Massenkündigungen

TWB-Arbeiter ohne Aufgabe sollen notfalls putzen kommen

Demonstranten gegen den Arbeitsplatzabbau bei TWB im Februar. Archiv-Foto: Michael Kleinrensing

Demonstranten gegen den Arbeitsplatzabbau bei TWB im Februar. Archiv-Foto: Michael Kleinrensing

Eckesey.   Nach Ende der VW-Verträge haben viele TWB-Arbeiter bis Ende der Kündigungsfrist nichts zu tun. Die Geschäftsführung lässt sie trotzdem antreten.

Seit gestern hat der Automobilzulieferer TWB in Eckesey offiziell keine Lieferverträge mehr mit VW. Der große Autobauer will sich nach einem Machtkampf mit TWB-Mutterkonzern Prevent keine Rücksitzlehnen mehr aus Hagen liefern lassen (siehe Infobox). In der Volmestadt hagelte es deswegen in den vergangenen Monaten Massenkündigungen für die Verlierer dieses Streites: die Arbeiter im TWB-Werk in Eckesey. Weil es für einen Großteil von ihnen durch das VW-Vertragsende keine Arbeit in der Produktion mehr gibt, lässt die Geschäftsführung die Arbeiter, wie es aus dem Werk heißt, jetzt auch zum Putzen antreten.

290 von rund 450 Beschäftigten hatten die Kündigung erhalten. Weil langjährige Kollegen längere Kündigungsfristen haben, bleiben sie noch bis Ende August im Betrieb anwesend. Wenn sie nicht ohnehin zu den rund 100 Arbeitern gehören, die wegen der für sie unsäglichen Situation krank geschrieben sind. Laut Betriebsrat haben rund 60 bis 70 Leute noch Arbeit an Bauteilen für Ford und BMW – der Rest ist vor Ort quasi beschäftigungslos.

Aus Kreisen der Arbeiter heißt es, dass TWB seine gekündigten Arbeiter nicht freistellen wolle, sondern sie lieber zum Putzen oder Rumstehen ins Werk kommen lasse. Viele Arbeiter leiden unter den unwürdigen Verhältnissen.

Betriebsrat und Geschäftsführung stehen sich vor einer neutralen Einigungsstelle gegenüber. Zuletzt sollte ein Sachverständiger klären, ob TWB sich möglicherweise ärmer gerechnet hat als es ist. Und somit auch, ob nicht doch Abfindungen für die gekündigten Arbeiter drin sind. Der Bericht ist mittlerweile fertig. Der Betriebsrat hat ihn aber noch nicht gesehen.

TWB bietet den Gekündigten eine Transfergesellschaft zur Qualifizierung an. Bei allem Ärger in der Belegschaft und dem großen Wunsch nach Abfindungen: Der Betriebsrat hatte dieser Regelung Ende Januar zugestimmt.

Kritik an Transfergesellschaft

„Der Betriebsrat hatte selbst vorgeschlagen, Mittel für Abfindungen in die Transfergesellschaft zu übertragen und darüber hinaus den Anbieter der Transfergesellschaft selbst ausgewählt“, hatte Prevent zuletzt über einen Sprecher erklären lassen. Dass dermaßen viele Mitarbeiter krank geschrieben seien, halte man für Sabotage. Weder die Prevent-Geschäftsführung noch der Anwalt des Betriebsrates reagierten gestern auf eine Anfrage der Redaktion.

Viele Helfer und Maschinenführer betroffen

62 TWB-Arbeiter haben sich unterdessen für die Transfergesellschaft entschieden. 112 werden von der Arbeitsagentur als Arbeitsuchende betreut. In der Transfergesellschaft fördert die Agentur die Betroffenen mit 80 Prozent des letzten Dezembergehaltes als Transferkurzarbeitergeld. Unter ihnen sind vor allem viele Helfer, Maschinenführer oder Staplerfahrer. Die meisten sind nur angelernt.

„Eigentlich sieht der Arbeitsmarkt derzeit gut für die Betroffenen aus“, sagt Ulrich Brauer, Sprecher der Arbeitsagentur in Hagen. „Die Kräftenachfrage ist weiterhin hoch, der Markt also sehr aufnahmefähig. Es gilt aber: Je höher die Qualifikation, desto besser die Chancen.“

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