So arbeitet Hagen

Sterilität ist für Martin Görlich das oberste Gebot

Martin Görlich ist Fachgesundheits- und Krankenpfleger für den Operationsdiens im St.-Josefs-Hospital.

Martin Görlich ist Fachgesundheits- und Krankenpfleger für den Operationsdiens im St.-Josefs-Hospital.

Foto: Hubertus Heuel / Hubertus Heuel / WP

Altenhagen.  Martin Görlich steht bei zahlreichen Operationen im St.-Josefs-Hospital mit am Tisch. Er ist u.a. für Sterilität bei der Arbeit verantwortlich.

Sterilität ist das A und O bei einer Operation. Das hat Martin Görlich (39) verinnerlicht. Es ist sein Credo. „Hygiene wird bei uns ganz groß geschrieben“, sagt der Fachgesundheitspfleger im St.-Josefs-Hospital in Altenhagen. Bevor er den Operationssaal betritt, müssen er und seine Kollegen sich in einer Schleuse, die die Grenze zwischen dem OP-Bereich und dem übrigen Krankenhaus, bildet, bis auf die Unterwäsche ausziehen.

Dann legen sie Schmuck und Ringe ab, streifen den Kasack, das geschlossene kurzärmelige Hemd, über und setzen Kopfhaube und Mundschutz auf – und zwar so, dass alle Haare bedeckt sind. Schließlich müssen sie die Hände desinfizieren, um möglichst alle Erreger auf der Hautflora zu eliminieren und somit das Übertragungsrisiko bei einem möglichen Handschuhdefekt zu minimieren. „Erst dann dürfen wir den OP betreten“, betont Görlich.

Aufwändige Prozedur

Es ist eine aufwändige Prozedur, aber sie ist vorgeschrieben, um das Eindringen von Krankheitserregern in den OP und damit in den geöffneten Körper des Patienten zu verhindern. Alleine für die Desinfektion der Hände gibt es genaue Anleitungen, in welcher Reihenfolge Fingerspitzen, Daumen und Handgelenke einzubeziehen sind.

Martin Görlich hat diese Manöver verinnerlicht, immerhin ist er bereits seit acht Jahren Fachgesundheits- und Krankenpfleger für den Operationsdienst, wie seine korrekte Berufsbezeichnung lautet. Während seiner Ausbildung zum Krankenpfleger lernte er die Tätigkeit im OP kennen, trat dort nach dem Exmanen seine erste Stelle an und absolvierte später eine zweijährige, berufsbegleitende Weiterbildung im Bergmannsheil-Krankenhaus Bochum. Inzwischen ist er stellvertretender OP-Leiter im St.-Josefs-Hospital. „Es ist ein Beruf, der mich ausfüllt“, sagt Görlich: „Ein Beruf, der mir etwas zurückgibt. Wenn ich einen Patienten, bei dessen Operation ich dabei war, nach einiger Zeit wiedersehe und es ihm gut geht, verleiht mir das ein gutes Gefühl.“

Er steht bei Eingriffen aller Fachabteilungen – ausgenommen Augenklinik – am OP-Tisch, ob es sich nun um Viszeral-, HNO-, Mund-Kiefer- und Gesichts- oder Gefäßchirurgie handelt. Jedes Gebiet hat seine Besonderheiten, die Unfallchirurgen gehen zum Beispiel mit Bohrmaschinen und Schrauben zu Werke, während das Besteck bei plastischen Operationen eher aus filigranen Werkzeugen besteht. Der Assistent muss dem Operateur immer einen Schritt voraus sein und wissen, welches Besteck er als nächstes anzureichen hat, berichtet Görlich: „Auch wenn ich inzwischen eine Menge Erfahrung besitze, ist das immer wieder eine kleine Herausforderung.“ Deshalb bereitet er sich entsprechend vor, wirft bisweilen auch einen Blick auf die Röntgenbilder.

Unsichtbare Sterilzone

Und auch während des Eingriffs ist Sterilität oberstes Gebot. Görlich trägt die Verantwortung dafür, dass Tisch und Instrumente steril sind und die Materialien nach dem Abdecken des OP-Siebs, in dem sich Skalpelle, Scheren, Pinzetten etc. fein säuberlich aufgereiht, befinden, nicht verunreinigt werden. „Die darf dann niemand außer dem Operateur mehr anfassen, sonst kann man gleich die ganze OP absagen.“ Einen halben Meter um den OP-Tisch herum existiert eine unsichtbare Sterilzone, die von Unbeteiligten nicht betreten werden darf – auch nicht von Praktikanten: „Darauf achten wir akribisch.“

Obwohl manche Abläufe mit der Zeit zur Routine werden mögen und es vor allem bei nächtlichen Operationen schwer ist, die Spannung aufrecht zu erhalten, steht ein OP-Team stets unter einem gewissen Druck, so Görlich. Denn selbst beim standardisiertesten Eingriff können plötzlich Komplikationen auftreten. Deshalb müsse man im Dienst auch geistig immer fit sein: „Der Adrenalinspiegel ist so hoch, dass keine Gefahr besteht wegzunicken. Die Tätigkeit im OP verläuft nicht nach null acht fünfzehn“, weiß Görlich um die Verantwortung, die er trägt.

Eingeschränktes Familienleben

Bereitschaftsdienst gehört für ihn dazu. Muss er nachts arbeiten, hat er am nächsten Tag frei. Dennoch bringt der Dienst des mit sich, dass er seine Frau und die drei Kinder oft nicht sieht, dass er sie nicht zu Reitturnieren oder Fußballspielen begleiten kann. Bei den Hausaufgaben hilft er manchmal über WhatsApp: „Aber das Familienleben wird natürlich in gewisser Weise eingeschränkt.“

Bei seiner Frau, einer gelernten Krankenschwester, die ihren Beruf derzeit nicht ausübt, kann sich Görlich aussprechen, wenn er im Dienst mit einem tragischen Schicksal konfrontiert wurde: „Aber man muss lernen, gewisse Ereignisse nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. Sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben. Sonst geht man kaputt.“

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