Nazi-Symbol

Umstrittene Fahne weht an bedeutendem Fachwerkhaus in Hagen

„Deutschland, meine Heimat“ steht auf der umstrittenen Fahne, die an der Langen Riege gehisst wurde.

„Deutschland, meine Heimat“ steht auf der umstrittenen Fahne, die an der Langen Riege gehisst wurde.

Foto: Stubbe

Eilpe.   Eine Fahne, die an die Reichskriegsflagge erinnert, weht an einem Haus in Hagen. Das ruft den Staatsschutz und den Stadthistoriker auf den Plan.

Sie gilt als älteste Arbeitersiedlung Westfalens, ein Baudenkmal von herausragender Bedeutung. Jetzt, so fürchtet Hagens Stadthistoriker Dr. Ralf Blank, missbrauchen Rechte die Fachwerkhäuser an der Langen Riege.

Denn am Eckhaus des historischen Ensembles aus dem Jahr 17. Jahrhundert wehte eine großformatige Flagge, die von der Anmutung an die sogenannte Reichskriegsflagge erinnert. „Diese Häuser sind Baudenkmäler von herausragender Bedeutung“, so Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen. „Hier liegt eine der Keimzellen der Stadt Hagen. Die Lange Riege ist wichtiger Teil der Route Industriekultur. Und jetzt wird unsere Stadtgeschichte auf diese Weise von Rechtsgesinnten besudelt.“

Mieter bestreitet eine rechte Gesinnung

Dieser historisch bedeutende Ort werde durchaus von Auswärtigen besucht. Und die, so Blank, würden auf diese abstoßende Weise empfangen.

Der Mieter des Eckhause streitet gegenüber unserer Zeitung eine rechte Gesinnung ab. Es handle sich um eine Fahne aus dem Ersten Weltkrieg, die er zur Fußball-WM gehisst und noch nicht wieder abgenommen habe. Von Nazi-Symbolik könne nicht die Rede sein. Das liege ihm fern, zumal sein Sohn ein Deutsch-Inder sei.

Adler und Kranz gab es nur in der NS-Zeit

Ausreden, die der Historiker Blank, zu dessen Spezialgebieten die NS-Zeit zählt, nicht mehr hören kann: „Ich beschäftige mich intensiv mit der Szene. Solche Sätze hört man immer wieder. Den in diesem Falle abgebildeten Adler gab es nur in der NS-Zeit. Gleiches gilt für den Kranz. Hakenkreuze werden auf diesen Fahnen bewusst nicht abgebildet.“

Der Staatsschutz der Polizei Hagen ist mittlerweile in den Fall involviert und hat den Fahnenbesitzer besucht. „Verboten“, so Polizeisprecher Uli Hanki, „ist diese Fahne nicht.“ Gleichwohl habe der Mann die umstrittene Flagge nach einem Gespräch mit den Kollegen abgenommen.

Historiker ärgert sich über „rechtliche Hilflosigkeit“

Trotzdem ärgert Dr. Ralf Blank die „rechtliche“ Hilflosigkeit. „Diese Szene ist gut vernetzt. Hier wird bewusst immer wieder mit den Grenzen der Demokratie gespielt, um rechtes Gedankengut wieder salonfähig zu machen.“

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