Junges Theater

Großes Theater in Hagen: „In 80 Tagen um die Welt“

„In 80 Tagen um die Welt“ mit Meera Varghese (r), Michael Mayer (l), Stefan Merten und Anne Schröder im Theater Hagen.

„In 80 Tagen um die Welt“ mit Meera Varghese (r), Michael Mayer (l), Stefan Merten und Anne Schröder im Theater Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Per Elefant, auf dem Schlitten, mit Zug und Schiff: Wie die Junge Bühne Hagen in 80 Tagen um die Welt reist und warum das gutes Theater ist.

Ein nüchterner Kasten mit zwei Ebenen dominiert die Bühne im Lutz des Theaters Hagen. Was aussieht wie der oberirdische Teil eines Tiefgaragenaufzugs wird in dem Stück „In 80 Tagen um die Welt“ zum Eisenbahnabteil, zum Dampfer in Seenot und sogar zum Elefanten, auf dem der exzentrische Mr. Fogg und sein Butler Passepartout durch den Dschungel reiten. Anja Schöne, die Leiterin der Jungen Bühne Hagen, hat Jules Vernes technikgläubigen Roman in ein Abenteuermärchen verwandelt, das den Weltenbummlern im Publikum viel zu Staunen gibt. Nach der Premiere feiert langer Beifall eine ebenso bezaubernde wie gelungene Produktion.

Kauziger Pünktlichkeitsfanatiker

1869 wurden der Suezkanal und die erste transkontinentale Eisenbahnlinie quer durch die USA eröffnet. Rein rechnerisch wird eine Weltreise in 80 Tagen nun möglich. Darauf basiert die Wette, die der kauzige Pünktlichkeitsfanatiker Phileas Fogg in seinem Londoner Club abschließt. Anja Schöne und Ausstatterin Sabine Kreiter führen die Handlung als Spiel im Spiel ein, so kommen sie ohne große Verrenkungen ins Jahr 1872 mit seinen Reisemöglichkeiten, in dem Vernes Roman spielt. Weltmusikalische Klangbilder von Maren Lueg und die animierten Projektionen von Diana Menestrey verorten die wilde Fahrt phantasievoll.

Warum reist man? Während sich Jean Passepartout, der in Wahrheit eine Jeanne ist, nicht sattsehen kann an den neuen Eindrücken, interessiert sich Phileas Fogg ausschließlich dafür, den nächsten Anschluss zu erreichen. Immer wieder wird die Handlung daher von einem Uhrenballett unterbrochen. Überhaupt die Uhr! Passepartout kann nicht begreifen, warum seine Londoner Zeit auf dem Suezkanal oder in Indien nicht gelten soll.

Tempeltanz

In Indien lernen Herr und Diener den Tempeltanz kennen und retten die junge Witwe Aouda vor dem Verbrennungstod. In den USA stürmen Indianer die Bühne, welche Passepartout zum Klimabotschafter ernennen. Diese interaktive Szene wird in Kooperation mit verschiedenen Schulklassen realisiert.

Von der Zeit getrieben und von dem intriganten Inspektor Fix verfolgt, der Phileas Fogg für einen Bankräuber hält, erreicht die Reisegruppe England exakt fünf Minuten zu spät. Fogg wird sein Vermögen verlieren. Doch Aouda macht ihm einen Heiratsantrag, und so lernt er, dass es wichtigeres im Leben gibt als das sklavische Befolgen von Regeln. Mag auch die Wette verloren scheinen, so hat er doch die große Liebe gewonnen.

Wanderzirkus

Die Darsteller Anne Schröder, Meera Varghese, Michael Mayer und Stefan Merten erzählen die Geschichte so selbstvergessen und dabei so witzig choreographiert, dass das junge Publikum einfach dranbleiben muss. Sie spielen, und sie spielen, dass sie spielen, und dieser Wechsel macht die Handlung spannend. Es gibt sehr komische Szenen, etwa, wenn Inspektor Fix sich auf stürmischer See in Magenkrämpfen windet, während Fogg und Auoda völlig ungerührt vom Unwetter Schach spielen. Oder wenn Passepartout in durch eine Intrige von Fix in Hongkong in einer Opiumhöhle verloren geht, sich aber einem Wanderzirkus anschließt, bis er die beiden anderen wieder trifft. Ein paar Takte „Einzug der Gladiatoren“ und ein paar Purzelbäume reichen aus, damit Anne Schröder die Lutz-Bühne in eine Manege verwandeln kann.

Stampfende Eisenbahn

Das sind nur einige Gründe, warum „In 80 Tagen um die Welt“ viel Spaß macht. Anja Schöne inszeniert Vernes Stoff gekonnt in mehreren Erzählebenen und zwar, wie es ihr Markenzeichen ist, in bewusster Abgrenzung zum Bilder-Overkill der digitalen Medien. Mit einfachen Mitteln wird hier großes Theater gemacht, werden ein paar Hocker zur stampfenden Eisenbahn, rhythmisch angetrieben von lustigen „Marschversen“ der Darsteller, wird ein Regenschirm zum Antrieb für einen Segelschlitten. Wie jede große Reise führt auch diese am Ende mitten ins Herz der Akteure, die sich unterwegs verwandelt haben. „In 80 Tagen“ zeigt auch, wie bunt und wunderbar der Planet Erde ist. Ach ja, und man lernt sogar etwas. Zum Beispiel, die Sache mit den Zeitzonen und der Datumsgrenze, dank derer Phileas Fogg in letzter Sekunde doch noch seine Wette gewinnt.

Jeder Schüler ins Theater

Das Stück „In 80 Tagen um die Welt“ nach Jules Verne von Anja Schöne ist geeignet für Zuschauer ab sechs Jahren und besonders empfohlen für die Jahrgangsstufen 1 bis 5. Bei allen Familienvorstellungen im Theater Hagen gibt es für 25 Euro eine Familienkarte. Sie gilt für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder. „In 80 Tagen um die Welt“ ist Teil der Aktion „Jeder Schüler ins Theater“, bei der der Theaterförderverein Schulklassen den Eintritt spendet. Information dazu und zu freien Terminen sowie Karten unter: www.theaterhagen.de oder 02331 / 2073218.

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