Parapsychologie

Über Medium Kontakt zur verstorbenen Mutter aufgenommen

Frank Fischer und Ariane Gawert.

Foto: Michael Kleinrensing

Frank Fischer und Ariane Gawert. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Frank Fischer hatte immer das Bedürfnis, Kontakt zu seiner toten Mutter aufzunehmen. Über ein Medium in Hagen sei es gelungen, behauptet er.

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Frank Fischer (57) ist gewiss kein Typ, dem man esoterische Neigungen nachsagen würde. Der Zwei-Meter-Hüne ist Kampfsportler und sagt, was er denkt. Kennt so einer Angst? Als er Ariane Gawert gegenüber saß, habe ihn doch ein mulmiges Gefühl beschlichen, gibt er zu: „Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte.“

Vom Kontakt zu den Toten. Von Geistern. Von Seelen. Und anfangs sei es auch nicht sonderlich spektakulär gewesen, was seine verstorbene Mutter ihm zu sagen hatte. Lauter Banalitäten, die hundertdreißigtausend andere Söhne auch zu hören bekommen. Erst als sie ihm mitteilte, wie leid es ihr tue, dass sie damals so wenig Zeit für ihn gehabt habe, wühlte es ihn auf: „Denn da wusste ich, dass es wirklich meine Mutter war. Was sie sagte, konnte nur sie wissen.“

Nachrichten aus dem Jenseits

Ariane Gawert behauptet, sie sei ein Medium. Sie könne mit den Seelen verstorbener Menschen kommunizieren und deren Nachrichten aus dem Jenseits empfangen, eine mentale Verbindung sei das, eine Art von Energiefluss: „Warum ich das kann, weiß ich nicht. Ich bin wohl offener, sensitiver, empfänglicher als andere Menschen.“

Sie legt Wert darauf, keine Wahrsagerin zu sein. Keine Hellseherin. Sie besitzt keine Glaskugel und zündet keine Räucherstäbchen an. Frank Fischer hatte erwartet, dass in den Räumen am Remberg wenig­stens gedämpftes Licht herrschen oder eine Kerze angezündet würde, stattdessen empfing ihn Frau Gawert bei Tageshelle am Schreibtisch: „Wollen mal gucken, wer sich meldet“, sagte sie.

Plötzlicher Tod durch Aneurysma

Er habe schon immer das Bedürfnis verspürt, Kontakt zu seiner Mutter aufzunehmen, berichtet Fischer. Ob ihn diese Sehnsucht zu einem leicht manipulierbaren Opfer machte? Fischer sagt, er habe keine Ereignisse aus seinem Leben verraten und sei verblüfft gewesen, als ihm seine Mutter durch Frau Gawert den Grund ihrer Scheidung mitgeteilt habe. Dass sie als allein erziehende Mutter arbeiten und ihn deshalb so oft allein lassen musste. Dass sie stolz sei, dass er die Umschulung zum Indu­striekaufmann hinbekommen habe. Dass es ihr, wo sie jetzt sei, gut gehe. „Ich war wie betäubt“, berichtet Fischer.

Seine Mutter war erst 47, als sie 1979 an einem Aneurysma starb. Plötzlich war er allein. Schuldgefühle drückten ihn. Er wollte ihr doch immer sagen, wie lieb er sie hatte und wie leid es ihm tue, dass er die Lehre geschmissen und immer so eine große Klappe gehabt habe. Doch er hatte es nie gesagt. Nun war es zu spät. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen. All die Jahre.“

60 Euro Honorar

Hat eine Scharlatanin nicht leichtes Spiel, wenn sie einen solchen, von seinen negativen Gefühlen gedrückten Menschen in die Fänge bekommt? Ariane Gawert sagt, sie wisse, dass sie Verantwortung trage. Sie sei kein Ersatz für einen Psychotherapeuten, sie sieht sich eher als Trauerbegleiterin. 60 Euro musste Fischer dafür bezahlen, dass sie ihm eineinhalb Stunden lang als Medium zur Verfügung stand und er seiner Mutter das Herz ausschütten konnte. „Ich vergebe höchstens einen Termin pro Jahr. Ich will nicht, dass die Leute abhängig werden“, sagt Ariane Gawert.

Freund beging Selbstmord

Nicht nur Fischers Mutter, auch sein ehemals bester Freund, der seinerzeit in Wehringhausen Selbstmord beging, meldete sich. Er habe ihm nicht helfen können, es sei allein seine Entscheidung gewesen, teilte er Fischer mit. Niemand habe ihn aufhalten können. Er sagt, er habe schlucken müssen, als er das hörte, so Fischer: „Aber ich habe mich auch unsagbar erleichtert gefühlt.“

Nun habe er seinen Frieden gefunden, sagt er. Dass ihn Freunde, denen er von seinem Besuch bei dem Medium und den Gesprächen mit den Seelen aus dem Jenseits erzählt, schräg von unten ansehen, nimmt er in Kauf. Wenn sie ihn nicht so lange kennen würden, nähmen sie ihn nicht für voll, hat er zu hören bekommen.

Keine offenen Rechnungen

Wenn der Kontakt zu einer Seele negative Begleiterscheinungen mit sich bringe, der Verstorbene den Angehörigen etwa verletze oder allzu schmerzhafte Erinnerungen wecke, gebe sie diese Informationen entweder nicht weiter oder beende die Sitzung, sagt Ariane Gawert. Aber zumeist hätten die Geister eine wichtige Botschaft: „Deshalb kommen sie.“ Im Übrigen könne sie sich nicht vorstellen, dass eine Seele noch eine Rechnung mit jemandem hier im Diesseits offen habe, welchen Sinn solle das machen? „Wenn die Seelen hochgehen, werden sie geläutert.“

Nach dem Gespräch habe er minutenlang in seinem geparkten Wagen gesessen, berichtet Fischer. Die Gefühle übermannten ihn. Er sagt, er sei jetzt im Reinen mit sich.

>>Hintergrund: Keine nachweisbaren Experimente

Als Medium werden Menschen bezeichnet, die von sich behaupten, sie könnten Kontakt zu Wesen im Jenseits aufnehmen, etwa zu Engeln oder Seelen von Verstorbenen.

Anerkannt sind solche Fähigkeiten nicht, u.a. weil es dazu keine nachweisbaren Experimente gibt.

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