Einzelhandel

Trendige Öko-Labels in „Onkel Jo sein Laden“

Johannes Müller in seinem Ladenlokal. Am Freitag, 16. Juni, eröffnet der 39-Jährige sein Geschäft für nachhaltig produzierte

Johannes Müller in seinem Ladenlokal. Am Freitag, 16. Juni, eröffnet der 39-Jährige sein Geschäft für nachhaltig produzierte

Foto: Yvonne Hinz

Hagen-Mitte.   Johannes Müller eröffnet in der Hagener Innenstadt das Geschäft „Onkel Jo sein Laden“ für nachhaltig produzierte Mode.

Er wirkt weder wie ein militanter Öko-Freak noch wie ein naiver Spinner: Johannes Müller tritt eher wie ein ernstzunehmender Geschäftsmann auf, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Mit nachhaltig produzierter Mode und mit Upcycling-Produkten.

Am Freitag, 16. Juni, geht der 39-Jährige mit seinem Geschäft „Onkel Jo sein Laden“ an der Start. Nicht in einem verschlafenen Vorort, nicht im jung-kreativen Wehringhausen, sondern zentral in der Fußgängerzone – in der Mittelstraße 8. „Da ich nicht nur eine Sparte bedienen möchte, sondern jeden, der bewusst lebt und einkauft, ansprechen will“, betont der Hagener Neubürger.

Als Store-Leiter viel rumgekommen

In Schwelm geboren, dann lange an der Mosel gelebt, in Frankfurt, Dortmund und anderen größeren Städten gearbeitet – Johannes Müller ist ordentlich ‘rumgekommen in den letzten Jahren.

Als gelernter Einzelhandelskaufmann war er im konventionellen Handel tätig, teils als Store-Leiter bei Firmen wie Esprit, Desigual, dem Herrenmodeanbieter Jack & Jones und Schuhmode Side Step. „Aber ich war frustriert von der Arbeit für die Firmen, über den Zeitdruck, die Philosophie der Wegwerfgesellschaft, den Zahlendruck und über die Margen, die sich die großen Anbieter einräumen“, sagt Johannes Müller.

Gefühl von Ungerechtigkeit

„Wenn man bedenkt, dass ein Arbeiter in einem Entwicklungsland wie Bangladesh für die Herstellung eines T-Shirts gerade einmal zwischen 11 und 13 Cent bekommt, der Händler in Europa jedoch ein Vielfaches aufschlägt, kocht doch ein Gefühl von Ungerechtigkeit hoch“, echauffiert sich der Fair-Trade-Kämpfer.

Die meisten Öko-Labels sind klein, die Produzenten bieten häufig ihre Produkte ausschließlich im Online-Shop an. Anders Johannes Müller, der den Kunden in seinem Laden mitten in der City alle Produkte zum Anfassen und Anprobieren präsentiert.

Fairtrade-Schuhe aus Biobaumwolle

Auf 100 Quadratmeter Fläche verkauft Müller neben Waren von kleinen, noch unbekannten Marken auch Garderobe bekannter Labels wie Bleed, Wunderwerk, Good Society oder Schuhe von Ethletic. „Die Fairtrade-Schuhe sind aus Biobaumwolle gefertigt, die Sohlen bestehen aus Naturkautschuk“, erklärt der Einzelhandelskaufmann, der auf Leder komplett verzichtet, „ja, ich arbeite vegan.“

Auch die Taschen, die er anbietet, sind nicht aus Leder, sondern zum Teil aus Kork. Der Hagener Dennis Shirvan stellt diese unter dem Label „Corkando“ her.

Kooperationen mit Hagener Jungunternehmern

Auch wichtig für Johannes Müller: Er setzt auf Kooperationen mit Hagener Jungunternehmern, die – genau wie er – die Fair-Trade-Philosophie leben. Wie der aus Indien stammende und längst über die Grenzen Wehringhausens bekannten Öko-Designer Prakash, der mit seinem Label Cocccon erfolgreich ist.

Ein ganz besonderes Flair schafft Johannes Müller in seinem Laden durch eigenwilliges Mobiliar: größtenteils Second-Hand-Möbel wie das großzügige Ledersofa, das er für kleines Geld im Werkhof erstanden hat. Ein altes Fass wurde von ihm zu einem Beistelltisch umfunktioniert, an alten Latten und Paletten platziert er seine Upcycling-Produkte wie Taschen aus alten Reis- oder Zementsäcken beziehungsweise aus Lkw-Planen. „Und meine Uhren sind aus alten Vinyl-Schallplatten hergestellt.“

Mittleres Preissegment

In welchem Preissegment sich die Waren, die er anbietet, befinden? „Im mittleren“, sagt der 39-Jährige. So liegt der Preis der Jeans, die er verkauft, zwischen 99 und 129 Euro. „Kein Billigramsch, aber auch nichts von Edel-Designern“, betont „Onkel Jo“.

>>>HINTERGRUND

  • Unter dem Begriff „Upcycling“ – von im Englischen up (nach oben) und recycling (Wiederverwertung) versteht man die Aufwertung von Abfallprodukten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die erneute Verwertung von ­vorhandenem Material reduziert die Neuproduktion von Rohmaterialien.
  • In Entwicklungsländern wird Upcycling seit Jahren auch aus Kostengründen betrieben. Bei uns gewinnt es durch den gesellschaftlichen Wandel (Nachhaltigkeitsgedanken) an Bedeutung und ist in den vergangenen Jahren vor allem in Groß- und Studentenstädten zum Trend geworden.
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben