Serie „So arbeitet Hagen“

Traurednerin aus Hagen setzt auf Lockerheit und Romantik

Traurednerin Karin Rafflenbeul in Aktion bei einer Trauung in Dortmund. „Die Paare wünschen sich eine sehr persönliche Zeremonie“, sagt die gebürtige Mendenerin, die mit ihrer Familie in Hagen lebt.

Traurednerin Karin Rafflenbeul in Aktion bei einer Trauung in Dortmund. „Die Paare wünschen sich eine sehr persönliche Zeremonie“, sagt die gebürtige Mendenerin, die mit ihrer Familie in Hagen lebt.

Foto: Trauschoen / WP

Hagen.  Die Hagenerin Karin Rafflenbeul gestaltet als frei Traurednerin den schönsten Tag für Brautpaare – ein Job, der von präziser Vorbereitung lebt.

Die perfekte Trauung? Sie solle vor allem eines sein: authentisch. Kein großes Brimborium, wenn es zum Brautpaar passt . Stattdessen Individualität. Lachen. Herzlichkeit statt tausend Herzchen. Und humorvoll solle sie sein. Das lockere auf. Bindet man ein Kind ein, kann etwas schiefgehen. „Und das ist gut, nicht schlecht“, sagt Karin Rafflenbeul. Die Hagenerin arbeitet als Freie Traurednerin und ist damit quasi eine Expertin für die Frage, wie, wo und wann sich in der Region getraut wird.

Lockerheit, Fröhlichkeit, Spontaneität zulassen – das hört man im Gespräch mit ihr immer wieder, wenn es um die perfekte Trauung geht. Da war die Sache mit dem Dackel, der die Ringe bringen sollte. Endlos habe man mit ihm geübt und ausgerechnet bei der Hochzeit ist er „mit den Eheringen durchgegangen. Irgendwann konnte wir ihn einfangen. Nachher hatte ich ihn auf dem Arm“, erzählt sie lachend.

Leitspruch: „Alles kann, nichts muss“

„Alles kann, nichts muss“ ist der Leitspruch, den Karin Rafflenbeul ihren Paaren immer mit auf den Weg gibt. Was ein Paar superschön fände, möge ein anderes überhaupt nicht. Deshalb ist auf der einen Hochzeit Ella Endlichs Aschenbrödel-Lied zu hören, auf der anderen Sidos „Liebe“. Oder die Tradition, dass der Brautvater die Braut zum Altar geleitet. Ein Paar interpretierte dies um: Sie kam mit dem Vater hinein, der Bräutigam mit seiner Mutter.

Es sind Paare, die keiner Kirche angehören, Paare verschiedener Religionen oder gleichgeschlechtliche Paare, die den Weg zu Karin Rafflenbeul finden. „Die Paare wünschen sich eine sehr persönliche Zeremonie“, erklärt die Fachfrau. Auch wenn das Standesamt die „Ambiente-Trauung“ anbiete, sei dies immer noch ein förmlicher Vorgang. Eigentlich kommt die 50-jährige gebürtige Mendenerin und Wahl-Hagenerin aus der Werbebranche – arbeitete 15 Jahre als Etatdirektorin in einer Werbeagentur. „Ich bin es gewohnt, zu präsentieren. Die Arbeit in der Werbung war eine gute Grundlage für mich, ich kann formulieren und weiß, dass meine Reden immer einen vernünftigen Aufbau benötigen“, erklärt sie. Die Arbeit in der Werbung war ihr nicht genug. Sie ging an die Universität, studierte in Bochum Arbeitspsychologie.

Dann der Zufall: Im Tagungszentrum Arcadeon fragte man sie, ob sie sich nicht vorstellen können, Traurednerin zu sein. Immer mehr Paare verlangten danach, jedoch müsse bislang jemand aus Köln kommen. Karin Rafflenbeul dachte kurz nach und sagte zu. Sie besuchte ein Traurednerseminar beim Kölner Trauredner Martin Fett. Modifizierte das Gelernte für sich, um es ihren Eigenschaften anzupassen. „An meiner ersten Rede habe ich gefühlt vier Wochen geschrieben“, schmunzelt sie. „Ich kann mich nur vor ein Paar stellen, wenn ich das Gefühl habe, ihnen mit meiner Rede hundertprozentig gerecht zu werden.“ Sie fügt hinzu: „Ich kann Menschen in diesem Moment so viel Freude schenken, es ist ein ganz besonderer Tag für sie. Sie schenken mir ihr Vertrauen und es ist meine absolute Pflicht, mit diesem sehr sorgsam umzugehen.“

Bis Sommer 2020 ausgebucht

Die erste Rede: Das ist zwei Jahre her. „Seitdem hat sich das supergut entwickelt.“ So gut, dass sie schon jetzt bis Sommer 2020 ausgebucht ist. „Ich hatte schon eine Anfrage für 2025“, erzählt Rafflenbeul, „aber das habe ich abgesagt, das ist noch viel zu lange hin.“ Maximal zwei Trauungen pro Wochenende nehme sie vor – schließlich wolle sie keine Leistung am Fließband. Richtig ernst wird es etwa sechs bis acht Wochen vor der Hochzeit. Dann treffen sich Brautpaar und Traurednerin zum Traugespräch. Das kann gut und gerne vier Stunden dauern.

Auch mit den Trauzeugen, Freunden und Geschwistern führe sie je nach Bedarf intensive Gespräche auf der Suche nach den besonderen Eigenschaften der beiden Menschen, über die sie reden wird.

Natürlich stoße man bei so intensiven Gesprächen auch auf existenzielle Fragen. Feinfühligkeit ist gefordert. „Sicher, es gibt Situationen, in denen bin ich dankbar für mein Psychologiestudium“, gibt sie zu. „Für mich ist es nicht nur ein Paar, das bei der Hochzeit vor mir sitzt, es sind zwei Individuen“, betont sie. „Ich wachse mit euch“, sage sie den Paaren immer. „Die Chemie muss stimmen, alle Seiten müssen sich miteinander wohlfühlen“, betont Karin Rafflenbeul.

Sie sei keine Traurednerin, die gerne allzu kitschige Zeremonien gestalte. Auf ihrer Homepage finden sich keine „28.000 Herzchen, die durch die Gegend fliegen. Das bin ich nicht“, bemerkt sie lachend. „Als „fröhlich, locker und romantisch“, beschreibt sie das, was sie Paaren für diesen wichtigen Moment in ihrem Leben bietet. Keine vorgefertigten Texte, jede Rede ist immer ganz individuell und persönlich.

Wichtige Grundlage

Jeder Trauredner sei verschieden, wie jedes Paar. Das sei die wichtige Grundlage. Und die schönste Trauung, die sie jemals durchführen durfte? „Das war ein Paar, bei dem gab es gar nicht viel drum herum“, beschreibt sie. „Ich habe ihre Verbundenheit gespürt, die Innigkeit ihrer Liebe, sie waren komplett auf Augenhöhe.“ Gefühlt ewig hätten sie zusammengesessen, Karin Rafflenbeul schrieb ihre Rede in Ich-Form, ein Liebesbrief, der für beide galt. „Die Hochzeit war dermaßen schön, eigentlich bin ich nicht nah am Wasser gebaut, aber selbst ich hatte große Probleme, nicht zu weinen.“

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