Nahverkehr

Teure Fahrkarte: Hohenlimburger wählt falsche Haltestelle

Heribert Jochheim bezahlt 7,70 für Busfahrkarte von Letmathe-Ostfeld bis Hagen-Mitte

Heribert Jochheim bezahlt 7,70 für Busfahrkarte von Letmathe-Ostfeld bis Hagen-Mitte

Foto: Hubertus Heuel / WP Hagen/Heuel

Hohenlimburg.  Normalerweise kostet eine Busfahrt nach Hagen 2,80 Euro. Heribert Jochheim wählte eine 200 m entfernte Haltestelle – und zahlte 7,70 Euro.

Heribert Jochheim (77) vom Steltenberg in Hohenlimburg hatte einen Termin beim Augenarzt, also wollte er mit dem Bus ins Hagener Stadtzentrum fahren. Weil ihm noch etwas Zeit blieb, ging er spazieren und erreichte so, keine zwei Minuten Fußweg entfernt, die nächste Haltestelle. „Kann ja nicht schaden, wenn ich von hier abfahre“, habe er gedacht und sei in den Bus gestiegen, berichtet der Rentner.

Doch als er die Fahrkarte löste, fuhr ihm der Schreck in die Glieder: 7,70 Euro musste Jochheim für die einfache Fahrt nach Hagen zahlen.

Kein Irrtum des Busfahrers

Nachdem er den Preis zähneknirschend berappt hatte, fiel ihm ein, dass seine Frau, die öfter mit dem Bus nach Hagen fährt, stets nur 2,80 für das Ticket bezahlen musste. War Jochheim einem Irrtum des Busfahrers aufgesessen?

Keineswegs, vielmehr war der Hohenlimburger Opfer des vertrackten Tarifsystems im Öffentlichen Nahverkehr. Eine Fahrt von der Haltestelle Hohenlimburg-Steltenberg, der letzten Station auf Stadtgebiet, nach Hagen-Mitte kostet tatsächlich nur 2,80 Euro. Doch die Haltestelle Letmathe-Ostfeld, an der er in den Bus eingestiegen war, liegt bereits im Märkischen Kreis. Und von dort aus ist der Fahrpreis nach Hagen 4,90 Euro teurer. „Das ist doch unverschämt“, findet Jochheim.

Es ist denn auch die Grenze zwischen Hagen und dem Märkischen Kreis, die für den Tarifsprung von nahezu 5 Euro verantwortlich ist. Denn die Grenze trennt nicht nur die beiden Verwaltungseinheiten, sondern auch den Zuständigkeitsbereich der Verkehrsverbünde Rhein-Ruhr (VRR), zu dem die Hagener Straßenbahn AG gehört, und Westfalentarif, in dem die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVR) Mitglied ist. Weil Heribert Jochheim nicht auf Hagener Stadtgebiet in den Bus gestiegen ist, galt für seine Fahrt nicht die Preisgestaltung des VRR, sondern die des Westfalentarifs.

Verschiedene Tarifstrukturen

„Und wir haben eine ganz andere Tarifstruktur als der VRR“, so Anne Zimmermann, Sprecherin des Unternehmens Westfalentarif. Dieses umfasst fünf Nahverkehrsbetriebe mit weiten Teilen von Münsterland, Ostwestfalen sowie Sauer- und Siegerland. Der Ticketpreis sei vom Fahrweg abhängig, der Preis berechne sich nach Start- und Zielpunkt sowie der Verbindung: „Ein Einzelticket von Letmathe nach Iserlohn-Zentrum kostet zum Beispiel 3,30 Euro.“

Verschiedene Verbünde

Der VRR dagegen ist für den ÖPNV in 16 Städten und sieben Kreisen an Rhein, Ruhr und Wupper zuständig, darunter auch Hagen. Grundlage der Preisberechnung im VRR-Verbundraum sind die Tarifgebiete, „Waben“ und Kurzstrecken. Ein Tarifgebiet umfasst in der Regel eine Stadt oder mehrere kleine Städte und setzt sich aus einer oder mehreren „Waben“ zusammen.

Jeder Verbindung innerhalb des VRR-Raums ist eine Preisstufe zugeordnet, neben der Kurzstrecke (1,60 Euro) gibt es die Preisstufen A bis D. VRR und Westfalentarif berechnen ihre Fahrpreise also unabhängig voneinander und nutzen dazu auch noch unterschiedliche Modelle. Die Hagener Straßenbahn AG als Mitglied im VRR-Verbund habe auf die Tarifgestaltung dagegen keinen Einfluss, so ihr Sprecher Dirk Thorbow: „Wir wenden die vorgeschriebenen Tarife lediglich an.“

Nun dürfen VRR und Westfalentarif die Ticketpreise zwar eigenverantwortlich, aber nicht beliebig erhöhen. Vielmehr müssen sie sich jede Änderung von der Bezirksregierung genehmigen lassen. Doch während für den VRR die Bezirksregierung in Düsseldorf zuständig ist, muss der Westfalentarif die Zustimmung der Bezirksregierung in Arnsberg erreichen.

Komplexes System

Dass der einzelne Fahrgast angesichts des Wirrwarrs an Tarifen, Kompetenzen und beteiligten Unternehmen bzw. Behörden leicht den Durchblick verlieren kann, bestätigt Anne Zimmermann vom Westfalentarif gern: „Das gesamte Tarifsystem ist ausgesprochen kompliziert.“

Wenn man so will, ist Heribert Jochheim ein Opfer dieser unübersichtlichen Strukturen geworden.

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