Rotlicht

Tag der offenen Tür im Hagener Bordell lockt viele Frauen

Tag der offenen Tür im Bordell

Zahlreiche Besucher nutzen die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Hagener Bordells in der Düppenbecker Straße zu blicken.

Zahlreiche Besucher nutzen die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Hagener Bordells in der Düppenbecker Straße zu blicken.

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Hagen.   Dieser Blick hinter die Kulissen ist ein besonderer: Zum Tag der offenen Tür im Hagener Bordell an der Düppenbeckerstraße kommen viele Frauen.

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Viele Frauen bevölkern diese besondere Straße. Nicht die, die hier täglich ihre Liebesdienste anbieten. Sondern die, die einen Blick hinter die Kulissen werfen wollen – beim Tag der offenen Tür in den Bordellen an der Hagener Düppenbecker­straße.

Carsten Rohleder hat zu diesem besonderen Tag in dieser besonderen Straße eingeladen. Von zehn bis 22 Uhr können Besucher am Samstag die Räumlichkeiten ansehen, in denen die Frauen arbeiten – und dabei mit Vermietern ins Gespräch kommen. Initiator Rohleder gehören mit zwei weiteren Eigentümern die Häuser im Rotlichtviertel. „Dass so viele Frauen zum Tag der offenen Tür kommen, wundert nicht. Die kommen ja sonst hier nicht so rein“, erklärt Rohleder, der immer wieder Führungen durch sein Haus anbietet.

Offene Türen bei Hagener Bordellen: "Hier ist alles sauber"

Tatsächlich: Viele wollen sich ein eigenes Bild von einer Straße machen, aus der sonst nur Geschichten und Gerüchte durchsickern. „Wir wollen mit all den Klischees aufräumen, damit nicht mehr so viel geredet wird. Wir haben doch das Jahr 2018“, sagt Rohleder, während er das Anwerbezimmer zeigt. „Hier ist es sauber, und es laufen auch keine Ratten rum. Das kann jeder sehen.“

Durch das im Juli 2017 in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz, das Prostituierte dazu anhält, nur mit einem extra Ausweis und Anmeldung zu arbeiten, gab es unter den Damen Verwirrung. Manche, so Rohleder, hätten daraufhin Hagen verlassen und seien in andere Städte gegangen. Mittlerweile kämen aber einige zurück und zeigten Verständnis. Mit dem Tag der offenen Tür solle auch gezeigt werden, wie gut das neue Gesetz umgesetzt worden sei.

Zimmer haben Kamera und Notfall-Knopf

Jedes Zimmer ist mit einer Kamera und einem Notfall-Knopf ausgestattet. Ein Mitarbeiter könne, so Rohleder, die Sicherheit der Prostituierten garantieren, im Notfall schnell eingreifen.

Bei den Besucherinnen am Tag der offenen Tür kommt das gut an. „Super, dass es sowas gibt. Ich hätte nicht gedacht, dass so sehr auf Sicherheit geachtet wird. Es ist wirklich interessant, sich das mal anzuschauen“, sagt Raquel Groß während der Führung.

Die Farbe Rot dominiert im Hagener Bordell

„Eigentlich sieht es wie ein normales Schlafzimmer aus“, so Raquel Groß weiter. „Es gibt ein Bett, einen Kleiderschrank und ein Waschbecken. Ich hätte nur nicht so viel rote Farbe erwartet.“ Die Farbe Rot leuchtet klischeehaft aus jedem Winkel. Überall rote Wände, rote Kronleuchter und rote Betten.

„Es ist super interessant. Ich bin einfach ein neugieriger und offener Mensch. Es gibt hier so viele Dinge, über die man sich keine Gedanken macht, wie zum Beispiel eine Waschmaschine“, fasst Ulrike Rössel ihre Eindrücke zusammen.

Vermieter mischen sich in das Geschäft nicht ein

Die Eigentümer der Häuser und die Pächter, die die Häuser wiederum mieten und dann untervermieten, mischen sich laut Rohleder kaum in das Geschäft ein. Die Prostituierten würden sich für 24 Stunden ein Zimmer mieten und könnten dann die Preise mit ihrer Kundschaft selbst aushandeln. „Es ist wie ein Hotelzimmer. Für alles, was die Frauen machen, sind sie selbst verantwortlich“, so Rohleder.

Vor den Häusern gibt es beim Tag der offenen Tür die Möglichkeit zum Gespräch. Am Bierwagen gibt es kostenlos Getränke, dazu Würstchen vom Grill.

Spende geht an das Kinderhospiz

„Wir Besitzer haben zusammengeschmissen. Getränke und Bratwurst gehen auf uns, aber wir erhoffen uns natürlich kleine Spenden. Der Erlös geht dann an das Kinderhospiz“, erklärt Rohleder. Auch die Gäste sind von dem sozialen Aspekt begeistert.

„Ich finde das echt cool hier. Dass der Erlös für eine gute Sache gespendet wird, ist klasse“, meint Thomas. Kirsten aus Dortmund ist es ein besonderes Anliegen, an diesem Wochenende das Bordell zu besichtigen. „Meine Schwester war auch Prostituierte und ist mittlerweile leider verstorben. Ich möchte endlich sehen, wie so ein Ort von innen aussieht und welcher Reiz dahintersteckt. Ich würde mich auch gerne mit den Frauen mal unterhalten.“

Prostituierte geben sich an diesem Tag aber kaum offen zu erkennen.

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