Abwasser

Steuerberater in Hagen klagt gegen Drainage-Verfügung

Um diese Drainageleitung geht es.

Um diese Drainageleitung geht es.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) hat den Steuerberater Rüdiger Althaus aufgefordert, seine Drainage abzuklemmen. Er wehrt sich nun vor Gericht.

Rüdiger Althaus (75) hat vor dem Verwaltungsgericht in Arnsberg Klage gegen die Verfügung des Wirtschaftsbetriebes Hagen (WBH) eingelegt, seine Drainageleitung abzuklemmen. Damit wird der Streit zwischen dem Steuerberater und der Behörde nun juristisch entschieden.

Althaus hatte vor 28 Jahren beim Kauf seines Hauses in der Bülowstraße 35 eine Drainage anlegen lassen, um zu verhindern, dass weiterhin Feuchtigkeit ins Gemäuer eindringt. Das gelang auch, das aufgefangene Regenwasser wird seitdem über die Drainage in die Kanalisation geleitet.

Doch das Haus liegt in einem Misch­was­ser­sys­tem, Ab­was­ser und Niederschlag fließen im glei­chen Kanal zur Klär­an­la­ge. Drainagewasser gilt aber nicht als Abwasser und darf daher nicht in die öffentliche Kanalisation eingespeist werden. „Die rechtliche Situation ist eindeutig, es liegt ein Verstoß gegen die Entwässerungssatzung vor“, verdeutlichte Uwe Sommer, beim WBH Leiter des Fachbereichs für Grundstücksentwässerung.

„Nicht im tropischen Regenwald“

Das Abwasserrecht ist kompliziert. Jeder Tropfen reinen Wassers, und dazu zählt der WBH Drainagewasser, verdünnt das Abwasser, was wiederum die Reinigungsleistung der Kläranlage verschlechtert. Letztlich verteuere Drainagewasser die Dimensionierung der öffentlichen Abwasseranlage. Auch der deutsche Städte- und Gemeindebund rät den Kommunen in NRW davon ab, Drainagewasser in der öffentliche Kanalisation zu dulden.

Doch fast 30 Jahre lang krähte kein Hahn nach der Drainage von Rüdiger Althaus, ehe er sie in einem Gespräch mit WBH-Mitarbeitern versehentlich erwähnte. Daraufhin wurde er aufgefordert, die Drainage bis zum 3. Mai abzuklemmen.

Keine Ausnahmegenehmigung

Stattdessen zog Althaus vors Verwaltungsgericht: „Ohne die Drainage wird mein Haus doch sofort wieder feucht. Ich müsste für zigtausend Euro eine aufwändige Sickergrube bauen. Wir leben doch nicht im tropischen Regenwald, wo alles unter Wasser steht.“ Die Abwasseraufbereitung in Hagen werde doch durch seine Drainage nicht wirklich beeinträchtigt: „Und ich möchte nicht wissen, wieviele Drainagen es noch gibt, von denen keiner weiß.“

Eine von Althaus ins Spiel gebrachte Ausnahmegenehmigung hatte der WBH u.a. mit dem Verweis abgelehnt, alle Bürger gleich behandeln zu müssen.

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