Public Viewing

Veranstalter will nie mehr mit Stadt Hagen zusammen arbeiten

Deutsche Fans auf der Springe während der EM 2016.

Foto: Alex Talash

Deutsche Fans auf der Springe während der EM 2016. Foto: Alex Talash

Hagen.   2016 organisierte Dennis Kessmeyer die EM-Fanmeile auf der Springe in Hagen. Dann präsentierte ihm die Feuerwehr eine Rechnung über 7470 Euro.

Donnerstag beginnt die Fußball-WM. Doch in Hagen wird es diesmal kein Public Viewing geben. Grund: Der Veranstalter der EM-Fanmeile von 2016, Dennis Kessmeyer, fühlt sich von der Stadt Hagen hinters Licht geführt.

„Man hat mich mit einer Rechnung auflaufen lassen, von der im Vorfeld nie die Rede war“, reagiert der Chef der Firma Kessmeyer Consults auch zwei Jahre nach jenen Vorfällen noch erzürnt: „Mit der Stadt Hagen werde ich nie wieder zusammenarbeiten.“

Sechs Feuerwehrmänner zugegen

Im Sommer 2016 übertrug Kessmeyer auf einer Großleinwand auf der Springe alle sechs EM-Spiele mit deutscher Beteiligung – zuletzt am 7. Juli das Halbfinale gegen Frankreich (0:2). Die Resonanz war mager, die fetten Jahre des Public Viewings längst vorbei. Doch obwohl sich jeweils nur einige Hundert Fans auf der Springe einfanden, hätte Kessmeyer am Ende einen bescheidenen Gewinn einfahren können.

Hätte. Denn kurz nach der Europameisterschaft präsentierte ihm die Hagener Feuerwehr für Brandsicherheitswachen eine Rechnung über 7470 Euro. Bei allen sechs Spielübertragungen waren jeweils sechs Feuerwehrmänner zugegen, um ein Auge auf die Sicherheits vor Ort zu haben, im Amtsdeutsch: um „vorbeugenden Brandschutz“ zu leisten. Pro Mann und Stunde berechnete das Amt für Brand- und Katastrophenschutz 44 Euro, hinzu kam eine pauschale Pkw-Gebühr in Höhe von 13 Euro für die Anfahrt.

Nach Mahnung gezahlt

Als er die Rechnung erhielt, sei er vollkommen irritiert gewesen, so Kessmeyer: „Davon hatte man mir vorher nichts gesagt, deshalb hatte ich es auch nicht einkalkuliert.“ Solch ein Geschäftsgebaren sei unseriös und ihm in anderen Städten auch noch nie untergekommen.

Nach einer Beschwerde habe man ihm seitens der Stadt versichert, man kläre das. Stattdessen habe er jedoch eine Mahnung erhalten und den geforderten Betrag schließlich zähneknirschend beglichen. „Was wir verdient hatten, mussten wir wieder für die Feuerwehr ausgeben. Für kleinere Unternehmen wäre das tödlich gewesen.“

Firma im Dreischeibenhaus

Kessmeyer, der mit seinem Firma im Dreischeibenhaus am Ende der Düsseldorfer Kö residiert und bundesweit Veranstaltungen organisiert, will mit der Stadt Hagen nichts mehr zu tun haben. Michael Ellinghaus, Chef der Hagen-Agentur, die an den Verhandlungen mit Kessmeyer vor zwei Jahren beteiligt war, kann das nachvollziehen: „Mehr möchte ich zu der Angelegenheit nicht sagen.“

Feuerwehrchef Veit Lenke dagegen bestätigt die hohe Rechnung für den Brandschutz, schränkt aber ein: „Ich war bei den Gesprächen nicht dabei, die Feuerwehr war ausführendes Organ. Und von uns werden alle Veranstalter gleich behandelt, wir sind hier in Hagen und nicht im Kölschen Klüngel.“ Auch Stadtsprecher Michael Kaub weist die Vorwürfe Kessmeyers zurück: „Ohne Sicherheitskonzept darf so eine Veranstaltung gar nicht durchgeführt werden. Herr Kessmeyer musste also wissen, was auf ihn zukommt.“

Das Ende vom Lied: kein Public Viewing in Hagen. Und ein schwerer Imageschaden für die Stadt.

>>Hintergrund: Hier steht eine Großleinwand

  • Auch wenn viele Kneipen die deutschen WM-Spiele zeigen: Die Möglichkeit zum Rudelgucken ist im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen. Einige Beispiele gibt es. Ein Überblick.
  • Café Halle auf dem Tücking zeigt sämtliche deutschen Spiele auf einer großen Leinwand im Biergarten. Mehr als 100 Besucher finden Platz. „Alle anderen Spiele lohnen sich nicht“, so Frank Fischer. Der Eintritt ist frei, aber natürlich hofft der Wirt, mit dem Verzehr ein Geschäft zu machen. Bei Regen gibt es Zelte.
  • Auf dem Elbersgelände werden ebenfalls alle deutschen Spiele gezeigt. Hier steht eine Großleinwand. Im Biergarten stehen 1000 Plätze zur Verfügung.
  • Die evangelische Kirchengemeinde in Garenfeld lädt alle Fans ein, die deutschen Spiele auf Großleinwand im Gemeindehaus, Im Dorf 4, zu gucken. Einlass ist jeweils eine Stunde vor Spielbeginn, es gibt Getränke und Würstchen.
  • Das Kulturzentrum Pelmke in Wehringhausen, Pelmkestr. 14, zeigt alle Spiele mit deutscher Beteiligung auf Leinwand.
  • Haben wir ein größeres Public Viewing vergessen? Schreiben Sie uns: hagen@westfalenpost.de oder 917-4186.
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