Wirtschaftsförderung in Hagen

Unternehmer: „Identifikation mit Hagen groß, Image schlecht“

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In jeder Branche ist der Fachkräftemangel immens – auch im Handwerk. Das Foto zeigt Dachdecker bei ihrer Arbeit.

In jeder Branche ist der Fachkräftemangel immens – auch im Handwerk. Das Foto zeigt Dachdecker bei ihrer Arbeit.

Foto: Michael Reichel / dpa

Hagen.  Die Wirtschaftsentwicklung Hagen hat eine Unternehmensbefragung in Auftrag gegeben. 110 Firmen haben sich beteiligt. Hier die Ergebnisse.

Der Bedarf an Fachkräften ist immens, die Nachfrage nach Gewerbeflächen ebenfalls. Das Image der Stadt Hagen ist schlecht, doch die Identifikation der meisten Unternehmen mit ihrer Stadt ist hoch. Das sind die Hauptergebnisse der Umfrage, die die Hagener Wirtschaftsentwicklung (HA.WE) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung (GEFAK) mit Sitz in Marburg durchgeführt hat.

„Wir wollten aus erster Hand erfahren, was den heimischen Unternehmen fehlt und wie ihre Sicht auf den Standort Hagen ausfällt“, sagt Dr. Christopher Schmitt, Geschäftsführer der HA.WE, die die Befragung in Auftrag gegeben hat.

Von den 498 Unternehmen haben 110 verwertbare Antworten geliefert, die Bewertung folgte dem Notenprinzip. „Die Rücklaufquote von 22,6 Prozent liegt leicht unter dem durchschnittlichen Wert“, räumt Dr. Ulrich Dewald, der die Befragung begleitet hat, ein, allerdings sei die Quote bei einer Erstbefragung (es handelte sich in diesem Fall um keine Stammkundenbefragung) normal.

Der GEFAK-Geschäftsführer weiter: „Nur wenige Kleinstbetriebe mit bis zu zehn Beschäftigten haben sich beteiligt, dafür waren allerdings – wie in dieser Region erwartbar – viele Betriebe aus den Bereichen Metallverarbeitung, Maschinenbau und Automobilwirtschaft dabei.“

500 Arbeitskräfte benötigt

Die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften wurde von fast allen Betrieben als schlecht (Note 3,7) bewertet. „Die 110 Unternehmen, die verwertbare Antworten im Rahmen der Befragung abgegeben haben, benötigen derzeit insgesamt 500 Arbeitskräfte, wobei sich der Bedarf auf alle Qualifikationsstufen, sprich, auf ungelernte Kräfte, Fachkräfte sowie auf Akademiker gleichermaßen verteilt“, resümiert Ulrich Dewald.

Und weiter: „80 Prozent der befragten Unternehmen erwarten bei der künftigen Stellenbesetzung arge Probleme.“ Und dabei sei der Einzelhandel, bei dem die Personalnot am größten sei, kaum mitgerechnet, da sich nur wenige Einzelhändler an der Befragung beteiligt hätten.

Dramatischer Flächenbedarf

Kritisch wurde auch die Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge bewertet (Note 4,0) und die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen. „40 Prozent der befragten Unternehmen, also etwa 40 Firmen, haben einen dringenden Flächenbedarf angemeldet. Den Befragten fehlen insgesamt 22,6 Hektar Fläche, die zu Gewerbezwecken genutzt werden kann“, so der Kommunalberater.

Auch für das Image der Stadt gab’s von den Unternehmen nur eine bescheidene Note 3,7, daher wurde gezieltes Standortmarketing auch als einen wichtigen Schritt in die Zukunft bewertet.

Stadt hat ein Imageproblem

„Den Imageproblemen auf der einen Seite steht eine große Mehrheit der Hagener Betriebe gegenüber, die sich mit dem Standort identifizieren“, so Ulrich Dewald. Und weiter: „Viele Unternehmen betonen ,Das ist unser Standort’ und die Identifikation mit der Stadt Hagen ist hoch, ebenso wie die Bereitschaft, sich an Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Standortes einzubringen“, unterstreicht der Wirtschaftsexperte.

Eine große Mehrheit der sich an der Befragung beteiligten Unternehmen plant demnach Investitionen, Neueinstellungen von Beschäftigten sowie Maßnahmen der betrieblichen Nachhaltigkeit – z.B. die Anschaffung von E-(Liefer)-Fahrzeugen, von Photovoltaikanlagen oder die ökologische Aufwertung des Firmenstandortes.

Und wie reagiert die Hagener Wirtschaftsentwicklung auf die Ergebnisse der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung? „Wir wollen nun ein strategisches Fundament erarbeiten“, sagt Dr. Christopher Schmitt. Etliche Unternehmen hätten bei der Wirtschaftsentwicklung Bedarf angemeldet sprich, um Hilfe gebeten.

„Wir möchten in den Bereichen Verwaltungslotsen und Fördermittelberatung stärker werden“, unterstreicht der HA-WE-Geschäftsführer und ergänzt: „Diese beiden Bereiche machen bei uns das ,Brot - und Buttergeschäft’ aus und stehen hoch im Kurs.“ Verwaltungslotsen begleiten Unternehmen bei behördlichen Antrags- und Genehmigungsverfahren und Fördermittelberater informieren zum Beispiel darüber, wie Energiesparprojekte funktionieren und finanziell unterstützt werden.

Bei der Hagener Wirtschaftsentwicklung stehen in beiden Bereichen jeweils drei bis vier Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter für die Beratung von Unternehmen zur Verfügung. „Und ab Januar haben wir praktisch eine feste Mitarbeiterin mehr, denn der Vertrag der bislang zeitlich befristet beschäftigten Mitarbeiterin wurde zum Glück entfristet“, sagt Christopher Schmitt zufrieden..

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