Streit

Trainer gefeuert – Eklat im Hohenlimburger Schwimmverein

Carsten Dorn mitten in einer Kinderschwimm-Gruppe: Trotz der Vorkommnisse ist der Übungsleiter bei vielen Eltern und Kindern sehr beliebt. Einige von ihnen haben den Verein nach Dorns Rauswurf verlassen.

Foto: Manuela Nossutta

Carsten Dorn mitten in einer Kinderschwimm-Gruppe: Trotz der Vorkommnisse ist der Übungsleiter bei vielen Eltern und Kindern sehr beliebt. Einige von ihnen haben den Verein nach Dorns Rauswurf verlassen. Foto: Manuela Nossutta

Hohenlimburg.   Ein schmutziges Ende. Schwimmtrainer Carsten Dorn muss seinen Hut nehmen. Dabei gibt es viele Eltern und Kinder, die hinter ihm stehen.

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Unwürdiges und schmutziges Ende einer Zusammenarbeit in einem Breitensportverein. Der Hohenlimburger Schwimmverein (HSV) hat Trainer Carsten Dorn (49) rausgeschmissen. Zum Leidwesen zahlreicher Eltern und Kinder, die mit Dorns Arbeit zufrieden waren. Der HSV verkündete noch auf seiner letzten Jahres-Hauptversammlung, dass es einen positiven Dorn-Effekt gegeben habe. Wie konnte es zwischen Club-Führung und dem ehemaligen Bundesliga-Wasserballer zu so einem Zerwürfnis kommen?

70 Eltern und Kinder verabschieden Dorn

Am Sonntag wurde es emotional. 70 Eltern und Kinder verabschiedeten sich von Dorn, dankten ihm für die gute Arbeit. Manche Kinder darunter haben den Schwimmverein wegen Dorns Rausschmiss Ende September verlassen.

Nachfrage in der HSV-Geschäftsführung. „Man kann es nicht dulden, dass in einem Verein ein Verein geführt wird“, deutet Geschäftsführer Heinz-Werner Schroth an, dass Dorn Leute um sich geschart habe, die Vorstandsbeschlüsse unterwandert hätten. Der gebürtige Görlitzer Dorn wird gar für seine „strengen DDR-Methoden“ im Umgang mit den Kindern angeprangert. Schroth: „Und wir haben bis heute kein Führungszeugnis von ihm erhalten.“ Das müsse ein Verein verlangen, wenn Trainer Fahrten mit Kindern unternehmen. Dorn tat das.

Dorn sieht Eltern auf seiner Seite

Carsten Dorn bezieht auf Anfrage der WESTFALENPOST Stellung: „Der Vorstand hat mich mit Hilfe eines Anwalts rausgeschmissen. Alles, was ich den vergangenen fünf Jahren aufgebaut habe, zerbricht jetzt.“ Er habe wieder eine Basis im Verein geschaffen. Vom Lehrschwimmen bis zum Leistungsbereich. „Ich habe eine große Unterschriftenliste von Eltern, die mir bescheinigen, dass sie mit mir und meinen Methoden einverstanden sind. Natürlich bin ich im Training auch mal streng. Aber DDR-Methoden? Dieser Aussage muss ich widersprechen.“

Dass der Vorstand glaube, es habe sich „ein Verein im Verein“ gebildet, sei Ausdruck davon, wie unzeitgemäß dieser Vorstand auf Vereinsstrukturen blicke. „Dieser Vorstand arbeitet wie vor 20 Jahren“.

Trainer wittert „reine Schikane“

Auch was sein Führungszeugnis angehe, widerspricht Dorn: „Ich habe den Vorstand gebeten, mir einen Beleg zukommen zu lassen, mit dem ich dieses Zeugnis kostenlos bei den Behörden bekommen kann. Ich habe nichts bekommen. Die anderen beiden Übungsleiter, die mit auf eine Fahrt nach Görlitz gekommen sind, hat der Vorstand übrigens nie um dieses Zeugnis gebeten. Das zeigt, dass diese Forderung reine Schikane ist.“

>> Reaktionen: „Unseren Sohn hat das verstört

Carsten Dorn verließ vor einigen Jahren auch den Iserlohner Schleddenhofer Schwimmverein, nachdem es atmosphärische Störungen mit dem dortigen Vorstand gegeben hatte. „Ich habe mir dort erlaubt, meinen Mund gegenüber dem Vorstand aufzumachen. So bin ich und das habe ich auch in Hohenlimburg gemacht“, sagt Carsten Dorn.

Markus Piesche gehört zu jenen Eltern, die mit der Leistung von Carsten Dorn absolut zufrieden sind. „Er fordert Leistung und gibt klare Regeln vor. Den Kindern gefällt das und es tut ihnen auch gut“, sagt Piesche, dessen 10-jähriger Sohn bis zuletzt unter Dorn beim HSV trainierte. „Dass im Beisein der Kinder am Beckenrand aber der Trainer rausgeschmissen wird – sogar unter Androhung von Polizei – das geht überhaupt nicht“, sagt Piesche. „Unseren Sohn hat das verstört.“

Gegenüber der WESTFALENPOST erklärten weitere Eltern, die auf der Seite von Carsten Dorn stehen, dass der Verein nun damit rechnen könne, viele Kinder zu verlieren.

Eine große Austrittswelle sieht man beim Hohenlimburger Schwimmverein aktuell aber noch nicht. Geschäftsführer Heinz-Werner Schroth erklärt, dass der HSV insgesamt 517 Mitglieder habe. Der betroffene Kinder- und Jugendbereich, um den es bei diesem Eklat gehe, umfasse knapp über 70 Kinder. 13 Eltern und sechs Kinder seien wegen der Vorkommnisse bislang ausgetreten.

Eine weitere Reihe von Austritten erwarte man nicht

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