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Uwe Braselmann: „Der Standort passt in mein Wertekonzept“

Unternehmer Uwe Braselmannn, 61 Jahr alt, beim Stadtgespräch am Jakobusbrunnen im Breckerfelder Ortskern: Seine Firma Deller Plastics beschäftigt rund 150 Mitarbeiter. Damit ist er der größte Arbeitgeber in der Stadt.

Unternehmer Uwe Braselmannn, 61 Jahr alt, beim Stadtgespräch am Jakobusbrunnen im Breckerfelder Ortskern: Seine Firma Deller Plastics beschäftigt rund 150 Mitarbeiter. Damit ist er der größte Arbeitgeber in der Stadt.

Foto: Michael Kleinrensing

Breckerfeld.   Uwe Braselmann, Geschäftsführer von Deller Plastics, hat nie an einen Wegzug aus Breckerfeld gedacht.

Seit Generationen lebt seine Familie in Breckerfeld. Trotzdem zählt Uwe Braselmann (61) nicht zu jenen, die in den Vereinen der Hansestadt verwurzelt sind. Aber: Der Geschäftsführer von „Deller Plastics“ ist mit seinem Unternehmen der größte Arbeitgeber der Stadt. Rund 150 Menschen arbeiten in drei Schichten in der Firma im Industriegebiet, die sich auf die Produktion von Kunststoffteilen speziali siert hat.

Sie liefern Teile in die ganze Welt. Was hält die Firma am Standort Breckerfeld?

Meine Geburtshaus steht in Delle. Mein Großvater hat es 1910 erworben. Mein Vater hat dort gewohnt. An diesem Ort ist auch die Firma gegründet worden. Das war 1959. Unsere Wurzeln liegen hier. Die der Familie, aber auch die des Unternehmens. Wir haben ein Motto: Suche der Stadt Bestes. Daran orientieren wir uns.

War ein Umzug nie eine Alternative?

1987 haben wir am Standort Delle aufgestockt. Es zeichnete sich damals aber ab, dass der Platz nicht reichen würde. So stand ich Anfang der 90er-Jahre vor der Herausforderung, erweitern zu müssen. Zu einer Zeit, als das Gewerbegebiet nicht fertig war und es hohe Subventionen für jene gab, die in Ostdeutschland Arbeitsplätze schufen.

Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon vier Kinder, und ich hätte mein Leben auf der Autobahn verbracht. So habe ich mich für die Firma und für ein Leben zu Hause entschieden. Wir haben in Ennepetal ein Gebäude eines Unternehmers aufgekauft, der in den Osten gegangen war, und so die Zeit überbrückt.

Welche Bedeutung hat der Standort wirtschaftlich?

In erster Linie sind wir ja ein Familienunternehmen. Da ist mir wichtig, dass auch der Standort in mein persönliches Wertekonzept passt. Das ist hier der Fall. Wenn ich manchmal über die ehemalige Straßenbahntrasse rüber zum Unternehmen gehe und den Blick schweifen lassen – so abgegriffen das auch klingen mag – was ich da sehe, das ist für mich Heimat. Wirtschaftlich sind wir nah an Lüdenscheid. Da gibt es viel Kunststoffindustrie. Das Einzugsgebiet, aus dem unsere Mitarbeiter kommen, liegt zwischen Wuppertal, Hagen und Breckerfeld. Das passt.

Trotzdem bleibt doch ein logistischer Nachteil. Bis ihre Produkte auf der Autobahn sind, vergeht mindestens eine halbe Stunde . . .

Wir stellen kleine Präzisionskunststoffteile her, die wir auf alle Kontinente der Erde schicken. Das sind die ersten 20 Kilometer Transporweg nicht relevant. Im Grunde könnte man unser Unternehmen an jedem Ort der Welt aufmachen. Aber Facharbeiter bekommen überall ein gutes Gehalt. Und ich kann nicht durch das permanente Drücken von Lohnkosten beständig bleiben. Das würde meiner Ansicht nach nicht funktionieren.

Warum bestehen Sie denn am Markt?

Ich denke, dass liegt an der Qualität und an der Transparenz. Wenn wir ein Teil aus Mexiko als Ausschuss gemeldet bekommen, dann melden wir uns aktiv bei unseren Abnehmern in China oder Südafrika, die wir mit Teilen aus der gleichen Charge beliefert haben. Wenn es einen Wert gibt, der für uns entscheidend ist, dann ist es Vertrauen – das Vertrauen unserer Kunden.

Braucht die Stadt ein weiteres Gewerbegebiet?

Wir als Unternehmen stoßen vom Platz her an unsere Grenze. Deshalb sind wir mit der Stadt im Gespräch. Aber: Vor einer Entscheidung über eine mögliche Erweiterung wollen wir derzeit noch abwarten. Das haben wir auch der Stadt gegenüber signalisiert.

Sie stellen Teile für viele Bereiche her. Was war das ungewöhnlichste?

Wir haben mal für einen Autohersteller aus ganz speziellem Material ein Kartenfach gebaut. Irgendwann ist jemand beim Auftraggeber auf die Idee gekommen, dass das vom Platz alles gar nicht in das Modell passt und ohnehin jedes Fahrzeug mit Navi ausgeliefert wird. Da sind unsere Teile komplett verschrottet worden.

Hat es Sie persönlich nie aus Breckerfeld weggezogen?

Bis auf die Studienzeit in Darmstadt habe ich mein Leben in Breckerfeld verbracht. Das Unternehmen verbindet mich mit dem Ort. Hier sind auch meine Kinder groß geworden. Ich musste mein Leben nie splitten. Dafür bin ich dankbar. Nehmen Sie doch einen ganz normalen Lkw-Fahrer: Der ist in ganz Europa tagelang unterwegs. Das ist eine enorme Belastung für Familien.

Sie haben eine Ausbildung auf der Hasper Hütte gemacht . . .

Ja. Als Betriebsschlosser. Da war ich sofort Mitglied in der Gewerkschaft. Die ersten sechs Wochen war ich nach einem Unfall krank. Nach vier Wochen bekam ich einen Anruf, dass ich mir doch meine Lohntüte abholen solle. Das war außerhalb meiner Vorstellungskraft: Ich hatte noch keine Minute gearbeitet, aber mein erstes eigenes Geld verdient.

Gewerkschaftsmitglied sind sie heute nicht mehr, oder?

Nein. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es Gewerkschaften geben muss. Sonst würde unser System nicht funktionieren. Besonders in großen Konzernen. Aber: Bei uns gibt es keinen Betriebsrat. Die Gewerkschaft hat vor zwei Jahren mal ihre Zelte bei uns aufgeschlagen und dafür geworben. Ich habe sie willkommen geheißen und den Funktionären den Betrieb gezeigt. Nach ein paar Tagen waren sie wieder verschwunden.

Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben?

Eine große. Ich denke, dass wir alle aufgefordert sind, unseren Nächsten zu sehen. Im Unternehmen bedeutet das, dass ich aufgefordert bin, jedem Mitarbeiter eine Chance zu geben. Eine erste, eine zweite und wenn es sein muss auch eine dritte. Nichtsdestotrotz kommt der Punkt, da muss ich im Interesse des Unternehmens, im Interesse aller Mitarbeiter, Entscheidungen treffen, die Einzelne vielleicht nicht teilen. Das versuche ich, unseren Leuten zu vermitteln.

Sie werden bald 62 Jahre alt. Wie lange wollen sie noch arbeiten?

Ich werde meinem ältesten Sohn die Freiheit lassen zu entscheiden, ob er ins Unternehmen will oder nicht. Das wird er im nächsten Jahr festlegen. Wenn er sich dazu entschließt, werden wir noch zwei, drei Jahre gemeinsam arbeiten. Aber ich werde mein Pensum nach und nach reduzieren.

Und dann?

Dann werde ich auch mein Alter, so Gott denn will, dass ich alt werde, hier in Breckerfeld verbringen.

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