Brandschutz in Hagen

Überstunden-Ärger: Kritik am Hagener Feuerwehrchef

In Hagen gibt es neben vielen freiwilligen Feuerwehrleuten rund 240 Berufsfeuerwehrleute.

In Hagen gibt es neben vielen freiwilligen Feuerwehrleuten rund 240 Berufsfeuerwehrleute.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Rund die Hälfte der Hagener Berufsfeuerwehrleute fordert, dass Überstunden eins zu eins bezahlt werden. Schichten seien regelmäßig unterbesetzt.

Es rumort in der Hagener Feuerwehr. Und es wird Kritik an der Haltung von Feuerwehrchef Veit Lenke laut. Kernpunkt einer Diskussion, die die rund 240 Berufsfeuerwehrleute in unterschiedliche Lager teilt, ist die Bezahlung von Mehrarbeit, die über den üblichen 48-Stunden-Dienst hinaus geht.

Während über 100 Feuerwehrleute zuletzt offen forderten, dass die Mehrstunden eins zu eins bezahlt würden, halten Verwaltung und Feuerwehrleitung an einer gültigen Individualvereinbarung fest. Der aktuelle Krankenstand ist bedenklich und aus Reihen der Feuerwehr heißt es, dass regelmäßig Schichten unterbesetzt seien.

Die Kritik an der Vergütung und an einer wohl herrschenden Misere bei der Hagener Feuerwehr erreicht die Redaktion sowohl aus dem Bereich der normalen Brandschützer als auch aus der oberen Etage. Genannt werden möchte aber niemand. Von einst 140 Kollegen, die gegen die geltende Individualvereinbarung waren, ruderten zwischenzeitlich einige wieder zurück. Bei einem Gros der Kollegen herrsche aber weiter Unzufriedenheit.

Die Hagener Individualvereinbarung sieht vor: Für Feuerwehrbeamte im Tagesdienst beträgt die Wochenarbeitszeit 41 Stunden. Für Feuerwehrbeamte im Einsatzdienst ist eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden angesetzt. „Muss aus dienstlichen Gründen mehr als diese 48-stündige wöchentliche Arbeitszeit geleistet werden, werden diese Stunden in Freizeit ausgeglichen. Konkret werden die Vergütungssätze im Faktor 41/48 angepasst. “, erklären Dezernent Thomas Huyeng und Feuerwehr-Chef Veit Lenke in einer gemeinsamen Erklärung. Für eine finanzielle Vergütung der Mehrarbeit fehle die rechtliche Grundlage.

Zudem gebe es keine Misere und es bestünden keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen dem Krankenstand und den Gesprächen über Individualvereinbarungen. Das sehen die Wortführer der Gegenbewegung aber ganz anders. Natürlich würden keine Krankenscheine mit der Begründung eingereicht, dass man mit der Individualvereinbarung nicht zufrieden sei. Dennoch sei man an einer Belastungsgrenze angekommen und wolle für Mehrarbeit angemessen bezahlt werden. Aktuell, so die Verwaltungsspitze, werde versucht, die generell hohe Belastung im Feuerwehrdienst durch mehr Personal zu kompensieren. Da externe Einstellungen durch hohen Personalbedarf auch aus anderen Städten schwierig seien, bilde man selber aus.

Mehrarbeit soll weniger werden

Die Ausbildung dauere 18 Monate. Im Jahr 2018 hätten neun Brandmeister, im Jahr 2019 13 Brandmeister ihre Ausbildung abgeschlossen. 2020 würden 16 neue Brandmeister fertig und für das Jahr 2021 würden 20 Brandmeister im nächsten Jahr eingestellt. „Dadurch sollte sich der Bedarf an Mehrarbeit deutlich verringern“, erklärt die Verwaltung.

Längst wirkt sich der Engpass aus. Demnach – so die Kritiker – könnten die im Brandfall wichtigen Funktionen nicht mehr durchgehend besetzt werden. Azubis würden auf unterbesetzte Fahrzeuge gepackt, um den Personalmangel zu kaschieren.

„Die vom Rat festgelegten Schutzziele werden umgesetzt. Auch bei der Duplizität von Ereignissen steht an einem Standort nicht immer die gleiche Anzahl von Personal zur Verfügung“, antworten Huyeng und Lenke. Dass Lenke Missstände nicht richtig in die Politik kommuniziere, sei nicht korrekt. „Alle Probleme, die es im Amt für Brand- und Katastrophenschutz gibt, werden transparent dargestellt. Die Vergütungshöhe von Mehrarbeit gehört zum laufenden Geschäft der Verwaltung“, so Huyeng und Lenke.

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