So arbeitet Hagen

Thailand, China, Hagen: Spannender Zerspanungsmechaniker-Job

Ingolf Bröhan (58) ist Zerspanungsmechaniker bei der Firma Ebro in Hagen-Haspe, die Armaturen herstellt. Er bedient hier eine hochmoderne CNC-Maschine. 

Ingolf Bröhan (58) ist Zerspanungsmechaniker bei der Firma Ebro in Hagen-Haspe, die Armaturen herstellt. Er bedient hier eine hochmoderne CNC-Maschine. 

Foto: Michael Koch / WP Michael Koch

Hagen-Haspe.  Ingolf Bröhan bedient bei Ebro-Armaturen in Hagen eine CNC-Maschine. Langweilig? Keineswegs. Er findet den Job faszinierend und kommt herum.

Auf den Laien wirken die vielen Zahlen wie Chinesisch. Doch Ingolf Bröhan muss nur einen Blick auf den kleinen Monitor an der großen Maschine werfen und erkennt gleich, ob der Bohrer im Inneren präzise arbeitet. Ob das Loch in der Armatur tatsächlich auf den Hundertstel Millimeter genau entsteht. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er bei Ebro Armaturen in Haspe als Zerspanungsmechaniker. Und er sagt noch immer: „Ich bin begeistert von meinem Beruf.“

Armaturen – die kennt der Durchschnittsbürger meist aus Küche oder Badezimmer. Man dreht sie auf und das Wasser fließt. Das Grundprinzip gilt auch für die Produkte von Ebro. Flüssigkeiten, Schüttgut oder Gase werden durch die Armaturen aus der Karlstraße in Haspe in Rohrleitungssystemen gestoppt oder wieder durchlässig gemacht. Allerdings nicht im Badezimmer, sondern im Anlagenbau und in großen Systemen wie Kraftwerken, Schiffen oder auch – um ein konkretes Beispiel in der Heimat zu nennen – im Westfalenbad.

Er sagt der Maschine, was sie zu tun hat

Sie können klein sein, sie können bis zu zwei Meter groß sein, das Grundprinzip ist immer das gleiche. Es braucht einen Kubus, der in das Rohrleitungssystem eingebaut wird. Und einen per Hand oder Maschine steuerbaren Schieber, der den Durchfluss regelt. Per Hand müssen die Elemente am Ende zusammen gebaut werden. Und damit das gelingt, muss die Arbeit von Ingolf Bröhan so exakt sein. „Ich sage der Maschine, was sie tun muss“, sagt der 58-Jährige. Und das bedeutet: Er muss nach der Anleitung der Konstrukteure genau programmieren, wo das Loch gebohrt werden muss. Er muss das passende Werkzeug in die hochmoderne CNC-Maschine einbauen. Und er muss die Armaturen-Rohlinge, die im Inneren der Maschine weiter bearbeitet werden, einsetzen. Mal mit Muskelkraft, bei schwereren Exemplaren auch mit Hilfe eines Krans.

Körperliche und geistige Arbeit ist hier gefragt

Es ist eine Mischung aus geistiger und körperlicher Arbeit, die Ingolf Bröhan weiter fasziniert. Und die er von der Pike auf als Zerspanungsmechaniker gelernt hat – noch damals in der ehemaligen DDR, wo er bei Magdeburg aufgewachsen ist. „Drehen, Fräsen, Bohren – ich habe das alles noch per Hand an der Drehbank gelernt“, erinnert sich der heute 58-Jährige. Aber er hat auch früh die Automatisierung kennengelernt, als er zehn Jahre lang im VEB Dieselmotoren tätig war: „Da gab es auch schon CNC-Maschinen, aber mit Lochstreifen programmiert.“

Nach der Wende kam er 1991 auf Empfehlung eines Freundes zu Ebro Armaturen nach Hagen. Erst ist er aus seiner alten Heimat gependelt, dann aber schnell ganz nach Hagen gezogen. Und bei Ebro hat der verheiratete Vater dreier Kinder (und inzwischen auch Opa) in den mehr als 25 Jahren die Weiterentwicklung der computergesteuerten Maschinen mit erlebt. Genauso wie die Expansion des Unternehmens und die Globalisierung der Wirtschaft.

In Thailand und China für die Firma tätig

„1994/95 bin ich mit meiner Familie für ein Jahr nach Thailand gegangen, habe da geholfen, im neuen Ebro-Werk die Mitarbeiter anzulernen“, erzählt Ingolf Bröhan beinahe beiläufig. „2004 war ich dann ein Jahr in China in unserem neuen Werk.“ Es sind nicht nur die hohen Manager, die in einer globalisierten Welt um den Globus jetten, es sind auch die Facharbeiter aus dem Mittelstand, die weit über ihre Heimat hinaus tätig sind.

Hier in Deutschland arbeitet Ingolf Bröhan in zwei Schichten, entweder von 6 bis 14 Uhr oder von 14 bis 22 Uhr – unterbrochen von einer Pause. „Ja, das macht Spaß, sonst würde ich das nicht so lange machen“, sagt der 58-Jährige. Und seine Begeisterung für das Technische hat vielleicht auch ein bisschen abgefärbt: Sein Sohn studiert Maschinenbau.

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