Gericht

Verurteilt: Motorradfahrer verletzt Mädchen in Fußgängerzone

Evelina (damals drei Jahre alt) – hier mit ihren Eltern Nikolai und Oksana Kischik sowie Chefarzt Andreas Leutner — auf dem Weg der Genesung. Ihr roter Luftballon (rechts im Bild) blieb bei dem Unfall unbeschädigt. 

Foto: Heuel

Evelina (damals drei Jahre alt) – hier mit ihren Eltern Nikolai und Oksana Kischik sowie Chefarzt Andreas Leutner — auf dem Weg der Genesung. Ihr roter Luftballon (rechts im Bild) blieb bei dem Unfall unbeschädigt.  Foto: Heuel

Hagen-Mitte.   Der Motorradfahrer, der ein Kind in der Fußgängerzone verletzt hat, ist zu 1500 Euro Geldstrafe und zwei Monaten Fahrverbot verurteilt worden.

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Als ihr roter Luftballon davonflog, wollte die kleine Evelina (3) einfach nur hinterher. Sie riss sich von der Hand ihrer Mutter los – kein Problem, es war doch in der sicheren Fußgängerzone. Doch dann schoss ein Motorrad heran und erwischte das strohblonde Mädchen.

Suzuki-Fahrer (49) vor Gericht

Blutend, schwer verletzt, lag das Kleinkind auf dem Pflaster der Marienstraße, vor dem Geschäft „Die Uhrmacher“ (Grund+Urbe). Das war am 29. Mai 2016, einem sonnigen Sonntag. Gestern stand der Suzuki-Fahrer (49) vor Gericht – angeklagt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Amtsrichter Dr. Thorsten Opitz verhängte 1500 Euro Geldstrafe (100 Tagessätze zu je 15 Euro) sowie zwei Monate Fahrverbot: „Mehr falsch machen kann man nicht“, urteilte er in Richtung des Angeklagten, „das war schon in erhöhtem Maße sorgfaltswidrig.“

Schild gut zu sehen

Da ist das „Fußgänger-Zone-Schild“, das der Motorradfahrer schlichtweg nicht wahrgenommen und übersehen haben will: „Ich wusste nicht, dass dieser Bereich der City schon Fußgängerzone ist“, führte der stämmige Angeklagte (Vollbart, Geheimratsecken, zurückgekämmtes Haar mit Gel) zu seiner Entschuldigung an.

Richter Opitz konterte: „Das Schild war gut zu sehen, deutlicher geht es nicht. Auf einer normalen Straße laufen die Leute doch nicht einfach herum. Außer an Karneval.“

Kopf, Ohr, Bein und Bauch verletzt

Klein-Evelina musste fünf Tage stationär behandelt werden, zuerst in einem Hagener Krankenhaus, dann in der Herdecker Klinik und zuletzt bei Chefarzt Andreas Leutner in Dortmund.

Vater Nikolai Kischik (52) zählt ihre Verletzungen auf: „Am Kopf, Ohr, Bein und Bauch.“ Platzwunden, Schürfwunden, ­Prellungen und auch ein leichter Knochenriss. Zum Glück geht es der Kleinen wieder gut. Doch noch heute zeigt das Mädchen Angst, wenn sich ein Motorrad nähert.

Stark beschleunigt

Den Suzuki-Chopper hatte der Angeklagte erst einen Tag zuvor in Kassel gekauft. Passanten gaben an, der Biker habe in der Fußgängerzone lautstark beschleunigt.

Die Sprecherin des Amtsgerichts, Alexandra Bubenzer: „Es gab ein Überwachungsvideo aus dem Uhrengeschäft, darauf ist ein Teil des Unfalls zu sehen.

Die Polizei hat die Örtlichkeit gut ausgemessen. Dadurch konnte ein Gutachter errechnen: Der Motorradfahrer hatte recht schnell, innerhalb von 20 Metern, auf 40 km/h beschleunigt.“

Ein Unfallzeuge hatte zu Protokoll gegeben: „Der Angeklagte war nach dem Unfall um sein Motorrad sehr besorgt, um das Kind aber gar nicht. “

Kontrolle übers Krad verloren

Den Angeklagten, der durch das Bremsmanöver die Kontrolle über sein Krad verloren hatte und selbst zu Fall gekommen war, regt das auf: „Ich wollte dem Mädchen helfen. Doch ich wurde von Passanten angeschnauzt und weggedrängt. Was sollte ich da noch machen?“

Zumindest schrieb der Angeklagte an die Eltern einen Entschuldigungsbrief. Sein Verteidiger Peter Raspe: „Mein Mandant war durch das ihm nicht vertraute Motorrad abgelenkt. Er hat gepennt und dadurch diesen Unfall verursacht.“

Richter Opitz war da deutlicher: „Wenn man durch die Fußgängerzone fährt, obwohl man ein Kind sieht, sollte man überlegen, ob man überhaupt etwas im Straßenverkehr verloren hat.“

>>>Berufung

  • Rechtsanwalt Peter Raspe wird Berufung einlegen: „Die 1500 Euro Geldstrafe werden akzeptiert, obwohl mein Mandant arbeitslos ist. Doch das zweimonatige Fahrverbot muss weg. Er hat eine Stelle in Aussicht.“

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