380-kV-Höchstspannung

Stadt lehnt Amprion-Pläne ab

Die Amprion-Mitarbeiter Claas Hammes, Ulrich Mußmann und Thomas Wühle stellen die Pläne zur 380-kV-Höchstspannungsleitung durch Hohenlimburg vor.

Die Amprion-Mitarbeiter Claas Hammes, Ulrich Mußmann und Thomas Wühle stellen die Pläne zur 380-kV-Höchstspannungsleitung durch Hohenlimburg vor.

Foto: Volker Bremshey

Hohenlimburg.   Durch Henkhausen und Elsey sollen die 380-kV-Höchstspannungsleitungen führen. Das sehen die Planungen des Netzbetreibers Amprion vor.

Die Stadt Hagen lehnt die Entscheidung des Netzbetreibers Amprion zur Umsetzung des Baus der 380-kV-Höchstspannungsfreileitung auf der Bestandstrasse Henkhausen-Elsey ab. Das machte Thomas Huyeng, Umweltdezernent der Stadt Hagen, bei der gestern Mittag von der Amprion einberufenen Pressekonferenz deutlich. Huyeng: „Diese Amprion-Entscheidung entspricht ausdrücklich nicht der Entscheidung des Rates der Stadt Hagen vom 18. Mai 2017. Insofern wird dem breiten Willen der vom Rat vertretenen Bürger nicht entsprochen.“

Das werde die Stadt Hagen auch der Aufsichtsbehörde, dem Regierungspräsidenten in Arnsberg, mitteilen. „Der wird im weiteren Planfeststellungsverfahren alle Einwendungen überprüfen. Dann wird sich herausstellen, ob die von Amprion geplante Variante Henkhausen-Elsey eine rechtssichere Variante ist.“

Zum Hintergrund: Netzbetreiber Amprion plant, wie die WESTFALENPOST bereits gestern exklusiv berichtete, den Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung durch die Bestandstrasse Henkhausen-Elsey zu führen. Das machte Claas Hammes, Projektleiter des Netzbetreibers, gestern noch einmal deutlich. Dabei betonte er, dass sein Unternehmen ergebnisoffen an die Prüfung der beiden möglichen Trassenführungen Henkhausen-Elsey und Reh-Nord gegangen sei, letztlich aber die höhere Rechtssicherheit und die damit verbundene höhere Verträglichkeit für Natur und Umwelt den Ausschlag gegeben hätte. Hammes: „Wir kommen aus der Bestandstrasse nicht raus. Wir können keine Trasse bauen, die die Bezirksregierung zurückweist.“ Er verwies dabei auch auf die Einschätzung der Amprion-Juristen und der Rechtsexperten der Naturschutzverbände.

So geht es weiter

Wie geht das Verfahren jetzt weiter? Die Amprion wird die Grundstücksbesitzer der Elseyer Trasse über ihr Vorhaben informieren, anschließend die Politik. Im April / Mai soll sich ein Bürger-Informationsmarkt anschließen, bei dem die Hohenlimburger Anregungen und Kritik geben können. Letztlich wird die Amprion daraus die Antragsunterlagen erarbeiten, die Ende 2018 bei der Bezirksregierung eingereicht werden. Danach gibt es weitere Auslegungs- und Erörterungstermine, die letztlich in einem Planfeststellungsbeschluss münden. Nach vorsichtigen Schätzungen können in ca. drei Jahren die Bauarbeiten beginnen, die Thomas Wühle (Amprion) gestern auf einen Zeitraum von 12 bis 18 Monaten einschätzte. Voraussetzung dafür ist, dass die von der Bürgerinitiative Hohenlimburg unter Höchstspannung angekündigte Klage (siehe Text unten) keine aufschiebende Wirkung hat.

Panzer contra Huyeng

Hans-Georg Panzer, Vorsitzender des Umweltausschusses und Ratsherr von Bündnis 90 / Die Grünen, teilte übrigens beim gestrigen Pressegespräch nicht die Auffassung von Thomas Huyeng bezüglich der Unumstößlichkeit des Ratsbeschlusses vom 18. Mai 2017. Panzer: „Auch ein Ratsbeschluss ist endlich. Ich habe nach dem Prozess meine Meinung revidiert. Jetzt muss auch im Rat der Stadt Hagen ein neuer Beschluss gefasst werden. Aber der Rat ist bekanntlich nicht der entscheidende Akteur.“

Das sagen die Bürgerinitiativen und die Politiker

Große Enttäuschung herrscht bei der Elseyer Bürgerinitiative „Hohenlimburg unter Höchstspannung“ über die Amprion-Entscheidung. Sprecherin Claudia Scholten sagte gestern: „Ein schlimmer Tag für Hohenlimburg. Und noch schlimmere werden folgen, weil diese Entscheidung ein nachhaltiger Eingriff ins Stadtbild sein wird. Es kann sich aktuell keiner vorstellen, was auf uns Bürger zukommen wird. 36 Leiterseile auf einem Mast sind gigantisch. Wir sind angetreten, diese Trasse zu verhindern. Mit allen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Dazu zählen wir auch den Klageweg.“

Anders beurteilte Dr. Thomas Scheffler (Bürgerinitiative Reh) die Planungsabsichten: „Wir freuen uns nicht, dass die Trasse durch Elsey führt. Wir freuen uns aber, dass sie nicht durch Reh führt. Das ist heute erst die 1. Etappe. Wir wollen abwarten, ob diese Planungen weiterhin Bestand haben werden.“ Nicole Pfefferer (Bündnis 90 / Die Grünen): „Das ist ein erwartetes Ergebnis. Aus Sicht von Amprion kann ich nachvollziehen, dass das Unternehmen diese Variante wählt. Für die Elseyer hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht.“

Peter Leisten (CDU): „Mir ist unverständlich, dass die Konfliktsituation nicht im Sinne der Bevölkerung gelöst werden konnte. Der Natur wird Vorrang vor dem Menschen eingeräumt. Die Gründe sind in der juristischen und materiellen Situation zu finden.“

Karin Nigbur-Martini (Hagen Aktiv): „Nun ist es amtlich. Amprion geht das Schutzgut Natur über das Schutzgut Mensch. Dieses Ergebnis stand offensichtlich von vorneherein fest. Die Runden Tische haben das weiter zementiert und waren reine Augenwischerei.“

Frank Schmidt (Bürger für Hohenlimburg): „Für mich war frühzeitig klar, dass Amprion die Untersuchung nicht ergebnisoffen führt. Die Entscheidung ist perfide, so mit den Hoffnungen von Menschen umzuspringen, die um ihr Lebensumfeld kämpfen.“

Mark Krippner (SPD Hohenlimburg): „Ich bin über diese Entscheidung enttäuscht. Wir haben bei vielen Menschen Erwartungen geweckt. Ich hätte mir mehr Unterstützung von der Verwaltung und der höheren politischen Ebene gewünscht.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik