Kunst

Uwe Nickel, der Geschichtenerzähler

Der Hagener Maler Uwe Nickel

Foto: Michael Kleinrensing

Der Hagener Maler Uwe Nickel Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Uwe Nickels Bilder erzählen Geschichten: Eine Ausstellung würdigt den bekannten Hagener Maler und sein langes Schaffen zum 75. Geburtstag.

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Es gibt Begriffe, die kommen im Wortschatz des erzählgewaltigen Malers Uwe Nickel nicht vor. Retrospektive ist einer davon, Rente der andere. Zum 75. Geburtstag ehrt die Stiftung der Märkischen Bank den Künstler in Hagen mit einer großen Ausstellung – die 60 Werke sind allesamt aktuell, nur einige Grafiken erinnern an die Anfänge des bekannten Meisters in der Pop Art.

Jeans, Lederweste, Bart: Uwe Nickel kann man nicht übersehen, und in dieser Künstler-Kluft kennen ihn die Kulturfreunde in der ganzen Region. In über 50 Schaffensjahren hat er unbeirrbar ein ebenso konsequentes wie unverwechselbares Werk geschaffen.

Die Farbe steht im Mittelpunkt

Die fröhliche Farbigkeit seiner Arbeiten springt dem Betrachter unmittelbar vom Auge in die Seele, und das ist gewollt. Der weit gereiste Maler will mit seinem Werk Geschichten erzählen, von Honigfrauen, Drachenreitern, träumenden Schnecken und verliebten Krokodilen. Mit der Minikamera oder dem Graphitstift hält er allenthalben Eindrücke fest; aus diesen Skizzen entstehen dann Kompositionen, in denen grafische Elemente versetzt und zu einer faszinierenden, manchmal rätselhaften Parallelwelt verdichtet werden. „Wie sich das Bild entwickelt, weiß ich vorher nie“, beschreibt Uwe Nickel seinen Schaffensprozess. „Wenn ich nicht weiterkomme mit dem Bild, höre ich auf und nehme mir eine andere Skizze, fange wieder von vorne an, und dann gehe ich so lange in das Bildgeschehen hinein, bis das Bild mit mir spricht.“

Der Architektensohn, am 3. Juli 1942 in Zoppot bei Danzig geboren und auf einem Bauernhof an der Unterweser aufgewachsen, hat früh angefangen zu malen. Nach der Grafiker-Ausbildung entdeckte Nickel die damals noch junge Pop Art für sich und wurde schnell bekannt. Er hat für diverse Tageszeitungen Karikaturen gezeichnet und für das Theater Hagen die Plakate entworfen. Alt-Intendant Prof. Manfred Schnabel besuchte ihn erst jüngst in seinem geliebten Atelier im Haus Busch in Hagen-Bathey. „Ich bin froh, dass ich mich 50 Jahre lang als Freiberufler halten konnte.“ Im Haus Busch unterstützt Nickel auch den Journalistennachwuchs, der dort ausgebildet wird. Die künftigen Reporter trainieren mit dem eloquenten Maler, wie man Interviews führt.

Doch sein vor Ideen geradezu übersprudelndes Werk beschreibt nur die eine Seite des Künstlers Uwe Nickel. Daneben steht der geniale Lehrer. Seit fast 20 Jahren gibt er Workshops in seinem Atelier, die Teilnehmer kommen aus dem Sauerland und aus dem Ruhrgebiet. 800 bis 1000 Eleven hat er zeitweise im Jahr unterrichtet. „Ich bringe meinen Schülern bei, dass sie anfangen, Eigenständigkeit zu entwickeln.“ Als Dozent will Nickel künftig kürzer treten und dafür umso mehr malen. „Die Frage ist dann, wo die Sachen einmal hingehen, aber da wird sich schon etwas finden.“ Bereits Ende der 1960er Jahre hat das Hagener Osthaus-Museum erste Werke von ihm erworben.

Rentnerdasein gibt es für ihn nicht

Die Farbe ist das Medium, in dem Uwe Nickel erzählt. Anfangs hat er noch das Normspektrum der Pop-Art verwendet, mit auffälligen komplementären Kontrastwirkungen. Seit einigen Jahren beherrschen abgemischte Farben seine Palette. Wenn es die Bildhandlung gebietet, beschränkt er sich mitunter auf wenige Töne. „Ich habe immer große Schwierigkeiten, von der Farbe wegzukommen. Wenn ich Blau-in-Blau gehe, geht das auch, das habe ich in jüngster Zeit öfter probiert.“

Die Ausstellung steht unter dem Motto „Mitten im Leben“. „Der Titel ist auf meine Lebensweise gemünzt“, verrät Uwe Nickel, „weil es ein Rentnerdasein für mich ja nicht gibt.“ Der Maler überlegt kurz und fügt dann hinzu: „Ich bin mir immer treu geblieben.“

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