Brauchtumverein

ULK-freier Bauantrag ärgert Hasper

Foto: WR Richard Holtschmidt

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Haspe.  Neues aus Absurdistan: Der Hasper Heimat- und Brauchtum-Verein (HHBV) muss in diesem Jahr erstmals einen Bauantrag stellen, um am Samstag, 1. Juni, 450 Gäste zum festlichen Kirmeskommers im Hasper UFO – sprich der Rundturnhalle an der Kölner Straße – begrüßen zu dürfen. Dabei wird an dem Abend kein einziger Stein bewegt. Eine bürokratische Auflage, die den ULK-Geist (Unsinn, Leichtsinn Kneipsinn) frontal torpediert. „Das kostet uns sicherlich mehrere hundert Extra-Euros“, wettert Kirmesbauer Udo Röhrig über den Aufwand.

Hintergrund dieser neuen Vorschrift sind die Ereignisse rund um die Duisburger Love-Parade. Demnach müssen für eine „temporäre Nutzungsänderung“ – in diesem Fall verwandelt sich eine Sportstätte in einen Veranstaltungssaal – bei den Unteren Bauaufsichtsbehörde die kompletten Unterlagen wie für einen normalen Bauantrag vorliegen. „Das ist nicht als reine Formalität abzutun, vielmehr dient es dazu, Leben und Sicherheit von Menschen zu gewährleisten“, erläuterte seinerzeit Georg Thomys, Leiter des verantwortlichen Bauordnungsamtes, das neue Vorschriftenpaket. Aufgrund der besonderen Sensibilität von großen Menschenansammlungen sei die Bauaufsichtsbehörde verpflichtet, die Eignung des Objektes insbesondere hinsichtlich Brandschutz und Rettungswegen gewissenhaft zu überprüfen.

Fahrradstellplätze und Baustatik

„Das haben wir doch bei der Premiere vor fünf Jahren längst erledigt“, erinnert Röhrig an einen Ortstermin des HHBV gemeinsam mit Bauordnungsamt und Feuerwehr, bei dem ein genauer Bestuhlungsplan mit exakten Abständen und Fluchtwegen festgezurrt wurde. „Doch so ein Bauantrag geht noch viel weiter“, zeigt sich Röhrig rechtschaffend ratlos, wie er wohl Angaben zu geschützten Baumbeständen, Löschwasserversorgung, Fahrradstellplätzen, Schädlingsschutz, Brennstofflagerung, Lüftungsanlage oder auch Baustatik beschaffen soll. „Wir brauchen als Verein etwas Praktikables an der Hand, mit dem ein normaler Mitteleuropäer auch arbeiten kann.“

Architektenbüro beauftragen

„Mehr als 90 Prozent dieser Informationen können nur durch den Eigentümer der Rundturnhalle – also die Stadt Hagen selbst – geliefert werden“, reagiert auch HHBV-Präsident Dietmar Thieser nur mit Kopfschütteln auf diesen Aufgalopp des Amtsschimmels. „Wir werden jetzt wohl für viel Geld ein Architektenbüro beauftragen müssen, um das alles abzuarbeiten.“ Er sei davon ausgegangen, dass die Stadt ihm nur dann ein Objekt vermiete, wenn dieses für den angedachten Zweck auch geeignet sei. „Oder müssen wir womöglich davon ausgehen, dass die Stadt Hagen zukünftig Räumlichkeiten für Veranstaltungen vermietet, die die bauordnungsrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllen?“ fragt Thieser eher rhetorisch.

Kirmesbauer Röhrig wird in den nächsten Tagen noch einmal den Kontakt zum Vermieter – dem Servicezentrum Sport – sowie dem Bauordnungsamt suchen: „Man darf es den Bürgern nicht so verdammt schwer machen – hier muss eine grundsätzliche Lösung her. Sonst ersticken die Vereine an den Kosten und Formalitäten des Bürokratismus.“

Offenbar scheint die Symbolfigur des Hasper Heimat- und Brauchtumvereins beim nächsten Rathaus-Besuch sich Hoffnungen machen zu dürfen, dass die bürokratischen Fesseln für die Hasper Kirmesfamilie ein wenig gelockert werden. „Oberbürgermeister Jörg Dehm hat deutlich gemacht, dass mit der Vermietung von städtischen Räumlichkeiten auch eine Genehmigung der Veranstaltung einher gehen müsse“, skizzierte Stadtsprecher Thomas Bleicher die Stoßrichtung der Stadt. Die Verwaltung solle dabei durchaus unterstützend agieren.

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