Was braucht Hagen?

Stadtteilcheck – Lärm und Verkehr sind Probleme im Norden

Der Ortsteil Boelerheide grenzt an den Hameckepark. Im Bild sieht man die Christ-König-Kirche an der Overbergstraße. In Boelerheide gibt es ein starkes Vereinsleben.

Der Ortsteil Boelerheide grenzt an den Hameckepark. Im Bild sieht man die Christ-König-Kirche an der Overbergstraße. In Boelerheide gibt es ein starkes Vereinsleben.

Foto: Michael Kleinrensing

Boele/Fley/Helfe/Kabel/Bathey/Boelerheide.   Auftakt des großen WP-Stadtteil-Checks im Hagener Norden mit den Ortsteilen Boele, Boelerheide, Fley, Helfe, Kabel und Bathey.

Für viele Menschen im Hagener Norden – das zeigen unsere Umfragen – ist der Bezirk eine Perle. Die Nähe zum Hengsteysee, der angrenzende Fleyer Wald im südöstlichen Teil und das Ruhrtal im Westen. Dazwischen Ortsteile, die infrastrukturell noch aufgestellt sind. Die beiden großen Knack-Themen im Norden aber bleiben der Verkehr und die Versorgung. So war es auch schon 2013.

So lange man im Boeler Ortskern einst die Bebauung des Marktplatzes diskutierte – heute ist das Zen­trum des Stadtteils ein Erfolg und Magnet für tausende Bewohner, nicht nur am Markttag (mittwochs). Ärzte, Kindergärten, die Grundschule, Banken, Imbisse und eine Bushaltestelle, an der gefühlt alle fünf Minuten ein Bus Richtung Innenstadt oder den Rest der Stadt fährt. Die Infrastruktur stimmt.

Zwei Probleme, die es aber trotz der vor über zehn Jahren eröffneten Ortsumgehung gibt und die auch bei den Stadtspaziergängen 2013 Thema waren: Verkehrsbelastung und Parkdruck. Im vorderen Bereich des Boeler Ringes (Hügelstraße bis Kreisverkehr) sind 20 000 Fahrzeuge täglich unterwegs. Im hinteren Teil Richtung Hengstey 16 000. Doch noch immer qüalen sich täglich rund 7600 Autos durch das Boeler Zentrum. Und: Dort und in den unmittelbar angrenzenden Wohnbebauungen (Beispiele: Kreuzweg, Rüttstraße, Osthofstraße oder Hengsteyer Straße) herrscht immenser Parkdruck. Das ist aus der Beobachtung heraus noch schlimmer geworden als 2013.

Sportler dürfen sich auf neue Bezirkssportanlagen freuen

Positiv: Die Sportler in allen fünf Ortsteilen des Bezirks können sich bald auf eine neue Bezirksportanlage freuen. Anstelle der bisherigen „Boeler Bucht“, wie der in die Jahre gekommene Sportplatz an der Helfer Straße heißt, entsteht eine neue Kunstrasenanlage mit Tartan-Bahn.

Es mögen Kleinigkeiten sein, doch der Stadtteil hat zuletzt immer dann infrastrukturell gelitten, wenn langjährige Geschäfte oder Anlaufstellen schlossen. Das war mal die Schlecker-Filiale an der Vereinsstraße, dann der Edeka schräg gegenüber und nun zuletzt die Sparkassen-Filiale. Sie ist nun ein reiner Selbstbedienungsstandort, der persönliche Kontakt zu Beratern wird vor allem von älteren Menschen sehr vermisst. Genau wie eine Arztpraxis in der Vereinsstraße. Boelerheide ist geprägt durch ein starkes Vereinsleben und gesellschaftlichen Zusammenhalt und grenzt direkt an den Hameckepark an. Die Anwohner der viel befahrenen Kapellenstraße wünschen sich seit Jahren mehr Verkehrsberuhigung. Doch auch die vielen Beete und Tempo 30 sorgen nicht dafür, dass weniger Unfälle geschehen und die Zahl der Autos sinkt.

Der Cargobeamer am Hengsteysee (ein Lkw-Verladeterminal von der Straße auf die Schiene) scheint nach heftigen Bürger-Protesten vorerst abgewendet zu sein. In Bathey – ein baulicher Mix aus Gewerbe, bäuerlichen Gehöften, Mehrfamilienbauten und Einfamilienhäusern – sind nach wie vor viele Firmenverwaltungen angesiedelt. Douglas ist allerdings nach dem Wegzug nach Düsseldorf nur noch mit einem kleinen Teil von Mitarbeitern dort. Die bundesweit 20 Filialen von Sinn-Leffers werden nach der zwischenzeitlichen Wöhrl-Insolvenz wieder von Bathey geführt. Auch Christ und Thalia haben ihre Hauptbüros in Bathey. Viele Mittagspäusler gehören tagsüber zum Ortsbild.

Entwicklung des Freizeitreviers Hengstey ist ein großes Thema

Die Entwicklung des Freizeitreviers Hengstey, die Lärmbelastung der durch den Stadtteil verlaufenden A1 und eine mögliche Umwandlung des Böhfeldes zu einem Gewerbegebiet liegen als große Themen über dem Quartier.

In Kabel drehte sich thematisch zuletzt vieles um Gewerbeansiedlungen an der Schwerter Straße, wo bereits vier Discounter und ein Baumarkt angesiedelt sind (Alid darf sich dort nun vergrößern).

Zu wenig Arztpraxen in den Wohnquartieren

In einem nicht gerade kleinen Gebiet, in dem rund 30 Prozent der Bevölkerung 60 Jahre und älter sind, sind drei Arztpraxen eigentlich zu wenig. Schon bei unserem Stadtteil-Check 2013 hatten Kabeler ihre Meinung geäußert. Tenor: Der Stadtteil genieße zu Unrecht einen schlechten Ruf wegen eines angeblich hohen Ausländeranteils und seiner Wohnblock-Anlagen. Dabei gibt es in dem Viertel statistisch gesehen keine größere Kriminalität als andernorts. Auch Probleme mit der Sauberkeit sind aus Kabel nicht so bekannt wie aus anderen Teilen der Stadt.

Die meisten älteren Menschen zwischen 60 und 100 Jahren plus leben im Norden in Helfe und Fley. In Helfe fehlt vor diesem Hintergrund nach wie vor ein Allgemeinmediziner. Zudem ist der Wochenmarkt stark zusammengeschrumpft. Sehr positiv ist, wie das Gemeindeleben im Ökumenischen Zentrum und das Miteinander im Stadtteil, der einst als Gartenstadt angelegt wurde, funktionieren.

Fley hat durch zwei Baugebiete, Erlhagen und Schmittewinkel, auch optisch deutlich seine Strukturen verändert. Durch den Zuzug neuer Familien hat sich der Stadtteil verjüngt. Der waldreichste Ortsteil im Norden zeichnet sich durch seine Naturvielfalt, aber auch durch Nähe zur Stadt aus.

Ausländeranteil und Bevölkerungsstruktur: Die Wohnviertel in der Übersicht: 

Boele-Zentrum

Ärzte: Im Ortsteil gibt es 21 Ärzte: drei Allgemeinmediziner, fünf Zahnärzte, vier Frauenärzte, zweiInternisten, einen HNO-Arzt, einen Augenarzt, einen Kinderarzt, einen Chirurgen, einen Psychologen, einen Orthopäden und einen Neurologen.

ÖPNV-Anbindung: Das Boeler Zentrum wird vom ÖPNV gut erschlossen. Man gelangt mit der 515 direkt zumFamilienbadHengsteyundzumdortigenNaherholungsgebiet Hengsteysee. Auch die Spielbanklinie 544 hält hier und bietet Verbindungen zur Hohensyburg. Weitere Linien: 514, 542, 512.

Bildung und Erziehung: In Boele gibt es eine Grundschule und eine Kita.

Boelerheide

Ärzte: Im Stadtteil sind vier Ärzte vertreten: zwei Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt und ein Internist.

ÖPNV-Anbindung: Busverbindungen Boelerheide ist gut an den ÖPNV angeschlossen. Hauptverbindungs- und auch Erschließungsfunktion hat die Linie 528. Ergänzt wird sie durch die Linien 516, 519, 524. Auch der Umsteigeknoten Loxbaum ist nahe. Im Spätnetz ist der Bereich über den NE1 und NE19 erreichbar. Eine Fahrt in die City dauert circa. 20 Minuten.

Bildung und Erziehung: Es gibt zwei Grundschulen, eine Förderschule, eine Realschule, eine Hauptschule und drei Kitas.

Kabel/Bathey

Ärzte: In Kabel und Bathey gibt es sieben Ärzte. Drei Zahnärzte und vier Allgemeinmediziner.

ÖPNV-Anbindung: Kabel und Bathey sind über die Schwerter Straße und die Pappelstraße erschlossen. Die Linien534, 536, 542 und 594 verkehrenin dichterFolge. Über Pappelstraße und Poststraße erschließt zudem die 514 das Gebiet. Im Spätverkehr ersetzen der NE1 und NE10 die Linien. An der Haltestelle Kabel Bahnhof fährt übrigens kein Zug ab, das ist eine Bushaltestelle.

Bildung und Erziehung: Es gibt eine Grundschule und vier Kitas.

Fley/Helfe

Ärzte: In den beiden Ortsteilen gibt es drei Zahnärzte.

ÖPNV-Anbindung: Busverbindung Nach Helfe verkehren die Linien 514 und 543, die gemeinsam einen 15-Minuten-Takt ergeben. Eine Fahrt in die Stadtmitte dauert ca. 13 Minuten. Diese Linienwerdenergänzt durchdie 534 über die Buschstraße und die 524, die auch die Verbindung zwischen Fley und Helfe herstellt. Auch aus dem Neubaugebiet Erlhagen gibt es eine direkte Verbindung zur Innenstadt, schneller geht es per Umstieg über den nahen Umsteigeknoten Loxbaum.Im Spätnetz ist der NE1 zuständig, für Fley der NE10.

Bildung und Erziehung: Es gibt eine Grund-und eine Gesamtschule und drei Kitas

Alle Folgen des WP-Stadtteilchecks.
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