmert sich niemand um die Immobilien. Telefonisch ist beim Verwalter niemand zu erreichen.“

Ratten in den Grünanlagen

Der erste Eindruck ist erschreckend. Rings um die Häuser türmt sich Müll und Unrat. „Hier tummeln sich die Ratten“, weiß ein Bewohner der Nummer 17. „Die zwängen sich durch einen schmalen Spalt zwischen Kellergeschoss und Erdreich in ihre Quartiere.“

Ein weiterer Mitbewohner bestätigt diese Aussage. Und ergänzt: „Weil viele Bewohner aus den Obergeschossen nicht immer die vielen Treppen zu den Müllcontainern gehen wollen, werfen sie den Abfall über die Balkonbrüstungen.“ Das hat Auswirkungen.

In dem Haus Nummer 17 funktioniert nach Aussagen der Bewohner seit einem Jahr der Aufzug nicht. Still steht der Aufzug aktuell auch in den anderen Häusern.

Mieter klagen: Rauchmelder fehlen

Und wie sieht es mit dem Brandschutz aus? Einhellig bestätigen die Mieter, dass es noch immer keine Rauchmelder gibt, obwohl diese, so der Mieterverein Hagen, seit dem 1. Januar 2017 Pflicht sind.

SPD-Ortsvereinschef Mark Krippner geht deshalb mit dem Hausbesitzer hart ins Gericht. „Ich habe den Eindruck, der will nur abkassieren.“ Deshalb hofft er, dass das von der Stadt Hagen angedroht Zwangsgeld eingetrieben wird. Sollten die Fristen zur Mängelbehebung nicht eingehalten werden.

5000 Euro Zwangsgeld angedroht

Dazu teilt der Fachbereich Immobilien, Bauverwaltung und Wohnen der Stadt mit: „Mit Schreiben vom 22.06.2017 ist dem Eigentümer aufgegeben worden, die Aufzugsanlagen in den Objekten Mozartstraße durch eine Fachfirma reparieren zu lassen, dass wieder eine uneingeschränkte Nutzung der Aufzüge dauerhaft gegeben ist. Bei Nichterfüllung der Anordnung ist dem Eigentümer ein Zwangsgeld in Höhe von 5 000 Euro je Objekt angedroht worden.“

Beim Hagener Mieterverein, beim dem zahlreiche Bewohner inzwischen Mitglied sind, registriert Rechtsanwältin Claudia Scholten die Aktivitäten der Stadt Hagen mit Freude. „Ich bin begeistert, dass etwas passiert, und die Mieter sehen, dass sie nicht alleine stehen.“ Der Rechtsanwalt der Hausverwaltung, die für die Mozartstraße zuständig ist, kündigte kurzfristig eine Stellungnahme an.

Anfang der 70er Jahre gebaut

Anfang der 70er Jahre wurden die Hochhäuser an der Mozartstraße gebaut. In den vier Jahrzehnten sind sie mehrfach veräußert worden. Zuletzt im Jahr 2015.

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres waren dann die gewaltigen Probleme mit den Aufzügen aufgetreten.

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