Gamingbereich

Stadtbücherei Hagen jetzt mit VR-Brille und Spielekonsole

Verena Lückel, die Leiterin Kinderbücherei  Hagen testet die Virtual-Reality-Brille.

Verena Lückel, die Leiterin Kinderbücherei Hagen testet die Virtual-Reality-Brille.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Die Stadtbücherei Hagen eröffnet einen neuen Jugendbereich. Bücher wird es dort nicht geben. Dafür aber Playstation und VR-Brille.

Es ist, als tauche man in eine neue Welt ein. Um einen herum ruht der hellblaue Ozean. In der Ferne hört man Delfine fiepen und kurze Zeit später schwimmt man gemeinsam mit ihnen durch das Meer. Plötzlich endet die Aufnahme, das Bild vor den Augen wird schwarz und man sitzt auf einem Stuhl in der Stadtbücherei Hagen.

Es ist eine Szene, die man mit der Virtual-Reality-Brille der Stadtbücherei erleben kann. Sie ist ein Angebot im neu gestalteten Jugendbereich, der zum 19. Oktober eröffnet werden soll. Wer nicht mit den Delfinen schwimmen möchte, kann auch durch Paris laufen und den Eiffelturm besuchen. Adrenalin-Junkies können mit einem Laserschwert kämpfen oder versuchen, eine Bombe zu entschärfen.

Betreutes Spielen

Außerdem können Kinder und Jugendliche bei Sport- und Rennspielen an der Spielekonsole Playstation gegeneinander antreten und Eltern, Nostalgiker oder Junggebliebene mit Mario an einer Nintendo-Retro-Station durch die virtuelle Welt hüpfen. „Wir wollen keine Daddel-Bude werden, sondern stellen das Soziale und Miteinander in den Fokus“, unterstreicht Verena Lückel, Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei.

Die Rede ist von einer „geführten Mediennutzung“, die den Kindern zeitliche Grenzen beim Spielen setzt und den Konsum von Videospielen kritisch hinterfragen soll. Voraussetzung bei den Videospielen ist ein Mindestalter von sieben Jahren und ohne Bücherei-Ausweis darf sich niemand vor die Konsole setzen. Nach einer halben Stunde Spielspaß ist Schluss. Um die Virtual-Reality-Brille testen zu können, müssen sie sogar zwölf Jahre alt sein.

Betreut werden die Kinder und Jugendlichen von jungen Mitarbeitern der Stadtbücherei, die mit ihnen gemeinsam Spiele testen. Anschließend sollen sie die Spiele in einem kurzen Video oder einem Blogartikel bewerten. Die Kinder sollen Spaß haben und ernst genommen werden.

Bücherei wird zum Aufenthaltsort

Finanziert werden die neuen Geräte, Möbel und Veranstaltung durch Landesmittel mit einem Gesamtvolumen von 10.300 Euro.

Was halten junge Menschen von dem neuen Angebot der Stadtbücherei? Daniel Buchmüller (20), Auszubildender im „GameStop“, findet die Idee interessant: „Es könnte ein guter Einstieg für Leute sein, die vorher keinen Kontakt zu Videospielen hatten und ihnen pessimistisch gegenüberstehen“. Die Virtual-Reality-Brille würde er selbst ausprobieren. Mit einem Preis von bis zu 400 Euro ist die Anschaffung einer Brille für den privaten Gebrauch nicht billig. Die Stadtbücherei schafft einen kostengünstigen Zugang zu der neuen Technik.

Doch Spiel, Spaß und Freude bringt auch immer viel Lärm mit sich. Ist das Konzept einer Bücherei als Ort der Stille mit dem neuen Gamingbereich nun vorbei? „Wir sind ein lebendiger Ort und so soll es auch sein. Es ist nicht ruhig, die Besucher unterhalten sich“, betont Lückel. Es gebe weiterhin noch Zeitungsleser, die ihre Ruhe haben wollen, meint sie, da wird es Komplikationen geben, aber die Bücherei werde immer mehr zu einem Aufenthaltsort.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben