Kommentar

Verhandlungen mit sehr langem Atem

WP-Redakteur Martin Weiske

WP-Redakteur Martin Weiske

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Dass die Entwidmung des Hengsteysee-Grundstücks mit der notwendigen Energie betrieben wurde, bezweifelt WP-Kommentator Martin Weiske.

Es ist sicherlich unbestritten, dass die Zusammenarbeit mit dem Mobilitätsriesen Bahn meist ähnlich geschmeidig verläuft wie eine Veganer-Debatte mit dem Weißen Hai. Dennoch kann man durchaus zu positiven Ergebnissen kommen – man muss bloß früh genug und mit einem Höchstmaß an Beharrlichkeit den Gesprächsfaden aufnehmen.

Als der Regionalverband Ruhr (RVR) einst das gut 20 Hektar große Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofes Hengstey für etwa eine Million vom Bundeseisenbahnvermögen erwarb, war durchaus bekannt, dass auf dem Grundstück noch eine Widmung für Bahnbetriebszwecke lag. Damit war und ist das Grundstück letztlich bis heute faktisch bloß einen Euro wert, weil es mit dieser Auflage weder Mittel für eine Altlastensanierung noch Fördergelder für eine Internationale Gartenausstellung (IGA) gibt.

Nachdem der RVR das Areal im Sommer 2018 der Stadt Hagen für ihre Nutzungszwecke überließ, hätte man sich im Rathaus sofort und mit aller Vehemenz darum kümmern müssen, durch eine Entwidmung den Weg für eine baurechtlich saubere Überplanung frei zu machen. Zwar fädelte die Stadt Hagen ein Freistellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt ein, doch der gewünschte Erfolg blieb über alle die Monate auf der Strecke.

Jetzt muss mit Blick auf den „IGA 27“-Prozess plötzlich alles ganz schnell gehen. Eine Geschwindigkeit, die zum üblichen Rhythmus des Verhandlungspartners Bahn so gar nicht passt. Daher bleiben auch nach der Ratssitzung berechtigte Zweifel, ob es am Ende reicht, das Thema bis zum Sommer zu einem Erfolg zu führen.

Jetzt noch einmal in die Fachausschüsse zu gehen, erhöht den Zeitdruck zusätzlich. Wenn dieser Umweg am Ende allerdings zu dem erhofften Ziel führt, dass die Bahn verbindlich erklärt, der Entwidmung des ersehnten Seegrundstücks zuzustimmen, hat sich diese politische Schleife gelohnt.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben