Pflege in Hagen

Tagespflege in Hagen: Planloses Stochern im Nebel

Der Gesetzgeber will die Tagespflege in den Vordergrund rücken. Doch es gibt gar keine Bedarfsplanungen.

Der Gesetzgeber will die Tagespflege in den Vordergrund rücken. Doch es gibt gar keine Bedarfsplanungen.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Hagen.  Pflegebedürftige in Hagen sollen „ambulant vor stationär“ betreut werden. So will es das Gesetz. Aber in Hagen gibt es gar keine Bedarfsplanung.

Dass an der Fleyer Straße dieser Tage eine neue Tagespflege eröffnet hat, ist vor dem Hintergrund einer schlechten Informationslage in der Bevölkerung und einem bisweilen etwas planlosen Vorgehen der Stadt schon fast eine nebensächliche Notiz. Die gesetzlichen Regelungen verlangen, dass bei der Betreuung von pflegebedürftigen Personen zunächst der Grundsatz „Ambulant vor stationär“ gelten solle. Dafür werden seit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz zusätzliche Gelder für die Tagespflege zur Verfügung gestellt. Die Umsetzung in der lokalen Praxis ist für alle Beteiligten aber extrem schwierig. Für die Betreiber von Einrichtungen genau wie für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Ein Überblick.

Die Lage auf dem Pflege-Markt

Nach dem Alten- und Pflegegesetz erstellt auch die Stadt Hagen regelmäßig eine Pflegebedarfsplanung. Die aktuelle gilt von 2018 bis 2021. Allerdings werden konkrete Bedarfe darin nur für die stationäre- und die Kurzzeitpflege ermittelt. Die Tagespflege spielt in der Planung zwar eine Rolle. Aufgelistet werden aber nur die vorhandenen Plätze (zuletzt 109). Es gibt keine Prognose oder mittelfristige Bedarfsplanung.

Und das, obwohl der Gesetzgeber diese Vorstufe zur stationären Pflege konkret fordert. Das macht es schwierig für Personen, die in einer immer älter werdenden Stadt Hagen Tagespflegeplätze für ihre Angehörigen suchen. Und noch viel schwieriger für die Träger und Unternehmen, die auf dem Hagener Pflegemarkt diese Leistungen anbieten, aber bei möglichen Aus- und Neubauvorhaben keine konkrete Planungsgrundlage haben. Michael Scheibe-Jochheim, Geschäftsführer des Pflegeunternehmens Wohlbehagen, das an der Fleyer Straße jüngst eine Tagespflege mit 18 Plätzen eröffnet und am Trappenweg in Hohenlimburg weitere Plätze schaffen wird, sagte in der Hagener Pflegekonferenz jüngst: „Für uns und die Mitbewerber auf dem Hagener Markt bedeutet das ein hohes unternehmerisches Risiko.“

Das sagt die Stadt Hagen

„Die Tagespflege wird in Zukunft stärker in Anspruch genommen als bisher. Will man dieser Entwicklung Rechnung tragen, benötigen wir in Hagen künftig mehr Tagespflegeplätze als in den vergangenen Jahren“, erklärt Stadt-Pressesprecher Michael Kaub.

Aktuell seien es 109 Plätze. Eine Tagespflege mit 18 Plätzen habe nun durch Wohlbehagen kurzfristig in diesem Sommer eröffnet. Der Verwaltung seien Planungen für fünf weitere Tagespflegen bekannt, eine Tagespflege beabsichtige, das bisherige Angebot aufzustocken.

Würden alle Planungen verwirklicht, kämen insgesamt 128 Tagespflegeplätze hinzu, so dass Ende 2020 dann 237 Tagespflegeplätze vorhanden wären. In der Hagener Konferenz „Alter und Pflege“ sei zuletzt angeregt worden, für die Tagespflege eine verbindliche Bedarfsplanung zu beschließen.

„Diesen Beschluss kann nach den gesetzlichen Bestimmungen jedoch nur der Rat der Stadt treffen“, so Michael Kaub. Bei gedeckten Bedarfen würden weitere Tagespflegeeinrichtungen dann keine Bedarfsbestätigungen mehr erhalten und könnten keine Investitionskostenzuschüsse beziehen.

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