Betreuung

Stadt Hagen peilt längere Öffnungszeiten in Kindergärten an

Die Stadt Hagen will in einigen Kindergärten die Öffnungszeiten verlängern.

Die Stadt Hagen will in einigen Kindergärten die Öffnungszeiten verlängern.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Die meisten Eltern in Hagen sind zufrieden mit den Öffnungszeiten der Kindergärten. Doch eben nicht alle. Deshalb will die Stadt handeln.

93,2 Prozent der Eltern in Hagen sind mit dem Betreuungsangebot ihrer Kinder in den Hagener Kindergärten zufrieden. Dies ist das Ergebnis einer Elternumfrage des Fachbereichs Jugend und Soziales, an der sich 3004 Eltern beteiligten. Das bedeutet, dass 76 Prozent der Eltern aus den 104 Tagesstätten in Hagen bei der Umfrage mitmachten. „Ich glaube, wir können deshalb von einem repräsentativen Ergebnis sprechen“, so Fachbereichsleiter Reinhard Goldbach.

Mit der Befragung wollte die Stadtverwaltung in erster Linie herausfinden, ob die Eltern mit den angebotenen Betreuungszeiten zufrieden sind. Denn für Väter und Mütter, die sich in aller Herrgottsfrühe an ihrem Arbeitsplatz einfinden müssen oder erst spät am Abend vom Job nach Hause kommen, ist es wenig hilfreich, wenn die Kita um 8 Uhr öffnet und um 15 Uhr schließt.

Schwerpunkt-Einrichtungen

Die meisten Tagesstätten in Hagen öffnen aber ohnehin zwischen 7 und 7.30 Uhr und schließen zwischen 16 und 17 Uhr. Ausnahmen: Die Kita in Ambrock, in der viele Eltern der benachbarten Klinik ihr Kind untergebracht haben, öffnet sogar schon um 6.30 Uhr, die von der Arbeiterwohlfahrt betriebene Kita in Kabel schließt erst um 18 Uhr.

Doch auch anderswo bestehen solche Bedarfe, wie die Umfrage zeigt. Immerhin 75 Väter und Mütter in Hagen wünschen sich demnach, dass sie ihr Kind schon vor 7 Uhr in der Kita abgeben könnten, 54 bevorzugten eine Abholzeit nach 17 Uhr. Um auch solchen Eltern passende Betreuungszeiten anbieten zu können, peile die Stadt flexiblere Öffnungszeiten an, so Goldbach: „Eine Möglichkeit könnten Schwerpunkt-Einrichtungen mit erweiterten Betreuungszeiten in jedem Stadtbezirk sein, was aber auch weitere Wege für die Eltern bedeuten kann.“

Landesregierung plant Kibiz-Änderung

Trotz der hohen Rücklaufquote der Fragebögen weiß ein Fachbeamter wie Goldbach aus Erfahrung, dass ein Angebot, wenn es erst einmal existiert, möglicherweise viel stärker angenommen wird als es eine theoretische Umfrage suggeriert. Andererseits hat die Stadt vor fünf Jahren in einer Hohenlimburger Kita schon einmal eine Tagesmutter engagiert, die nach Schließung der Einrichtung um 17 Uhr die Betreuung fortführte – mit dem Ergebnis, dass nicht eine Familie dieses Angebot annahm.

Dennoch erwägen Goldbach und seine Mitarbeiter, auch dieses Modell noch einmal anzubieten. Da trifft es sich gut, dass die Landesregierung beabsichtigt, längere Öffnungszeiten im Zusammenhang mit der Novellierung des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) aus dem Landeshaushalt zu finanzieren. Im August 2020 soll es so weit sein, dann will auch die Stadt Hagen ihre Ideenfindung abgeschlossen haben und in einigen Kitas erweiterte Öffnungszeiten anbieten.

Kitas haben Bildungsauftrag

Skeptisch sehen Goldbach und sein Abteilungsleiter Dirk Hannusch eine Erweiterung der Betreuungstage auf die Wochenenden. Zum einen, weil nur 2,9 Prozent der befragten Eltern angaben, sie würden ihr Kind gern auch samstags und/oder sonntags in den Kindergarten bringen. Zum anderen müsse man das Kindswohl im Auge haben, so Goldbach. Aus dem gleichen Grund lehnt er auch willkürliche Betreuungszeiten ab, die es Eltern erlauben würden, das Kind an einem Tag vormittags und am nächsten erst spät nachmittags in die Kita zu bringen. „Kindergärten sind frühkindliche Bildungseinrichtungen“, betont Hannusch: „Für die Verlässlichkeit der Bildungsangebote ist es wichtig, dass zu den Kernzeiten die Kinder vor Ort sind.“

Übrigens hat der Jugendhilfeausschuss festgelegt, dass kein Kind in Hagen – von begründeten Ausnahmen abgesehen – längere als neun Stunden täglich in einer Kita betreut werden darf. Auch diese Regelung soll nicht Eltern ihrem beruflichen Entfaltungsdrang hemmen, sondern dem Wohl der Kinder dienen.

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