Freizeit

Stadt Hagen will Reiten auf ausgewiesene Wege beschränken

In Hagen bleibt es bei Einschränkungn für Reiter.

Foto: Ruth Albus

In Hagen bleibt es bei Einschränkungn für Reiter.

Hagen.   Das Landesnaturschutzgesetz räumt Reitern in NRW neuen Bewegungsspielraum ein, doch die Stadt Hagen will diese Freiheiten wieder einschränken.

Reiter und Pferdefreunde in Hagen hatten sich von der Neuregelung des Landesnaturschutzgesetzes eine Menge versprochen: „Wir haben der Novellierung mit großer Freude entgegengesehen“, sagt Sigrid Gottschol, Vorstandsmitglied im Reit- und Fahrverein Kalthauser Höhe. Schließlich darf in Nordrhein-Westfalens Wäldern seit Jahresbeginn nicht mehr nur auf gekennzeichneten Reitwegen, sondern auf allen befestigten Wegen geritten werden. Schon seit Jahren hatten sich Reitvereine für diese Reform, die ihren Mitgliedern mehr Freiraum und Abwechslung einräumt, stark gemacht.

Doch die Stadt Hagen will den Reitern einen Strich durch die Rechnung machen und das Reiten im Wald per Erlass weiterhin auf ausgewiesene Reitwege beschränken. „Das ist eine bewährte Regelung, mit der wir jahrzehntelang gut gefahren sind“, begründet Ralf-Rainer Braun, Leiter des Umweltamtes, warum man in Hagen die im Naturschutzgesetz erlaubten, neuen Freiheiten für Reiter wieder zurücknehmen will. Nicht zuletzt wolle die Stadt damit Konflikte zwischen den einzelnen Gruppen der Erholungssuchenden sowie den Waldeigentümern vermeiden.

Für Erholungszwecke

Tatsächlich gibt das Gesetz den Kommunen die Möglichkeit, auf ihrem Gebiet den Bewegungsspielraum für Reiter einzuschränken. Laut Mitteilung der Bezirksregierung Arnsberg solle das Reiten zum Beispiel in stark frequentierten Wäldern, die in besonderem Maße für Erholungszwecke genutzt werden, auf Reitwege beschränkt bleiben. Auch in örtlich abgegrenzten Waldbereichen, in denen die Gefahr erheblicher Beeinträchtigungen anderer Erholungssuchender oder erheblicher Schäden bestehe, könne ein Reitverbot für bestimmte Wege festgelegt werden.

Dass das Reiten jedoch – wie in Hagen – in allen Wäldern weiterhin nur auf beschilderten Reitwegen erlaubt sein solle, ist die Ausnahme. „Die Mehrheit der Kommunen orientiert sich an der neuen, liberalen Regelung“, so Benjamin Hahn von der Bezirksregierung.

Verbotenes Terrain

Für den Kalthauser Reit- und Fahrverein bedeutet die Handlungsweise der Stadt Hagen, dass sich seine Mitglieder auf ihren Vierbeinern durchweg auf verbotenem Terrain bewegen. „In unserem Umfeld gibt es überhaupt keine Reitwege“, schildert Sigrid Gottschol das Problem: „Streng genommen dürften wir gar nicht nach draußen.“ Man habe sich jedoch mit Waldbesitzern und Jagdpächtern abgesprochen, wo die Vereinsmitglieder in den Wäldern reiten dürften und welche Regeln dabei einzuhalten seien: „Wenn sich alle an solche Vereinbarungen halten, gibt es überhaupt keine Probleme.“

Tolerantes Miteinander

Auch Anja Spick vom Westernstall Schultenhof in Halden plädiert für ein tolerantes Miteinander aller betroffenen Gruppen: „Ich finde es nur schade, dass in Nordrhein-Westfalen jetzt nicht überall die gleichen Regelungen gelten.“ Die Stadt Hagen solle sich doch bitte überlegen, ob sie an ihrer abweichenden Haltung festhalte.

Im Rathaus zeigt man sich flexibel. Jederzeit könnten einzelne Reiter oder Reitvereine an das Umweltamt herantreten und neue Reitwege vorschlagen oder Anregungen geben, so Braun: „Wenn Bedarf besteht, sind wir immer gesprächsbereit.“ Grundsätzlich solle sich an der altbewährten Regelung jedoch nichts ändern.

Auf Beschluss des Naturschutzbeirates muss die Verwaltung nach sechs Monaten darlegen, welche Stellungnahmen seitens der Reiter- und Eigentümerverbände vorgebracht wurden. Dann soll über den Erlass abgestimmt werden.

>>Hintergrund: Reiten mit Plastikschild

  • Wer im Wald reitet, muss ein gut sichtbares, am Pferd beidseitig angebrachtes „Kennzeichen“ in Form eines Plastikschildes führen.
  • Das Schild wird an der Trense befestigt. Für den Erhalt des Kennzeichens ist eine Abgabe zu bezahlen. Erhältlich ist es in der Stadtverwaltung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik