Skandal-Rapper

Stadt Hagen wartet noch mit Abschiebung von Nuhsan C.

Am Mittwoch  erschien Jigzaw (links) nicht vor Gericht.  In den vergangenen  Monaten hatte er aber immer wieder die Öffentlichkeit gesucht, wie hier im Juni 2018, als ihn Rapper Kollegah für 40.000 Euro Kaution aus der U-Haft holte.

Am Mittwoch erschien Jigzaw (links) nicht vor Gericht. In den vergangenen Monaten hatte er aber immer wieder die Öffentlichkeit gesucht, wie hier im Juni 2018, als ihn Rapper Kollegah für 40.000 Euro Kaution aus der U-Haft holte.

Foto: Kleinrensing

Hagen.   Er ist mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen, doch Nuhsan C. droht die Abschiebung: Die Stadt Hagen wartet aber vorerst ab.

Der Hagener Skandal-Rapper Nuhsan C. alias „Jigzaw“ muss nicht ins Gefängnis, sondern kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Aber wird er jetzt abgeschoben? Schon seit 2017 versuchen das die Behörden. Zuletzt hatten Gerichte bestätigt, dass er abgeschoben werden kann. Am Mittwoch nun kam der Verdacht auf, Nuhsan C. sei absichtlich am letzten Prozesstag fern geblieben, aus Angst, festgenommen zu werden. Verteidiger Dr. Christof Miseré: „Da sind so viele Gerüchte. Er hat in Hagen seine Wurzeln, er gehört hier hin. Hier gibt es genügend Fans, die auf ihn warten.“

Die Stadt hat es „in Sachen Nuhsan C.“ nicht eilig. Stadtsprecherin Clara Berwe: „Wir warten erstmal ab, bis das Urteil rechtskräftig ist. Erst dann werden wir unsere Maßnahmen einleiten. Doch zunächst muss uns die Staatsanwaltschaft bestätigen, dass das Strafverfahren endgültig abgeschlossen ist.“

„Gerichtsshow“ geht am Mittwoch zu Ende

Am Mittwoch hatte es die Urteilsverkündung im „Rapper-Prozess“ gegeben und die Hauptperson, der Angeklagte Nuhsan C. (25), war gar nicht erst erschienen: Ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung sowie 20.000 Euro Geldauflage entscheidet das Landgericht. In Abwesenheit von „Jigzaw“, der sich kurzfristig und ohne vorgelegtes Attest mit angeblicher „Lebensmittelvergiftung“ vorzeitig aus der „Gerichtsshow“ verabschiedet hat.

Ihr Mandant sei am Dienstag „irgendwo im Norden, eventuell in Braunschweig“ unerwartet erkrankt und leider nicht anreisefähig, hatten die beiden Verteidiger Dr. Christof Miseré (Köln) und Matthias B. Koch (Bremen) zuvor sinniert – aber diesmal würden sie trotzdem gerne mit dem Verfahren zu Ende kommen, ohne den Angeklagten, aber mit dessen Vollmacht plädieren und auch das Urteil in seinem Namen entgegennehmen.

Zur Erinnerung: Acht Monate lang wurde vor der 8. Kleinen Strafkammer der Vorfall vom Juli 2017 verhandelt: Vor einem Wettbüro am Wilhelmsplatz (Wehringhausen) war Nuhsan C. mit einem betrunkenen Polen (26) aneinandergeraten. Der Rapper hatte, weil er aggressiv angegriffen wurde, plötzlich eine mitgeführte Machete gezückt und auf den Gegner eingestochen. Das Amtsgericht verurteilte ihn deshalb in erster Instanz wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis.

Zurück in den scheinbar endlosen Berufungsprozess: Nach Unterbrechung der Verhandlung – die von Richter Dieter Krause genutzt wurde, um zu überprüfen, ob es rechtlich überhaupt möglich ist ohne den Angeklagten weiter zu verhandeln – betrat die Kammer erneut den Saal. Der Vorsitzende, geradezu erleichtert, am 17. Verhandlungstag: „Dann können wir heute die Beweisaufnahme schließen.“ „Das habe ich seit Januar so angeregt“, entgegnete Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli spitz.

Überzogene Notwehr

Er plädierte: Der Angeklagte sei „im Rapper-Millieu unterwegs“ und habe, als er angegangen worden sei, „dummerweise seine Machete dabei gehabt, aus künstlerischen Gründen, für einen Videodreh“. Dann habe er, wie es in einem seiner Songs heißt, „die Machete gezogen und seinen Mann gestanden“, so Pauli.

Der Geschädigte hatte kein Messer bei sich. Deshalb durfte der Angeklagte, ohne es angedroht zu haben, auch nicht mit seiner Machete zustechen. Er hätte die Notwehrlage überzogen ausgenutzt. „Ein Jahr und neun Monate“, beantragte Dr. Pauli, „mit Bauchschmerzen, ausgesetzt zur Bewährung.“

Dem Antrag folgte die Kammer. Als Bewährungsauflage muss Nuhsan C. an die Staatskasse 5000 Euro, ans Hagener Hospiz 7500 Euro und an die Bahnhofsmission 7500 Euro zahlen. Richter Krause: „Als Jigzaw konnte er sich eine Karriere in der Rapper-Szene aufbauen. Das festigt ihn vielleicht in seinem unsteten Lebensweg. Er kann nur Musik. Das ist wohl auch der Weg, der für ihn der richtige ist.“

>> Warum Nuhsan C. abgeschoben werden soll

  • Nuhsan C. wurde zwar in Hagen geboren, seine Eltern waren als Teil einer armenischen Minderheit in der Türkei aber nur in Deutschland geduldet. Weil C. straffällig geworden war, sollte er 2014 in die Türkei abgeschoben werden.
  • Nach dem er „untergetaucht“ war, hat er im Mai 2017 einen Asylantrag gestellt, weil er befürchtete, in der Türkei verfolgt zu werden. Er habe sich zwei Monate in der Türkei aufgehalten und sei wegen seiner armenischen Volkszugehörigkeit diskriminiert und misshandelt worden. Der Asylantrag wurde abgelehnt.
  • Im April 2018 stellte er einen Asylfolgeantrag, den er damit begründet, dass sich die Lage in der Türkei verschlechtert habe. Diesen Asylfolgeantrag lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ab, da keine neuen Gründe für die Durchführung eines Asylverfahrens vorlägen. Zur Begründung seiner Klage hatte C. vorgetragen, er sei ein bekannter Rapper und befürchte staatliche Verfolgung. Das Oberverwaltungsgericht in Osnabrück hatte die Position des BAMF bestätigt.

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